Drei Musketiere im Dax
Rückblick: Der Dax leidet mit seinen Schwergewichten

DÜSSELDORF. Die drei Musketiere waren eigentlich zu viert. D?Artagnan, der Held des berühmten Romans von Dumas, stößt zu den drei Freunden Athos, Porthos und Aramis. Gemeinsam kämpfen sie für eine gute Sache - und siegen am Ende.

Den Deutschen Aktienindex (Dax) unterstützen in diesem Jahr auf seinem Höhenflug in der ersten Jahreshälfte in erster Linie vier Unternehmen: Deutsche Telekom, Siemens, SAP und Mannesmann. Im März erklomm der Index mit 8 136 Punkten seinen absoluten Höchststand. Nachdem Mannesmann durch die Fusion mit Vodafone vom deutschen Kurszettel verschwunden ist, sind jetzt nur noch drei Technikriesen übrig. Und von diesen hat sich mit Blick auf das gesamte Jahr nur Siemens gut geschlagen. SAP dagegen geriet kräftig ins Straucheln, und die Telekom liegt schon lange am Boden.

Schwergewicht Deutsche Telekom

Wenn sich der Dax, der auf Jahressicht gerade noch die Balance hält, wieder hochkämpfen soll, dann geht das wohl nur gemeinsam mit den drei starken Techniktiteln. Die Deutsche Telekom ist mit gut 12 % das Schwergewicht im Dax. Siemens folgt mit knapp 10 % auf dem dritten Rang - rechnet man die Tochter Infineon hinzu, dann liegt der Gesamtkonzern sogar an der Spitze. SAP ist mit etwas über sechs Prozent der kleinste der Musketiere. Die anderen Dax-Riesen in der Spitzengruppe sind die Allianz (über 10 %, Rang 2) und die Münchener Rück (Rang 4); nach SAP folgen Deutsche Bank, Daimler Chrysler, - Eon, Bayer - und danach kommt schon die Siemens-Tochter Infineon.

Hoffnung für die Technologie-Riesen

Ein Blick auf diese Liste zeigt: Technologie ist in der Spitzengruppe sonst selten vertreten, dafür umso mehr "Old Economy", alte Branchen also. Und diese Titel sind entweder in diesem Jahr schon gut gelaufen - wie die beiden Versicherungen Allianz und Münchener Rück und der Versorger Eon. Oder sie kämpfen schwer mit Problemen, wie beispielsweise Daimler. Viel Dynamik ist daher aus diesem Bereich nicht zu erwarten, bestenfalls solide Unterstützung. Außerdem gehen viele Experten davon aus, dass die klassischen Titel weltweit nicht mehr lange gut laufen und von den Technikaktien abgelöst werden. Dann könnten Deutsche Telekom, Siemens und SAP wieder an vorderster Front stehen.

Siemens hat nicht enttäuscht

Siemens

hat als einziger der drei Titel die Anleger in diesem Jahr nicht enttäuscht, sondern den Dax kräftig gestützt. Die weitere Kursentwicklung hängt stark davon ab, ob Konzernchef Heinrich von Pierer eine überzeugende Strategie für die nächsten Jahre präsentieren kann - am Donnerstag hat dazu eine Pressekonferenz stattgefunden (s. Hauptblatt). Von Pierer steht unter hohem Erwartungsdruck. Vor zweieinhalb Jahren kündigte er mit einem inzwischen legendären Zehn-Punkte-Programm an, den Konzern umzukrempeln. Der Erfolg zeigte sich darin, dass die Aktie aus ihrem Schlaf erwachte. Doch nachdem die Punkte weitgehend abgearbeitet sind, verlangen die Investoren jetzt neue Ideen.

Comeback dürfte der T-Aktie schwer fallen

Nicht einfach werden dürfte ein Comeback dagegen für die T-Aktie, die im Laufe des Jahres kräftig an Wert verloren hat. Zwar loben manche Experten die gute Marktposition der Deutschen Telekom, aber nicht zu übersehen sind auch ihre hohen finanziellen Belastungen.

Auch SAP leidet

SAP

schließlich leidet auch unter der allgemeinen Schwäche der Technologietitel. Wie kaum ein anderes deutsches Unternehmen hängt der Aktienkurs stark von der Entwicklung an der US-Technologiebörse Nasdaq ab. Die Gefahr ist groß, dass eine Mischung aus allgemeinen Wachstumszweifeln im Markt für Unternehmenssoftware und skeptischen SAP-Urteilen einzelner Analysten die Nachrichten von der tatsächlichen Geschäftsentwicklung im kommenden Jahr überlagern wird.



2001 gilt es also für den Dax, eine große Schlacht zu schlagen. Wenn die Stimmung sich aufhellt, ist sie aber noch zu gewinnen.

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