Drei Palästinenser getötet
Israelische Armee rückt in Nablus ein

Die israelische Armee ist am Freitagmorgen offenbar aus Vergeltung für den palästinensischen Anschlag in Jerusalem mit mehr als 100 Panzern in Nablus im Westjordanland eingerückt. Nach palästinensischen Angaben wurden dabei drei Palästinenser getötet.

Reuters NABLUS. Palästinensische Augenzeugen berichteten, die Armee sei im Schutz der Dunkelheit mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen in die Altstadt von Nablus vorgestoßen. Einwohnern berichteten von schwerem Maschinengewehrfeuer.

Nach dem Anschlag in der hebräischen Universität in Jerusalem hatte Israel der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas Vergeltung angedroht. Die Hamas hatte sich zu dem Anschlag bekannt, bei dem fünf US-Bürger und zwei Israelis getötet wurden. Rund 80 Menschen wurden verletzt.

Palästinensischen Sicherheitskreisen zufolge erschossen israelische Soldaten am Freitag ein Mitglied der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas in einem Dorf am Rande von Nablus. Zwei Palästinenser seien im Stadtzentrum getötet worden. Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte: "Aus Einsatzgründen äußern wir uns zurzeit nicht."

Israelische Soldaten hatten die Stadt bereits seit Wochen umstellt, um die Einhaltung der Ausgangssperre dort zu gewährleisten. Nach einer Serie palästinensischer Anschläge war die Armee im April und Mai in Nablus und fast alle anderen größeren Städte im Westjordanland einmarschiert, um nach eigener Darstellung gegen israel-feindliche Extremisten vorzugehen. Der Einsatz nun in Nablus war der größte seitdem.

Bei weiterer Gewalt wurde nach palästinensischen Angaben am Donnerstag ein neunjähriges Palästinenser-Mädchen durch Schüsse israelischer Soldaten getötet, die dort eine jüdische Siedlung bewachten. Die Armee teilte mit, Soldaten hätten das Feuer erwidert, nachdem sie in der Gegend von Palästinensern beschossen worden seien. In israelischen Militärkreisen hieß es, der Armee sei von palästinensischer Seite nichts über den Tod eines Kindes berichtet worden.

Die israelische Armee warf militanten Palästinenser vor, einen Israeli aus nächster Nähe erschossen zu haben. Nahe der Stadt Tulkarm sei ein erschossener und gefesselter Mann gefunden worden.

US-Präsident George W. Bush hatte sich am Donnerstag wütend über den Tod von US-Bürgern bei dem Anschlag in Jerusalem geäußert. Er halte aber trotzdem einen Frieden im Nahen Osten weiterhin für möglich. "Ich bin einfach erbost, genau wie es Israel zurzeit ist", sagte Bush.

Auf die Frage, ob er einen israelischen Vergeltungsschlag befürworte, sagte er, Israel habe das Recht, sich selbst zu verteidigen. Die beteiligten Parteien müssten jedoch "die Vision des Friedens" im Auge behalten.

Aus hochrangigen US-Regierungskreisen verlautete, die US-Bundespolizei FBI werde wegen des Anschlags ermitteln und mit israelischen Strafbehörden zusammenarbeiten. Ein führender Hamas-Vertreter erklärte, seine Gruppe habe nicht gezielt US-Bürger angegriffen. Der Anschlag sei Vergeltung für einen israelischen Luftangriff auf ein Wohnviertel in Gaza-Satdt gewesen, bei dem in der vergangenen Woche der Militärchef der Hamas und 14 weitere Palästinenser getötet worden waren.

Bei dem seit Ende September anhaltenden Palästinenser-Aufstandes gegen die israelische Besetzung und für einen eigenen Staat sind mindestens 1474 Palästinenser und 574 Israelis getötet worden.

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