Drei Palästinenser getötet
USA und Israel auf Konfrontationskurs

Zwischen Israel und den USA ist es wegen der Wiederbesetzung autonomer Palästinensergebiete durch die israelische Armee zu einer offenen Konfrontation gekommen. Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser wies am Dienstag die Forderung der USA nach einem sofortigen und dauerhaften Rückzug der Truppen aus den betroffenen Städten schroff zurück.

dpa JERUSALEM/WASHINGTON. "Wir halten sehr viel von den Vereinigten Staaten (...), aber das, was (in Washington) gesagt wurde, war - bei allem Respekt - einfach daneben", sagte der Minister.

US-Außenminister Colin Powell bekräftigte anschließend die Abzugsforderung bei einem Treffen mit seinem israelischen Amtskollegen Schimon Peres in Washington. Außerdem wollte sich US- Präsident George W. Bush persönlich einschalten und die Forderung noch am Dienstag gegenüber Peres im Weißen Haus unterstreichen. "Wir glauben, die israelischen Streitkräfte sollten sofort abgezogen werden", sagte Außenamtssprecher Richard Boucher.

Auch am Dienstag starben im Westjordanland wieder drei Palästinenser in der Folge der Armeeaktionen, die seit vergangenem Mittwoch mindestens 29 Palästinensern das Leben gekostet haben. In einem Dorf nahe der von der Armee umzingelten Stadt Tulkarem erschossen Soldaten nach palästinensischen Angaben einen 50-jährigen Zivilisten und einen 19 Jahre alten Polizisten. Den Angaben zufolge hatten israelische Panzer den Ort zuvor mit Granaten beschossen. In einem Krankenhaus in Kalkilia starb ein 13-Jähriger, der am Montag von Soldaten angeschossen worden war.

Eine Kommandoeinheit der israelischen Armee entführte einen Führer der militanten Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad aus einem Dorf in der Nähe der Stadt Hebron. In Bethlehem demonstrierten etwa 1000 Geistliche und ausländische Hilfskräfte gegen die Anwesenheit israelischer Truppen in der Geburtsstadt Jesu.

Der Konflikt zwischen Israel und den USA hatte sich am Montagabend an ungewöhnlich scharfen Äußerungen des stellvertretenden Sprechers des US-Außenministeriums, Philip Reeker, entzündet. Er kritisierte die Besetzung der Palästinensergebiete rund um sechs autonome Städte im Westjordanland und nannte die "Tötung unschuldiger Zivilisten in den vergangenen Tagen inakzeptabel". Außerdem verlangte er den sofortigen Rückzug der Armee und forderte die Israelis auf, in Zukunft solche Invasionen zu unterlassen. Das Büro von Ministerpräsident Ariel Scharon wies dies sofort zurück. "Die Armee wird die autonomen Gebiete erst wieder verlassen, wenn ihre militärischen Ziele verwirklicht sind", hieß es in einer Erklärung am Montagabend.

Die Truppen waren nach dem Attentat auf den rechtsgerichteten Tourismusminister Rechawam Seewi am vergangenen Mittwoch in die palästinensischen Städte eingedrungen oder hatten sie abgeriegelt. Palästinenserpräsident Jassir Arafat, der inzwischen die USA und die Vereinten Nationen um Intervention gebeten hat, wies die Forderungen Scharons nach einer Auslieferung der Mörder Seewis zurück. Die USA forderten Arafat auf, die Attentäter festzunehmen und zur Verantwortung zu ziehen.

Verteidigungsminister Ben-Elieser sagte am Montag, durch die Anwesenheit der Truppen in den autonomen Gebieten würden möglicherweise Terroranschläge in Israel verhindert. Es gebe "ernst zu nehmende Warnungen vor geplanten Terroranschlägen aus diesen Gebieten". Ein hoher palästinensischer Sicherheitsoffizier sagte der dpa am Dienstag in Gaza, Israel habe seit Beginn der Intifada insgesamt zwei Divisionen im Gazastreifen stationiert.

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