Drei Perlen
Die Herz-Strategie: Nivea statt West

Nach mehr als einem Jahr des Stillstands hat die Hamburger Milliardärsfamilie Herz gezeigt, dass sie doch noch zu Entscheidungen fähig ist.

dpa HAMBURG. Die verfeindeten Geschwister, denen der Tchibo-Konzern gehört, rauften sich zusammen und brachten den Verkauf ihrer Reemtsma-Beteiligung an den britischen Konzern Imperial Tobacco unter Dach und Fach. "Eine Transaktion, die für alle Sinn macht", kommentierte Tchibo-Chef Ludger W. Staby den seit langem erwarteten Deal.

Das Unternehmensreich der Herz-Familie besteht aus drei Perlen, die seit Jahrzehnten klotzige Gewinne abwerfen und stetig wachsen: Neben Reemtsma und der Kaffeesparte Tchibo Frisch-Röst GmbH-Kaffee zählt dazu vor allem eine mehr als 30-prozentige Beteiligung an dem Hamburger Beiersdorf-Konzern. Die Konzernsparten haben bei allem Glanz mittelfristig jedoch ein paar Probleme zu lösen. Und die waren im Tabakbereich am größten.

Fressen oder gefressen werden

"Tchibo ist zwar in Deutschland ein großes Unternehmen, aber wenn ich mir die europäischen Märkte ansehe, sind wir in allen Bereichen nur ein kleiner Spieler", hatte der frühere Tchibo-Chef Günter Herz festgestellt, nachdem er im vergangenen Jahr von seinen drei Brüdern aus der Unternehmensspitze gedrängt wurde. Die Frage hieß: Fressen oder gefressen werden, wenn die nächste Konzentrationswelle anrollt. Aber um im großen Stil Unternehmen zu erwerben, fehlte dem Familienkonzern dann doch das Geld.

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Günter Herz wollte deshalb gern an die Börse, doch die Mehrheit der Familie blockierte diesen Plan. Mit dem Reemtsma-Verkauf hat der Herz-Clan einen anderen Weg eingeschlagen: Der von drohenden Werbeverboten und anhaltenden Gesundheitsdiskussionen gebeutelte Tabakbereich brachte das Geld, um in die zukunftssichere Kosmetiksparte investieren zu können. Nivea statt West heißt die Devise. Reemtsma ist zwar der viertgrößte Zigarettenkonzern der Welt, bringt es aber doch nur auf einen globalen Marktanteil von 2,5 %. Das ist auf Dauer zu wenig

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Über Tchibo sowie über den Reemtsma-Nachfahren geht nun ein Geldregen von mehr als sechs Mrd. Euro nieder. Die Herz-Familie möchte dieses Geld gern nach München tragen, um von der Allianz die Beiersdorf-Mehrheit zu bekommen. Doch ob die Münchner da mitziehen, ist offen. Immerhin: Mit dem Reemtsma-Verkauf ist ein erster Schritt zur Neuordnung des Herz-Imperiums getan.

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