Drei Provinzen angegriffen
Nordallianz setzt Offensive gegen Taliban fort

Die oppositionelle Nordallianz in Afghanistan hat Augenzeugen- und Agenturberichten zufolge am Sonntag drei Provinzen angegriffen. Die gegen die regierenden radikal-islamischen Taliban kämpfende Nordallianz habe mindestens einen Distrikt erobert, meldete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP.

Reuters KABUL. Die Taliban bereiteten sich auf einen US-Militärschlag vor. Augenzeugen berichteten von Bunkerarbeiten und dem Aufbau von Luftabwehrgeschützen. Die Gegner der Taliban sind sicher, dass sich der Islamist Osama bin Laden, den die USA für den Hauptverdächtigen der Anschläge halten, mit Taliban-Chef Mohammad Omar im Süden des Landes versteckt hält.

In der Nacht habe die Nordallianz den Distrikt Sare in der Provinz Balch erobert, meldete AIP weiter. Sare ist 100 Kilometer von der Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif entfernt, die derzeit von den Taliban gehalten wird. Die Nordallianz rechnete eigenen Aussagen zufolge mit einer baldigen Eroberung des strategisch wichtigen Ortes. Auch in den Provinzen Samangan und Tachar lieferten sich die beiden Parteien Kämpfe, berichtete AIP. In Tachar seien zwei Angriffe der Nordallianz zurückgeschlagen worden. Über die Lage in Samangan gebe es zunächst keine Informationen. Die neuerlichen Angriffe wurden von den Taliban bislang nicht bestätigt.

In Afghanistan verstärkten Arbeiter die Stellungen entlang der Grenze zu Pakistan, berichteten Augenzeugen. Die Taliban besäßen sogar Stinger-Raketen. Diese Boden-Luft-Raketen wurden von den USA Mitte der 80er Jahre an die Afghanen für ihren Kampf gegen die Sowjet-Truppen geliefert. Die Taliban gaben inzwischen bekannt, Stammesmitglieder aus grenznahen Regionen zu rekrutieren. Außerdem meldeten sich täglich zahlreiche Freiwillige für den Kampf gegen die USA, fügten sie hinzu.

US-Präsident George W. Bush hat den Taliban mit einem Militärschlag gedroht, falls sie Bin Laden nicht ausliefern. Er wird von den USA als Organisator der Anschläge auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium bei Washington verdächtigt. Die Taliban haben eine Auslieferung des aus Saudi-Arabien stammenden Millionärs mehrfach abgelehnt.

Höchstwahrscheinlich hielten sich Bin Laden und Omar in der Region Kandahar auf, der Hochburg der Taliban, sagte Abdullah Abdullah, der Außenminister der auch nach ihrer Entmachtung 1996 international noch anerkannten Regierung Afghanistans. Er äußerte sich in Duschanbe, der Hauptstadt Tadschikistans.

Pakistanische Kämpfer formieren sich eigenen Angaben zufolge, um die Taliban im Kampf gegen die USA zu unterstützen. Mudschaheddin (Gotteskrieger) der pakistanischen Pro-Taliban-Gruppierung Jamiat Ulema i-Islam (JUI) wurden in Richtung der afghanischen Grenze in Gang gesetzt, sagte ein regionaler JUI-Kommandeur. Er kündigte die Umzingelung pakistanischer Militäreinrichtungen an, um eine Nutzung durch die USA zu verhindern. Am Wochenende starben bei Protesten gegen die Unterstützung Pakistans für die USA vier Menschen. Experten zufolge war die Zahl der Demonstranten insgesamt relativ gering.

General Raschid Dostum, der eine Einheit der usbekischen Minderheit in Afghanistan befehligt, rief die USA zu logistischer Unterstützung für die Nordallianz auf. Er sei bereit, die USA in der Region zu unterstützen, warnte sie aber zugleich vor einem Einsatz von Bodentruppen.

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