Drei-Säulen-Modell der Schuldige
Banken brauchen rasche Konsolidierung

2003 war für die deutschen Großbanken das Jahr der Sanierung - jetzt könnte die Stunde der Konsolidierung schlagen. Entweder schnappt sich ein ausländischer Finanzriese eine Großbank, oder aber die heimischen Institute ringen sich endlich zu Fusionen durch - so etwa lässt sich Stimmungslage in der Finanzszene beschreiben. Selbst über eine Megafusion von Deutscher, Dresdner, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank (HVB) wurde schon spekuliert.

HB FRANKFURT/M. Ob eines der diversen Hochzeitsszenarien, die in den Konzernzentralen aller Institute durchgespielt werden, in diesem Jahr wirklich in eine Ehe mündet, weiß niemand. Bekanntlich sind in der Vergangenheit schon diverse Fusionsanläufe gescheitert. Aber so groß wie heute war der Druck nie. In 2002 schrieben drei Großbanken rot, und 2003 wird trotz der gewaltigen Aufräumarbeiten der Branche kaum besser ausfallen. Selbst Branchenprimus Deutsche Bank hinkt weit hinter den internationalen Top-Banken her.

Als Schuldigen der Misere haben die Großbanken das Drei-Säulen- Modell ausgemacht, also die Dreiteilung in Banken, Sparkassen und Genossenschaften. Da die Sparkassen rund die Hälfte des klassischen Filialgeschäfts kontrollieren, können die Privaten nicht wirklich rentabel arbeiten, argumentiert die Branche und drängt die mannigfaltigen eigenen Versäumnisse dezent in den Hintergrund. Anders im Ausland: Dort entstanden durch Fusionen starke Finanzgiganten mit Marktanteilen, die größer sind als die aller vier deutschen Großbanken zusammen. Und - das ist anders als früher - weil die ausländischen Riesen heute ein Vielfaches an Börsenwert in die Waagschale werfen, könnten sie demnächst hier zu Lande auf Einkaufstour gehen. "Viele ausländische Banken sehen sich hier um", berichtet ein Frankfurter Investmentbanker.

Freilich könnte ihnen bei einem Blick auf die Bilanzen der deutschen Kollegen die Lust schnell wieder vergehen. Die Lage der Branche, mit Ausnahme der Deutschen, ist weiter trist. Zwar haben sich die vor Jahresfrist in angelsächsischen Finanzkreisen gestreuten Gerüchte über eine regelrechte Bankenkrise einschließlich der Gefahr von Pleiten als heiße Luft erwiesen. Und die Banken greifen endlich radikal durch: Fast 50 000 Jobs wurden gestrichen, Kredite an Unternehmen werden zunehmend "risikogerecht" gepreist (sprich: verteuert), und zumindest in Bereichen wie dem Hypothekengeschäft und der Abwicklung von Wertpapiergeschäft und Zahlungsverkehr arbeitet die Branche zunehmend zusammen. Aber noch krebsen Commerzbank, Dresdner und HVB im operativen Geschäft nahe an der Nulllinie herum oder schreiben rot. Denn die Rosskur hat nicht nur die Kosten gedrückt, sondern auch die Einnahmen.

Jetzt wollen die Banken gegensteuern und die Einnahmen anheben - aber das ist ein mühseliger Prozess. Zwar dürften die Gewinne in 2004 mit etwas Rückenwind von Konjunktur und Börsen anziehen, doch die langfristigen Perspektiven bleiben nebulös. Nach Meinung von Commerzbank-Finanzchef Eric Strutz kann ohne eine Konsolidierung keine Bank in Deutschland viel mehr als zwölf Prozent Eigenkapitalrendite erwirtschaften - international zu wenig.

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