Drei-Säulen-Prinzip in Frage gestellt
Banken suchen neue Strukturen

Deutschlands Kreditwirtschaft steckt in einer tief greifenden Ertrags- und Strukturkrise. Dafür sind nicht nur Börsenflaute und Konjunkturschwäche verantwortlich. Die traditionelle Zersplitterung des Sektors gilt als einer der Hauptnachteile. Früher oder später muss es zu einer Konsolidierung kommen.

HB FRANKFURT. Drei große Gruppen mischen im deutschen Bankgeschäft mit. Das sind neben den Privatbanken die noch bis 2005 mit Staatsgarantien ausgestatteten Sparkassen und Landesbanken sowie die Genossenschaftsbanken. Geht es nach Sparkassen und Genossen, dann soll es bei dem sogenannten Drei-Säulen-Prinzip bleiben. Ganz anders sehen das die privaten Großbanken.

Unter Führung von Rolf Breuer, Chef des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), drängen die Banken neuerdings verstärkt auf eine Überwindung der Grenzen zwischen den drei Bereichen. "Dieses Modell ist seit langem nicht mehr zeitgemäß, zementiert verkrustete Strukturen und wird mehr und mehr zu einem Bremsklotz für die deutsche Kreditwirtschaft", sagte Breuer erst vor wenigen Tagen. Ganz offen sprach sich Breuer für "Fusionen über die Bankengruppen hinweg" aus.

Ertragskrise der deutschen Banken

Hintergrund des Werbens ist die Ertragskrise der deutschen Banken. Alle vier deutschen Großbanken - Deutsche, Dresdner, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank - schrieben im dritten Quartal rote Zahlen. Als eine der Ursachen der Misere haben die Banken die Zersplitterung der Kreditwirtschaft ausgemacht.

Während in vielen anderen europäischen Ländern die lokalen Großbanken nach Fusionen beachtliche Marktanteile erreicht haben, kommen die privaten Kreditinstitute nach BdB-Angaben hier zu Lande zusammen gerade mal auf einen Marktanteil von 28 %. Und das Quartett der Großbanken bringt es - gemessen an der Bilanzsumme - zusammen gar nur auf Quote von 16 %. Die Deutsche Bank als hiesiger Branchenführer kommt nur auf mickrige 5 %.

Einige Versuche sind bereits schief gegangen

Einige Versuche der Banken, die Marktstellung durch Zusammenschlüsse zu verbessern, sind bekanntlich schief gegangen. Lediglich den beiden bayerischen Banken gelang eine Hochzeit. Dagegen wurde sich die Dresdner Bank weder mit der Deutschen noch mit der Commerzbank einig und schlüpfte schließlich unter das Dach der Allianz. Nun würden sich die Banken gerne mit den Konkurrenten aus den anderen Lagern verbünden, um die ersehnte Größe zu gewinnen.

Doch Sparkassen und Genossen halten von diesen Avancen nichts. Nach Ansicht von Christopher Pleister, Chef des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), ist die Kritik der Banken am Drei-Säulen-Modell "ein sehr durchsichtiges Manöver, um von eigenen Problemen abzulenken". Keine Genossenschaftsbank könne etwas dafür, dass die Großbanken massiv in die roten Zahlen gerutscht seien. Ähnlich denkt man im Sparkassenlager. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Dietrich Hoppenstedt, verfolgt das Werben der Banken zwar "mit Interesse. Es bestehen aber aus unserer Sicht keinerlei Notwendigkeiten, diesen Begehrlichkeiten nachzugeben". Zudem seien die Sparkassen "nicht im gleichen Maße an den Großbanken interessiert wie diese an uns" - klar, denn niemand kann sich so recht vorstellen, dass eine Provinzkasse einmal die Deutsche Bank übernimmt.

Viel wahrscheinlicher ist, dass die Großbanken die guten Sparkassen schlucken, sobald dies möglich ist - bisher schieben die Sparkassengesetze einer Fusion zwischen Banken und Kassen einen Riegel vor. Vor allem die starke Stellung der Kassen im Privatkundengeschäft reizt die Großbanker in Frankfurt und München schon seit langem. Und genau vor derartigen Übernahmen graut es Sparkassen und Lokalpolitikern, die in den Kassengremien sitzen und sich der regionalen Strukturpolitik widmen.

Weg zu Fusionen zwischen den Säulen

Wie tief diese Sorgen sitzen, lernt gerade der saarländische Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi. Der hatte im Sommer eine Änderung des saarländischen Sparkassengesetzes ins Spiel gebracht, um den Kassen mehr Flexibilität zu geben. So soll das Zusammengehen mit Volksbanken erleichtert werden und die Umwandlung der Kassen in Aktiengesellschaft möglich sein. Die Sparkassenverbände laufen gegen dieses Ansinnen massiv Sturm, und auch der BVR will von Fusionen zwischen Sparkassen und Volksbanken nichts wissen.

Mag der Weg zu Fusionen zwischen den Säulen noch weit sein - zumindest in Sachen Kooperation sind erste Ansätze zu erkennen. So haben sich die genossenschaftlichen Sparda-Banken mit der Deutschen Bank verbündet. Deren Tochter European Transaction Bank (ETB) wickelt für die Sparda-Banken die Wertpapiergeschäfte ab. Außerdem können die Sparda-Kunden das Handelssystem "Price-Improvement-System" der Deutschen nutzen. Weiteres Beispiel: HSBC Trinkaus & Burkhardt wickelt die Wertpapiergeschäfte des Sparkassen-Brokers ab. Auch beim Zahlungsverkehr könnte sich etwas tun. Die Commerzbank verhandelt mit der DZ-Bank über eine gemeinsame Abwicklung im Zahlungsverkehr.

All diesen Beispielen gemein ist freilich, dass sich die Kooperationen auf die technische Abwicklung von Bankgeschäften beschränkt. Weiter gehende Bündnisse oder gar Fusionen würde den Wettbewerb der Banken beeinträchtigen und damit letztlich zu Lasten der Kunden gehen, heißt es bei Sparkassen und Genossen unisono. Allerdings könnten die Karten zumindest für die öffentlichen Institute bald neu gemischt werden.

Im Jahr 2005 laufen die Staatsgarantien für Landesbanken und Sparkassen aus. Das könnte der erste Schritt zu einer Aufweichung der festgefahrenen Strukturen sein, vermuten mache Finanzexperten. Ein übriges könnte die Finanznot der Kommunen tun.

Quelle: Handelsblatt

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