Drei-Säulen-Strategie
Scheidender RAG-Chef verspricht Kontinuität

Beim Essener Bergbau- und Chemiekonzern RAG soll es auch nach dem im Juni anstehenden Wechsel an der Führungsspitze nicht zu einem Strategiewechsel kommen.

Reuters HANNOVER. "Weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand der RAG gibt es auch nur den Ansatz einer Überlegung, die einstimmig gefundenen Vereinbarungen von Anfang März in Frage zu stellen", sagte Starzacher am Dienstag auf der Hannover-Messe. Wenige Wochen nach der Übernahme der unternehmerischen Führung beim Spezialchemiekonzern Degussa hatte der RAG-Aufsichtsrat am 5. März eine so genannte Drei-Säulen-Strategie bekannt gegeben. Danach wird der ehemals reine Bergbaukonzern künftig auf die Sparten Bergbau, Chemie und Immobilien ausgerichtet.

"Sie können verbindlich davon ausgehen, dass (Werner) Müller und seine künftigen Vorstandskollegen die eingeschlagene Strategie fortsetzen werden", sagte Starzacher bei einer Pressekonferenz auf die Frage eines Journalisten. Der RAG-Aufsichtsrat hatte am vorigen Sonntag den früheren Bundeswirtschaftsminister Werner Müller zum neuen RAG-Chef und Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht ebenfalls in den RAG-Vorstand berufen. Starzacher hatte in der vorigen Woche überraschend seinen Rücktritt als RAG-Chef für Ende Mai angekündigt.

Die Ernennung Müllers hatte vor der Aufsichtsratssitzung in der Branche für Kritik gesorgt. Rechtsexperten sahen außerdem zwar keine rechtlichen Probleme beim Wechsel eines für Energiefragen zuständigen Wirtschaftsministers in die Führung eines Energieunternehmens. Allerdings bleibe ein unschönes "Geschmäckle", hieß es. Unter Müller war im vorigen Jahr die Ministererlaubnis für die umstrittene Fusion der Energiekonzerne Eon erteilt worden. Im Zuge dieser komplizierten Transaktion hatte sich die RAG, bei der Eon größter Aktionär ist, den Zugriff auf die Eon-Tochter Degussa gesichert.

RAG hält seit Anfang 2003 knapp 50 % des Spezialchemieunternehmens Degussa und will diesen Anteil im nächsten Jahr auf die Mehrheit vergrößern. RAG finanziert die Übernahme zu einem erheblichen Teil aus dem Verkaufserlös seiner früheren knapp 20-prozentigen Ruhrgas-Beteiligung an Eon.

Starzacher wollte sich in Hannover nicht zu den "persönlichen Gründen" äußern, die er als Begründung für seinen Rücktrittswunsch angegeben hatte. Er machte aber deutlich, dass er nicht im Zorn gehe. So will er noch die Jahrespressekonferenz der RAG am 22. Mai leiten. Dann werde er auch sein "persönliches Bekenntnis" zur Sozialpartnerschaft im Allgemeinen und zu den Gewerkschaften im Besonderen ablegen. In Aufsichtsratskreisen hatte es nach Starzachers Rücktritts-Ankündigung geheißen, er habe seit Monaten das Vertrauen der Arbeitnehmervertreter im montan-mitbestimmten Kontrollgremium verloren.

Im Zuge der angekündigten Konzentrationsstrategie werde RAG auch an seinen Plänen festhalten, einen Großteil von Beteiligungen zu verkaufen, sagte Starzacher. Zum Stand der Verkaufsgespräche, zu den potenziellen Käufern und den zu erwartenden Erlösen wollte er sich aber nicht äußern. RAG will unter anderem seinen Stromerzeuger STEAG verkaufen. In der Branche wird der Essener Energiekonzern RWE als Interessent gehandelt. Außerdem stehen bei RAG die Kunststoffsparte der Tochter Rütgers und das Gas-Geschäft der Tochter RAG Saarberg zur Disposition. Bei allen Verkäufen werde darauf geachtet, dass die verkauften Teile beim neuen Eigentümer gute Entwicklungsperspektiven hätten, versicherte Starzacher.

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