Drei-Säulen-Struktur
Umbruch: Vom Verschwinden der Banken

Typisch für die deutsche Bankenlandschaft ist die Drei-Säulen-Struktur, in der die privaten Geschäftsbanken die erste Säule bilden, die öffentlich-rechtlichen Banken die zweite und die Genossenschaftsbanken die dritte Säule. Dieses Merkmal ist älter als die Bundesrepublik, doch in 60 Jahren gab es im Bankensektor Veränderungen - und einen ausgeprägten Konzentrationsprozess.

DÜSSELDORF. In einer Expertise im Auftrag der Bundesregierung stellte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Sommer 2008 fest: "Die Drei-Säulen-Struktur als solche ist keine deutsche Besonderheit, auch andere Länder haben oder hatten einen ähnlichen Aufbau des Bankensystems." Allerdings wurden in vielen anderen Ländern in den letzten Jahren die Sparkassen reformiert. "Aus öffentlich-rechtlichen Instituten wurden häufig privatrechtliche", so der Sachverständigenrat.

Die Drei-Säulen-Struktur in Deutschland ist wesentlich älter als die Bundesrepublik. So wurden die ersten Sparkassen bereits vor 1800, verstärkt aber in den beiden ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts gegründet. Aktienbanken und das Organisationsprinzip der Kreditgenossenschaften gehen auf die Jahre um 1850 zurück. Die Landesbanken als Teil der öffentlich-rechtlichen Banken schließlich entwickelten sich aus den Girozentralen, von denen die ersten zwischen 1909 und 1918 gegründet wurden. Die traditionellen, einst dominierenden Privatbankiers sind weitgehend verschwunden. Heute lassen sich die Privatbanken, die nicht von einer Aktien- oder Landesbank abhängig sind, an einer Hand aufzählen. Sie zählen wie die Aktienbanken zu den privaten Geschäftsbanken.

Die öffentlich-rechtlichen Banken gehören meist dem Bund, Ländern oder Gemeinden und sind gesetzlich dem Gemeinwohl verpflichtet. Bis Mitte 2005 hafteten diese Träger für die Verbindlichkeiten ihrer Sparkasse oder Landesbank - was jener einen Wettbewerbsvorteil verschaffte. Im Gegenzug haben Kommunen und Länder traditionell Einfluss auf die Personal- und teils auch auf die Geschäftspolitik.

Die privaten Geschäftsbanken

Die Landschaft der Privatbanken der BRD wird von drei großen Instituten dominiert: der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Dresdner Bank. Der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Manfred Pohl macht in ihrer Entwicklung drei wesentliche Phasen in den Anfangsjahren der Bundesrepublik aus. Bis 1952 sind die drei Großbanken in regionalisierte Filialgruppen zerschlagen, von denen neun aus der Commerzbank ausgegliedert sind, zehn aus der Deutschen Bank und elf aus der Dresdner Bank.

Dann einigen sich Bund, Länder und Alliierte auf die sogenannte Dreier-Lösung. Die Großbanken werden zu jeweils drei Nachfolgegesellschaften zusammengefasst, die rückwirkend zum Jahresbeginn ihre Tätigkeit als Aktiengesellschaft aufnehmen. Die Nachfolgegesellschaften der Commerzbank sind demnach der Bankverein Westdeutschland, die Commerz- und Disconto-Bank sowie die Commerz- und Credit-Bank. Deutsche-Bank-Nachfolger sind die Rheinisch Bank, -Westfälische die Süddeutsche Bank und die Norddeutsche Bank. Nachfolgeinstitute der Dresdner Bank sind die Rhein-Ruhr-Bank, die Rhein-Main-Bank sowie die Hamburger Kreditbank.

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