Drei Schlüsselressorts für die Nordallianz
Paschtunenführer Karsai wird Regierungschef in Kabul

Die Teilnehmer der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn haben sich am Mittwochmorgen weitgehend auf eine neue afghanische Regierung geeinigt: Der südafghanische Paschtunen-Führer Hamid Karsai wird Chef der neuen Übergangsregierung in Kabul. Das bestätigte offiziell UN-Konferenzsprecher Ahmed Fausi.

dpa/rtr/ap BONN. Die offizielle Machtübergabe in Kabul solle am 22. Dezember stattfinden. Die vier Delegationen der Konferenz auf dem Petersberg hätten sich auch weitgehend auf die Besetzung des Kabinetts mit 23 Ministern und fünf stellvertretenden Regierungschefs geeinigt. Die Nordallianz erhielt die Schlüsselressorts für Verteidigung, Äußeres und Inneres. Dem Kabinett gehört auch eine Frau an. Allerdings fehlen auf der vereinbarten Kabinettsliste noch etwa zehn bis elf Personen, mit denen nach Angaben von UN-Sprecher Ahmad Fausi noch kein Kontakt aufgenommen werden konnte. Die formelle Abschlusszeremonie auf dem Petersberg werde am Vormittag in Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder stattfinden.

Die Interimsregierung soll zunächst für sechs Monate das Land führen. Dann soll die traditionelle Versammlung der afghanischen Völkerschaften, die Loja Dschirga, eine Übergangsregierung für weitere eineinhalb Jahre berufen. Eine weitere Loja Dschirga soll dann eine Verfassung beschließen.

In zehnstündigen Verhandlungen mit den einzelnen Fraktionen bemühte sich der UN-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi in der Nacht zum Mittwoch, die von den Delegationen getroffene Vorauswahl von 150 Kandidaten auf 29 Regierungsmitglieder einzuschränken. Gegen 5.45 Uhr rief Brahimi dann die Leiter der vier Delegationen zu einer abschließenden Sitzung zusammen. Diese billigten das Gesamtabkommen mit der noch unvollständigen Kabinettsliste für die gemeinsame Interimsregierung. Die Liste der 29 Regierungsmitglieder wird als Anhang IV dem Abkommen über die politische Neuordnung Afghanistans beigefügt werden.

Karsai wollte ursprünglich an der Konferenz teilnehmen, konnte seine Truppen wegen der Gefechte um Kandahar aber nicht verlassen, wo sich Kämpfer der radikal-islamischen Taliban verschanzt halten.

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