Drei syrische Soldaten getötet
Angriff Israels auf syrische Stellungen im Libanon

Nach Darstellungen Israels sollten mit den Angriffen jüngste terroristische Anschläge vergolten werden. Die Hisbollah drohte nach dem israelischen Angriff, "den Traum nach Sicherheit" des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon in einen "Albtraum" zu verwandeln. Der Gesandte der Vereinten Nationen (UNO) im Nahen Osten rief Israel und Libanon sowie die benachbarten Staaten zu äußerster Zurückhaltung auf. Die palästinensische Autonomiebehörde forderte die USA und die arabischen Länder auf einzugreifen, um den Konflikt zu entschärfen.

Reuters BEIRUT. Israel hat in der Nacht zum Montag erstmals seit fünf Jahren syrische Stellungen im Libanon angegriffen und eine syrische Radarstation zerstört. Dabei wurden nach libanesischen Angaben drei Soldaten getötet und sechs verletzt. Aus syrischen Sicherheitskreisen verlautete, vier Kampfflugzeuge hätten 35 Kilometer östlich von Beirut Raketen abgefeuert. Nach Darstellung Israels sollten mit dem Angriff "jüngste terroristische Anschläge" vergolten werden. Auch am Montag rasten israelische Kampfflugzeuge im Tiefflug über das Bekaa-Tal und den Südlibanon hinweg. Syrien bekräftigte sein Recht, sich gegen jede Aggression zu verteidigen. Israel meldete, es sei aus dem Gaza-Streifen heraus mit Granaten beschossen worden.

Die israelische Regierung erklärte, trotz des Abzugs der Armee aus dem Südlibanon habe es im Norden Israels "terroristische Zwischenfälle" gegeben, bei denen israelische Soldaten getötet worden seien. Bei Angriffen der von Syrien unterstützten radikal-islamischen Hisbollah (Partei Gottes) waren Ende des vergangenen Jahres drei israelische Soldaten getötet und drei weitere verschleppt worden. Am Samstag hatten Hisbollah-Kämpfer wieder einen israelischen Soldaten getötet.

Die israelische Regierung rief Syrien auf, seinen Einfluss auf die Hisbollah geltend zu machen; dies sei aber nicht geschehen. Syrien gilt als Ordnungsmacht im Libanon. Das Land hat 35 000 Soldaten im Libanon stationiert. Nach den Angriffen flohen Anwohner aus dem Grenzgebiet zu Israel in Richtung Bekaa-Tal. "Wir haben Angst, dass die Situation außer Kontrolle gerät", sagte ein Dorfbewohner.

Die israelische Ortschaft Sderot wurde nach Angaben der Polizei am Montag mit Granaten aus dem Gaza-Streifen heraus beschossen. Ein Geschoss sei auf freiem Feld und eine weitere Granate am Ortsrand neben einem Haus eingeschlagen. Es sei zum Glück niemand verletzt worden.

Hisbollah droht mit Vergeltung

Die Hisbollah drohte nach dem israelischen Angriff, "den Traum nach Sicherheit" des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon in einen "Albtraum" zu verwandeln. "Der islamische Widerstand weiß wann, wo und wie er dem Feind mit schmerzhaften Schlägen zusetzen kann", hieß es in einer Erklärung der Hisbollah. Die Angriffe würden fortgesetzt.

Der Gesandte der Vereinten Nationen (UNO) im Nahen Osten, Terje Roed-Larsen, rief Israel und Libanon sowie die benachbarten Staaten zu äußerster Zurückhaltung auf. Sowohl Israel als auch die Hisbollah hätten eindeutig gegen UNO-Resolutionen verstoßen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Der Sprecher des US-Präsidialamtes, Ari Fleischer, rief ebenfalls alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

Der libanesische Präsident Emile Lahud sagte nach einem Telefonat mit seinem syrischen Kollegen Baschar el Assad, der Angriff enthülle aufs Neue "die blutbefleckte Politik" des israelischen Ministerpräsidenten Scharon. Eine derartige Politik werde zu "umfassender Konfrontation" führen.

Die palästinensische Autonomiebehörde rief die USA und die arabischen Länder auf einzugreifen, um den Konflikt zu entschärfen. "Dieser gefährliche Schritt (der Israelis) sollte die USA sofort dazu bewegen, die Araber und die Israelis wieder an den Verhandlungstisch zu bringen", hieß es.

Russland äußert sich besorgt

Die russische Regierung reagierte einer Agenturmeldung zufolge "äußerst besorgt" auf den Angriff. Er könne zu einer weiteren Destabilisierung der Situation führen. Das Thema werde beim Moskau-Besuch des syrischen Außenministers Faruk el Schara am Montag im Mittelpunkt stehen, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf russische Diplomaten. Israel wolle den Friedensprozess töten, so wie es palästinensische Kinder töte, sagte Schara vor der Presse in Moskau. Israel wolle keinen Frieden, es habe den Weg der Aggression gewählt.

Frankreich und Deutschland appellierten dringend an alle Beteiligten, die Spirale der Gewalt anzuhalten und von weiteren militärischen Aktionen abzusehen. Beide Staaten äußerten sich "außerordentlich besorgt" über die Eskalation im Nahen Osten.

UN bestätigen vollständigen Abzug Israels

Israel hatte im Mai 2000 nach rund 22 Jahren seine Truppen aus der Besatzungszone im Südlibanon abgezogen. Die Vereinten Nationen (UNO) bestätigten den vollständigen Abzug. Die Hisbollah wirft Israel aber vor, noch immer libanesisches Gebiet besetzt zu halten, darunter die Schebaa-Region. Israelische Soldaten und Hisbollah-Kämpfer haben sich in jüngster Zeit wiederholt Gefechte an der Grenze geliefert.

Der jordanische Außenminister Abdulilah el Chatib reiste am Montag nach Israel, um dort einen jordanisch-ägyptischen Vorschlag zur Einigung mit den Palästinensern vorzulegen. Dies solle die Friedensgespräche wieder in Gang bringen und dem seit Monaten anhaltenden Palästinenser-Aufstand ein Ende machen. Arafat hat die Vorschläge bereits gebilligt. Eine Zustimmung Israels gilt indes als unwahrscheinlich, da die Pläne angeblich auch einen Zeitplan für einen endgültigen Friedensvertrag enthalten. Bei den seit September anhaltenden Unruhen sind mehr als 460 Menschen getötet worden.

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