Drei Tage Staatstrauer
In Serbien vier Interimsregierungschefs ernannt

Nach der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic sollen die Regierungsgeschäfte vorübergehend von seinen vier Stellvertretern geführt werden. Das teilte das Kabinett am Donnerstag mit. Bisher seien im Zusammenhang mit dem Attentat 40 Personen festgenommen worden, teilte die Polizei mit.

HB/dpa BELGRAD. Die landesweite Großfahndung nach den Tatverdächtigen gehe weiter. Der ermordete Reformpolitiker soll an diesem Samstag in Belgrad beigesetzt werden. Die Europäische Union sagte Serbien politische und wirtschaftliche Unterstützung zu.

Djindjics Stellvertreter Nebojsa Covic, Zarko Korac, Miodrag Isakov und Dusan Mihajlovic sollen bis zum 25. Mai im wöchentlichen Turnus den Posten des Interimspremiers innehaben. Covic übernimmt das Amt als erster, kündigte das Kabinett an. Covic ist Regierungsbeauftragter für das Kosovo und das albanisch bewohnte Krisengebiet im Süden Serbiens.

Der Polizeichef der Hauptstadt, Milan Obradovic, erklärte, an der Tat am Mittwoch in Belgrad seien drei Männer direkt beteiligt gewesen. Sie hätten mit einem Präzisionsgewehr auf den Politiker geschossen und seien geflohen. Die Behörden haben Steckbriefe für 23 Angehörige des so genannten "Zemun-Klans" ausgeschrieben, denen der Anschlag zur Last gelegt wird. Als mutmaßlicher Drahtzieher gilt Milorad Lukovic, alias "Legija", der bis Ende 2001 Befehlshaber der Sondereinheit des serbischen Geheimdienstes war.

Die EU will Serbien weiter politisch und wirtschaftlich unterstützen. Das erklärten bereinstimmend der EU-Beauftragte für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, und EU- Außenkommissar Chris Patten nach Gesprächen mit der Führung Serbiens am Donnerstag in Belgrad. Die EU wolle Serbien helfen, den Traum von Djindjic, die Annäherung an die EU, zu verwirklichen, sagte Solana vor der Presse. Er bezeichnete das organisierte Verbrechen und die Mafia als die größte Gefahr für Europa.

Außenminister Goran Svilanovic wertete ihren Besuch als wichtiges Zeichen der Solidarität der EU mit Serbien nach dem Attentat. Er versicherte, das Land werde seine Reform- und Demokratisierungspolitik in Richtung Europa fortsetzen.

Die regierende Koalition DOS ist sich einig, dass der Posten des Regierungschefs der Demokratischen Partei (DS) gehört, deren Vorsitzender Djindjic war. Die DS-Führung wolle schon an diesem Sonntag über den Kandidaten für das Amt entscheiden, sagte Cedomir Jovanovic, DS-Vizevorsitzender und enger Mitarbeiter von Djindjic.

Das Parlament wurde am Donnerstag bei einer Dringlichkeitssitzung über die Verhängung des Ausnahmezustands informiert. Mit einer Schweigeminute gedachten die Abgeordneten des ermordeten Politikers. Den Ausnahmezustand hatte die amtierende Präsidentin Natasa Micic am Mittwoch nach dem Mord verhängt.

Währenddessen strömten tausende trauernde Menschen in das Regierungsgebäude in Belgrad, um sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Vor dem Regierungssitz, wo Djindjic von den Heckenschützen niedergestreckt worden war, legten sie ein Meer von Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Viele weinten.

Innenminister Dusan Mihajlovic hat den flüchtigen Tatverdächtigen "Rache" angedroht. Alle, die sich der Festnahme widersetzten, würden "liquidiert", sagte der Minister vor der Presse. Unter den Festgenommenen befänden sich nach inoffiziellen Berichten auch der frühere Chef der serbischen Staatssicherheit, Jovica Stanisic, und der ehemalige Befehlshaber der speziellen Anti-Terror-Einheit (SAJ), Frenki Simatovic, berichtete die Nachrichtenagentur FoNet.

In Serbien wurde nach dem Attentat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Alle Sportveranstaltungen sind abgesagt, Theater und Kinos bleiben bis Sonntag geschlossen. Die Rundfunksender änderten ihre Programme und sendeten fast nur Nachrichten und ernste Musik.

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