Drei Tote bei Anschlag
Palästinenser wollen Ende der Gewalt

Die palästinensische Autonomiebehörde hat nach Geheimgesprächen mit Israels Ministerpräsident Ariel Scharon erneut ein Ende aller Terroranschläge in Israel gefordert.

HB/dpa RAMALLAH/JERUSALEM/KAIRO. Nach einer Kabinettssitzung am Sonntag spielte die Palästinenserführung zwar die am Vortag bekannt gewordenen Kontakte zu Scharon herunter. Dennoch rief Arafat die militanten Palästinenser dazu auf, alle Angriffe auf Israelis in den besetzten Gebieten zu unterlassen, die "Israel zu Vergeltungsangriffen gegen die Zivilbevölkerung provozieren könnten".

Ungeachtet dieser Forderung kam es auch am Sonntag wieder zu einem blutigen Zwischenfall im Gazastreifen. Bei Gusch Katif im Süden des Gebiets sprengten sich am Morgen drei Palästinenser mit einer Autobombe bei einem israelischen Armeeposten in die Luft. Nach Armeeangaben erlitten zwei Soldaten dabei einen Schock.

Inzwischen wurde Scharon vom israelischen Präsidenten Mosche Katzav offiziell mit der Regierungsbildung beauftragt. Die oppositionelle Arbeitspartei bekräftigte gleichzeitig, dass sie nicht mit Scharon über einen Koalitionsbeitritt verhandeln werde. Scharon entsandte am Sonntag seinen Bürochef Dov Weinglas zu Gesprächen mit dem jordanischen Außenminister Marwan Muascher. Dabei ging es nach israelischen Angaben um die Normalisierung der seit über zwei Jahren seit Beginn der zweiten Intifada auf Eis liegenden diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak kündigte an, er wolle bei dem von ihm geplanten ersten Treffen mit Ariel Scharon dessen Friedenswillen testen. Er habe Scharon seit seinem Amtsantritt nicht ein einziges Mal getroffen, und diese Politik sei nicht fruchtbar gewesen, sagte Mubarak. Deshalb sei nun ein Umdenken erforderlich. Mubarak hatte Scharon nach dessen Sieg bei der Parlamentswahl am 28. Januar eingeladen. Mubarak betonte: "Entscheidend ist, dass in der Palästinenser-Frage Fortschritte erzielt werden."

Mitarbeiter Scharons hatten am Samstag gezielt die Information verbreitet, dass dieser am vergangenen Mittwoch zu einem mehrstündigen Gespräch mit dem palästinensischen Parlamentspräsidenten Ahmed Kurei zusammengetroffen sei. Dabei sei auch ein Plan zur Beruhigung der Lage in den Palästinensergebieten zur Sprache gekommen. Danach würde sich die israelische Armee aus allen besetzten Gebieten zurückziehen, in denen die Palästinenserpolizei die Kontrolle übernimmt. Scharon soll dabei deutlich gemacht haben, dass umfassende Friedensgespräche mit den Palästinensern nicht stattfinden würden, solange Arafat im Amt sei.

Die Autonomiebehörde spielte die Bedeutung der jüngsten Kontakte zu Scharon und seinen Beratern herunter. Die Gespräche zwischen Scharon und Parlamentspräsident Kurei hätten in keiner Weise der Wiederaufnahme des Nahost-Friedensprozesses oder der Beendigung der israelischen Besatzung gedient, sagte Informationsminister Abed Rabbo in Ramallah.

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