Drei Tote und vier Verletzte
Medienvertreter geraten unter Beschuss

Beim Beschuss eines Journalisten-Hotels und des El-Dschasira-Sendegebäudes in Badgad sind am Dienstag drei Medienvertreter getötet und weitere vier verletzt worden.

HB/dpa BAGDAD/DOHA. General Vincent Brooks vom US-Zentralkommando in Katar sagte, es gebe Berichte, dass Heckenschützen aus der Lobby des Hotels geschossen hätten. Daraufhin hätten US-Soldaten das Feuer erwidert.

Die britische Nachrichtenagentur Reuters teilte mit, das "Palestine" sei von einem US-Panzer beschossen worden. Der spanische Verteidigungsminister Federico Trillo verlangte eine Erklärung der USA. Bei den Toten handelt es sich um den für Reuters tätigen ukrainischen Kameramann Taras Protsyuk (35) und seinen spanischen Kollegen José Couso (37), teilten Reuters und der spanische Sender Tele 5 mit. Drei weitere Reuters-Mitarbeiter wurden verletzt.

In dem Hotel sind derzeit fast alle noch aus Bagdad berichtenden ausländischen Journalisten einschließlich der deutschen Korrespondenten des Fernsehens und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) untergebracht.

Am frühen Dienstagmorgen waren der jordanische El-Dschasira- Korrespondent Tarik Ajoub bei einem Angriff auf das Redaktionsgebäude am Tigris-Ufer getötet und ein weiterer Mitarbeiter des Senders verletzt worden. Ajoub war erst drei Tage zuvor in Bagdad eingetroffen. El-Dschasira-Reporter warfen der US-Armee vor, den Sender wegen seiner unabhängigen Berichterstattung beschossen zu haben.

Bei diesen Angriffen war auch das Büro des arabischen Senders Abu Dhabi TV getroffen worden. "Unsere Kollegen in Bagdad sind überzeugt, dass es eine absichtliche Attacke war", sagte dessen Chefredakteur Ali Al Nwedschj. "Das Logo auf dem Dach des Sendezentrums konnte nicht übersehen werden."

Nach einer Übersicht der Organisation "Reporter ohne Grenzen" stieg die Zahl der im Irak-Krieg getöteten Journalisten bis zum Dienstag auf zehn.

Im "Palestine" war nach Angaben von dpa-Korrespondent Carsten Hoffmann am Mittag auf der Ostseite ein Geschoss im 15. Stockwerk eingeschlagen. Der US-Fernsehsender CNN hatte zuvor gezeigt, wie zwei amerikanische Abrams-Panzer auf eine Brücke über den Tigris in Richtung des Ostufers vorgedrungen waren, an dem sich auch das "Palestine" befindet. Die Panzer feuerten mehrfach in Richtung des Ostufers.

Wenige Minuten nach der Explosion im "Palestine" sagte Iraks Informationsminister Mohammed Sajjed el Sahhaf vor dem Hotel: "Wir haben keine Angst und werden die Amerikaner vernichten."

Die internationale Journalistenvereinigung IFJ forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle. "Es gibt keine Zweifel, dass diese Attacken auf Journalisten abzielen könnten", sagte IFJ- Generalsekretär Aidan White in Brüssel. Der Weltjournalisten- Verband kritisierte, die alliierten Truppen schützten diejenigen Reporter nur unzureichend, die nicht gemeinsam mit den Soldaten unterwegs seien. Von den nach Angaben des Verbandes 2000 bis 3000 Journalisten im Irak seien 600 in die Truppen "eingebettet".

Am Montag war erstmals ein deutscher Journalist im Irak-Krieg getötet worden. Der 35 Jahre alte "Focus"-Redakteur Christian Liebig und sein spanischer Kollege Julio Anguita Parrado (32) von der Zeitung "El Mundo" starben bei einem irakischen Raketenangriff in der Nähe von Bagdad. Beide hatten die 3. US-Infanteriedivision begleitet und waren im Hauptquartier der Division geblieben, statt wie andere Kollegen ein US-Kommando ins Zentrum Bagdads zu begleiten.

Der Chefredakteur des Münchner Magazins "Focus", Helmut Markwort sagte am Dienstag, er habe Liebig davor gewarnt, unnötige Risiken einzugehen. "Liebig war kein Draufgänger. Er war ein umsichtiger Journalist, dem die Sicherheit vor der Sensation ging", sagte er.

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