Drei US-Banken interessiert
Deutsche Bank speckt ab

Zahltag bei der Deutschen Bank: Das Institut rechnet schon bald mit einem Milliardenbetrag. In den nächsten Wochen soll der Verkauf des Geschäftsfelds Wertpapierverwahrung über die Bühne gehen.

FRANKFURT/M. Für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gehört das Geschäft mit der Verwahrung von Wertpapieren, auch Global Custody genannt, nicht mehr zum Kernbereich. Ein Verkauf steht in den nächsten Wochen bevor. Damit kommt der Schweizer seinem Ziel näher, sich "von denjenigen Geschäftsfeldern zu trennen, die weder strategischen Zielen dienen noch ausreichende Renditen erzielen". Weiter im Angebot hat die Deutsche Bank das Passive Asset Management (an Indizes ausgerichtete Vermögensverwaltung) und die Restaktivitäten in Frankreich, die in der Banque Worms gebündelt sind.

Nach Informationen des Handelsblatts befinden sich drei Banken in der Endrunde des Bieterwettbewerbs um das Custody-Geschäft. Beste Chancen werden ABN Amro Mellon Securities eingeräumt. Aber auch die State Street Bank und die Bank of New York stehen in der engeren Auswahl.

Alle drei Institute haben bereits die so genannte Due Diligence durchgeführt und damit die Bilanzen der Deutsche-Bank-Tochter geprüft. Ein Sprecher des Frankfurter Instituts wollte zu den Verkaufsabsichten keine Stellung nehmen. Er sagte jedoch, alle Optionen würden geprüft.

Für ihr Global Custody kann die Deutsche Bank nach Einschätzung von Investmentbankern, die mit der Transaktion vertraut sind, derzeit etwa 1,5 Mrd. erzielen. Damit liegt der Preis deutlich unter den bisher für derartige Transaktionen üblichen Wertmaßstäben. Die Analysten von Credit Suisse First Boston (CSFB) haben beispielsweise einen Betrag von 5,2 Mrd. als Standard errechnet. Sie schätzen das Ergebnis des Geschäftsbereichs auf 260 Mill. und legen den üblichen Multiplikator von 20 zu Grunde. Allerdings sei derzeit niemand bereit, so viel Geld für das Geschäft der Deutschen in die Hand zu nehmen, betonen Investmentbanker.

Sie verweisen auf die Probleme des heimischen Branchenführers in den USA, wo er Verluste einfährt. Diese lägen bei rund 100 Mill. im Jahr. Der Grund: Bankers Trust sei in den USA mit Kampfpreisen in den Markt gegangen, um Mandate zu gewinnen.

Zudem habe es die Deutsche Bank versäumt, die beiden Technologie-Plattformen von Bankers Trust und Deutsche Bank Trader zusammenzuführen. Dadurch fehle ihr die Effizienz einer Bank of New York oder von JP Morgan Chase. Diese sind mit einem Verwahrvolumen von 6,82 bzw. 6,20 Bill. US $ weltweit die größten Spieler. Die Deutsche Bank rangiert mit rund 4,2 Bill. US $ auf Platz fünf. Die Interessenten State Street (6,10 Bill. US $) und ABN Amro Mellon (2,30 Bill. US $) liegen auf den Plätzen drei und sechs.

Trotz der Probleme in den USA erscheint den drei Bietern das Gesamtpaket interessant. Wie aus Bankenkreisen zu hören ist, haben sie vor allem ein Auge auf das gut laufende Geschäft in Europa sowie in Asien geworfen. Mit einer Übernahme würden alle drei amerikanischen Institute ihre Aktivitäten in Europa erheblich ausweiten. Kontinentaleuropa gilt auch bei den Konkurrenten als sehr attraktiv, da hier in Folge des Aufbaus der betrieblichen Altersvorsorge und eines steigenden Engagements in Publikumsfonds mit hohen Wachstumsraten gerechnet wird. Zudem ist die Deutsche Bank in Europa die Nummer eins unter den Custodian.

"Für ABN Amro Mellon wäre das ein wunderbarer Start in Deutschland", urteilt ein Wettbewerber. Die Bank ist hier noch nicht vertreten. Allerdings warnt er zugleich vor möglichen Problemen bei der Integration des Geschäfts. Vor allem die ausgeprägte Kultur der Deutschen Bank beinhalte die Gefahr von Konflikten.

Einen Vorgeschmack auf die Zusammenarbeit hat Mellon bereits bekommen: Seit Herbst vergangenen Jahres arbeiten beide Häuser bei der Abwicklung von Aktienzertifikaten (American depositary receipt und Global registered shares) zusammen.

Das Custody-Geschäft ist sehr margenarm. In der Regel werden 0,05 bis 0,06 Prozentpunkte des betreuten Vermögens als Gebühr fällig. Gleichwohl sieht etwa CSFB die Wertpapierverwahrung nicht generell als Zuschussgeschäft an, allerdings spiele die Größe eine entscheidende Rolle. Deshalb gehen Investmentbanker von einer weiteren Konzentration in der Branche aus. Zusätzliche Erträge verdient die Branche etwa durch das Ausleihen von Wertpapieren. Neben der Depotbankfunktion für Publikums- und Spezialfonds gehören auch die Fondsbuchhaltung und die Performance-Messung zu den Dienstleistungen der Custodian.

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