Drei Viertel der Top-Manager sehen Aufschwung belastet
Tarifrunde nährt Konjunktur-Skepsis

Die Gewerkschaften sind in die Tarifrunde gezogen, um mit kräftigen Lohnsteigerungen die Konjunktur anzukurbeln. Nach Einschätzung der Top-Manager ist ihnen das sehr gründlich misslungen - allerdings nicht etwa, weil die Tarifabschlüsse mit Lohnsteigerungen von drei bis vier Prozent zu niedrig ausgefallen wären.

DÜSSELDORF. Drei Viertel der im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors befragten Führungskräfte glauben, dass sich die Höhe der Zuwächse negativ auf den Wirtschaftsaufschwung auswirkt, den Konjunkturforscher und Bundesregierung für das zweite Halbjahr erwarten. Mit sogar 84 % ist der Anteil der Skeptiker in der Metall- und Elektroindustrie besonders hoch (Grafik). Kein Zufall: Mit einem Lohnplus von 4,0 % für das laufende Jahr hat die IG Metall die bisher höchste Marke der Tarifrunde gesetzt - auch wenn die tatsächliche Kostenbelastung der Unternehmen nach Kalkulation der Arbeitgeberverbände mit 3,46 % unter der "magischen Vier" bleibt. Im Sektor Bergbau, Chemie, Energie rechnen dagegen "nur" 70 % der Top-Manager mit negativen Folgen für die Konjunktur. Und in der Tat - die als pragmatisch bekannte IG BCE hat in der Tarifrunde der chemischen Industrie nicht gestreikt. Dafür hat sie mit ihrem Lohnabschluss von - je nach Rechnung - 3,3 bis 3,6 % gleichzeitig der Einführung ertragsabhängiger Lohnkomponenten zugestimmt.

Durchweg noch negativer sehen die Führungskräfte sämtlicher Wirtschaftsbereiche allerdings, was die Tarifrunde für den Arbeitsmarkt bedeutet. In der Metallindustrie rechnen gar glatte 90 % damit, dass die Tarifabschlüsse die Beschäftigungsentwicklung belasten.

Auch im Bereich Bergbau, Chemie, Energie erwarten 84 % negative Folgen. Überhaupt nur in den personalintensiven Bereichen Dienstleistung, Handel und Verkehr sind es etwas weniger als 80 %, die eine Belastung des Arbeitsmarkts erwarten. Im Durchschnitt aller Branchen errechnet sich ein Anteil von 83 %.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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