Drei weitere Anträge von Forschern
Erster Stammzellen-Import ist genehmigt

Nach jahrelangem Streit kann der Bonner Hirnforscher Oliver Brüstle menschliche embryonale Stammzellen als erster Forscher nach Deutschland einführen. Das zuständige Robert-Koch-Institut in Berlin hat einen entsprechenden Antrag genehmigt, teilten Brüstle und das Institut am Montag mit.

HB/dpa BONN/HAMBURG. Brüstle will die Stammzellen aus Israel zu Forschungszwecken importieren. Er will im Institut für Rekonstruktive Neurobiologie an der Bonner Hochschule die Stammzellen vermehren und gezielt in Zellen des Nervensystems umwandeln, etwa um gegen Erkrankungen des Gehirns vorzugehen.

Im August 2000 hatte Brüstle als erster Forscher in Deutschland bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Fördermittel für seine Stammzellen-Forschung beantragt und damit bundesweit eine kontroverse Debatte ausgelöst. Die DFG verschob die Entscheidung auf Bitten der Politik drei Mal. Im Januar entschied der Bundestag nach einer als historisch eingestuften Debatte, den begrenzten Import embryonaler Stammzellen unter strengen Auflagen zuzulassen. Daraufhin gab die DFG grünes Licht für das Brüstle-Projekt. Nach der nun erfolgten Genehmigung durch das Robert-Koch-Institut will Brüstle die Stammzellen jetzt rasch einführen.

Der Forscher sagte in Bonn, er habe den Bescheid am Freitag erhalten. Er sei sehr erleichtert, dass nun nach so langer Wartezeit mit der Forschung begonnen werden könne. Auf Grund der Feiertage sei noch nicht geklärt, wann die Stammzellen in Deutschland eintreffen werden. "Ich denke, dass wir sie Anfang Januar hier haben." In Haifa, von wo die Zellen kommen sollen, liefen bereits die Vorbereitungen für den Transport der Stammzellen.

Nach seinem Grundsatzbeschluss vom Jahresbeginn hatte der Bundestag Ende April das umstrittene Stammzellengesetz verabschiedet. Beobachter werteten es als Kompromiss zwischen dem Schutz des ungeborenen Lebens und der Freiheit der Forschung. Der Import der Zellen ist demnach "grundsätzlich" verboten, Ausnahmen werden aber für "hochrangige Forschungsziele" zugelassen. Importiert werden dürfen nur Stammzellen, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden und in Labors in Kulturen gelagert worden sind. So soll sichergestellt werden, dass für die deutsche Forschung kein Embryo getötet wird.

Wissenschaftler erhoffen sich von der Forschung mit den Stammzellen, heute schwer heilbare Krankheiten wie Parkinson, Diabetes und Multiple Sklerose zu heilen. Kritiker wie die Kirchen befürchten einen ethischen Dammbruch. Brüstle hatte in öffentlichen Auftritten wiederholt davor gewarnt, dass Deutschland den Anschluss an die internationale Forschung verpassen könnte, sollte eine klare Haltung noch lange auf sich warten lassen.

Nach Brüstle hatte die DFG mit dem Münchner Oberarzt Wolfgang-Michael Franz von der Universität München einem zweiten Wissenschaftler ein Forschungsprojekt mit menschlichen embryonalen Stammzellen bewilligt. Dieser will daraus Herzmuskelzellen für Transplantationen gewinnen und so beispielsweise gegen Herzinfarkte vorgehen können. Der Import selbst sei im Falle Brüstles nun aber zum ersten Mal genehmigt worden, hieß es am Montag. Insgesamt lägen drei weitere Anträge von Forschern vor.

Der Hannoveraner Virus-Experte Ulrich Martin, der wie der Bonner Hirnforscher Oliver Brüstle Stammzellen importieren wollte, hat derweil seinen entsprechenden Antrag beim Robert-Koch-Institut (RKI) wieder zurückgenommen. Die Versuche mit den Stammzellen würden allein in Israel gemacht, so dass keine Stammzellen importiert werden müssten, berichtete die Medizinische Hochschule Hannover, an der Martin arbeitet, am Montag.

Martin untersucht in einer Kooperation mit Wissenschaftlern in Jerusalem, ob vorhandene embryonale Stammzelllinien mit Mäuseviren infiziert sind und dann für die weitere Anwendung beim Menschen ungeeignet wären. Menschliche embryonale Stammzellen wachsen bisher mit Hilfe von Mäusezellen.

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