Drei weitere Erkrankungen
Milzbrand-Post an das Weiße Haus

Milzbrand-Erreger sind am Dienstag auch in einer Postprüfstelle des Weißen Hauses in Washington entdeckt worden. Das Weiße Haus selbst sei nicht gefährdet, erklärte Präsident George W. Bush. Nach Angaben seines Sprechers Ari Fleischer wurden alle Postmitarbeiter auf Spuren der gefährlichen Bakterien getestet.

ap WASHINGTON. Die Stelle liegt mehrere Kilometer vom Präsidentensitz entfernt und wurde für weitere Untersuchungen geschlossen. Unterdessen wurden drei weitere Angestellte des zentralen Brentwood-Postamts in Washington wegen Milzbrand-Symptomen behandelt. In der Hoffnung auf Hinweise aus der Bevölkerung veröffentlichten die US-Behörden die Texte dreier Milzbrand-Briefe. Alle drei Schreiben enthielten demnach Drohungen gegen die USA und gegen Israel und waren auf den 11. September datiert, dem Tag der Anschläge in New York und Washington. Belege für einen Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September gibt es nach Angaben von Justizminister John Ashcroft nicht.

Die in Großbuchstaben verfassten Briefe an NBC-Moderator Tom Brokaw und an die "New York Post" warnten die Empfänger: "Nehmt sofort Penazilin" - wobei der Wirkstoff falsch geschrieben wurde. In dem Schreiben an US-Senator Tom Daschle hieß es: "Ihr könnt uns nicht stoppen. Wir haben dieses Anthrax. Ihr sterbt jetzt. Habt ihr Angst? Tod für Amerika. Tod für Israel. Allah ist groß." Zwei der Briefumschläge waren schon vor einigen Tagen veröffentlicht worden, die Buchstaben auf den Umschlägen sind in allen drei Fällen ähnlich. Die Briefe wurden in Trenton im US-Staat New Jersey aufgegeben und trugen Poststempel vom 18. September und 9. Oktober.

Vorsorgliche Behandlung mit Antibiotika

Nach Kritik von Postmitarbeitern und Politikern, die Gesundheitsbehörden hätten zu spät mit Tests auf die Milzbrand-Anschläge reagiert, sicherte Gesundheitminister Tommy Thompson künftig sofortige Maßnahmen zu. Beim Auftauchen eines Milzbrand-Briefes würden alle, die mit dem Schreiben in Kontakt gekommen sein könnten, umgehend untersucht. Rund 7 000 Postmitarbeitern in Manhattan, durch deren Poststellen Anthrax-Briefe transportiert worden sein könnten, wurde die vorsorgliche Behandlung mit Antibiotika angeboten.

Irak wies am Dienstag Spekulationen zurück, dass das Land an den Milzbrand-Anschlägen in den USA beteiligt gewesen sein könnte. Der stellvertretende Ministerpräsident Tarik Asis sagte dem Fernsehsender APTN, Bagdad habe mit den Entwicklungen in den USA seit dem 11. September nichts zu tun. Derartige Unterstellungen seien böse und grundlos. Zuvor hatte der ehemalige Direktor des US-Geheimdienstes CIA, James Woolsey, gemutmaßt, der irakische Präsident Saddam Hussein könne in die Milzbrand-Anschläge verwickelt sein. Asis sagte, Anthrax-Erreger seien in vielen Ländern entwickelt worden, auch in den USA. Alle in Irak hergestellten Anthrax-Bakterien seien in den 90er Jahren vernichtet worden.

Washington erneuert Warnung vor Anschlägen im Ausland

US-Bürger im Ausland wurden unterdessen vom Außenministerium in Washington vor biologischen und chemischen Anschlägen gewarnt. Zwar sei das Risiko begrenzt, aber durchaus gegeben, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums vom Dienstag. Bei konkreten Hinweisen auf eine Gefährdung würden die US-Bürger im Ausland informiert, sicherten die Behörden zu. Bereits zuvor hatte Washington wiederholt auf mögliche Gefahren hingewiesen.

"Die US-Regierung macht sich weiterhin große Sorgen um die Sicherheit von Amerikanern im Ausland", hieß es. Seit den Luftangriffen auf Ziele in Afghanistan gebe es ein Potenzial für Vergeltungsanschläge von Terroristen gegen die USA und ihre Bürger. Die US-Regierungseinrichtungen seien weiter in erhöhter Alarmbereitschaft. Bei Auslandsreisen sollten Amerikaner die Informationen des Außenministeriums abrufen.

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