Dreidimensionale Darstellung erleichtert das Bewerten von Informationen
Daten scheinen zum Greifen nahe

Leistungsfähige Datenbank- und Suchprogramme helfen, die Informationsflut zu bewältigen. Dabei kommt jedoch die nutzerfreundliche Darstellung bislang zu kurz. Informatiker in verschiedenen Labors der Welt wollen dies ändern. Sie haben Software entwickelt, mit der Daten visualisiert werden können.

BONN. Um komplexe digitale Informationen übersichtlich darzustellen, haben Glenn Bresnahan und sein Team an der Boston University in ihrem Projekt "Deep Vision" ein System entwickelt, das Datensätze visuell darstellt. So werden beispielsweise digital errechnete chemische Reaktionen mit vorhandenen Teilchenmodellen verknüpft und auf einer zwölf Quadratmeter großen Leinwand simuliert. "Für Betrachter mit 3D-Brille ist es, als befänden sie sich mit den Molekülen in einem riesigen Raum", schwärmt Bresnahan.

Man könne das Verhalten von Atomen und Molekülen betrachten, "sie auf verschiedene Art herumschieben" und neue Aspekte eines Problems entdecken, erläutert der US-Forscher. Die Einsatzmöglichkeiten seiner interaktiven 3D-Kammer gehen aber weit über die Teilchenwelt hinaus. Ein Bild sei "tausend Datenbanken wert", lobte kürzlich das US-Internetmagazin News.com und beschrieb, wie das System ebenso gut zur Ermittlung der günstigsten Position für einen Herzschrittmacher genutzt werden kann.

Die Hardware für solche Projekte kostet rund 3 Mill. Dollar. Das sei wenig, sagt Bresnahan: Vor wenigen Jahren wäre das Vorhaben für eine Uni unbezahlbar gewesen. Kostensenkend wirkt heute der Einsatz des freien Betriebssystems Linux, das zudem auf preiswerter Hardware lauffähig ist. Zur Bostoner Lösung gehört zwar auch ein Großrechner von IBM. Doch ließe sich auch eine Mini-Version des Systems nach Bresnahans Einschätzung für nur 15 000 Dollar auf einem handelsüblichen PC mit kleiner Leinwand realisieren. Damit kommt die neue Technik nicht nur für betuchte Industrieanwender mit viel Simulationsbedarf in Frage.

Laut Bresnahan ist die Technik zur Betrachtung von Datensätzen jeglicher Art geeignet: "Wenn die Information Aspekte enthält, die man nicht versteht, ist eine dreidimensionale Darstellung sicher hilfreich." Der US-Forscher glaubt, dass selbst die Visualisierung von Personaldatenbanken hilfreich sein könnte. "Die Kunst liegt nur darin, eine sinnvolle optische Form für die Daten zu finden."

Die Visualisierung von Informationen ist jedoch nicht erst bei der Betrachtung von Daten nützlich, sondern bereits bei der Suche nach ihnen. Suchprogramme für Internetseiten oder Datenbanken lassen die Anwender bislang allein, wenn es um die Präzisierung einer Recherche geht. Die niederländische Softwareschmiede Media-Lab hat mit ihrem Aqua-Browser ein Werkzeug entwickelt, mit dem die Suchanfrage auf den Punkt gebracht werden kann. Mit semantischen Netzwerken, die Begriffe in ihrer sachlichen Umgebung erfassen, werden Resultate in einer spinnennetzähnlichen Grafik dargestellt. Das eingegebene Suchwort hockt in der Mitte, umringt von Ausdrücken aus möglichen Sinnzusammenhängen.

Eine sukzessive Einschränkung der Suche über fast beliebige Datenquellen erfolgt per Mausklick auf passende Wörter. Mit den üblichen Trefferlisten befasst man sich erst anschließend. Dabei kommt selbst derjenige weiter, dem nicht gleich der richtige Suchbegriff einfällt. Wer beispielsweise gerade nicht auf das Wort "Realsteuerhebesatz" kommt, gibt einfach "Gewerbesteuer" ein und verlässt sich auf die Vorschläge des Wörternetzes. Die Software ist zwar praxisreif, die Einbindung in bestehende Softwareumgebungen erfordert jedoch noch einen recht großen Aufwand.

Ebenfalls mit der Visualisierung von Suchergebnissen beschäftigt sich Harald Reiterer von der Uni Konstanz. Der Informatiker hat die visuelle Suchmaschine "Insider" entwickelt, mit der Suchergebnisse in Form von zweidimensionalen Grafiken dargestellt werden. "Wer sich mit statistischer Darstellung auskennt, kann mit unseren Bildern intuitiv entscheiden, welche der gefundenen Informationen für ihn relevant sind", sagt Reiterer. In einem neuen Projekt beschäftigt sich der Konstanzer Forscher nun mit Kollegen vom Zentrum für Grafische Datenverarbeitung in Darmstadt mit den Problemen der Visualisierung von Geodaten. Ziel ist es, mit Hilfe einer Suchmaschine in Datenbanken gespeichertes Kartenmaterial schneller zugänglich zu machen.

Quelle: Handelsblatt

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