Dreidimensionale Displays auf dem Weg zur Serienreife
Räumliche Bilder am PC zum Greifen nah

Dreidimensionale Monitore für Computer vermitteln einen wirklichkeitsnahen Eindruck - ohne Spezialbrille. Die Technik könnte schon bald auch das Fernsehen zu einem neuen Erlebnis werden lassen

HB JENA. Armin Grasnik hat ein konkretes Ziel vor Augen: Die in Deutschland stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006 soll den Durchbruch für seinen dreidimensionalen Bildschirm bringen. "Wir wollen zur WM flächendeckend 3-D-Großmonitore an Restaurantketten, Diskotheken und Organisatoren von Großveranstaltungen absetzen", so der Gründer der 4-D GmbH-Vision in Jena. Bis zum Jahr 2010 soll dann das räumliche Fernsehen weltweit etabliert werden.

Das Thüringer Startup-Unternehmen will dabei die Standards setzen. Mit Herstellern wie Sharp, Pioneer und Sony arbeitet der 35-jährige Tüftler bereits zusammen und hat Musterexemplare von deren normalen Flachdisplays für das 3-D-Sehen hochgerüstet. Dazu wird ein spezielles Filternetz über den Bildschirm gespannt, das den Bildpunkten vorschreibt, in welche Richtung sich die Lichtwellen ausbreiten dürfen. Das rechte Auge sieht so eine andere Perspektive als das linke. Durch dieses autostereoskopische Verfahren entsteht eine dreidimensionale Ansicht - der Zuschauer ist mittendrin im Fußballmatch oder scheint durch eine Häuserschlucht zu fliegen.

"Ohne entsprechende Filme macht der 3-D-Bildschirm allerdings keinen Sinn", sagt Fred Bill, Marketingchef der Vision drei GmbH in Mainz. Bisher ist das Produktionsverfahren jedoch recht aufwendig: Acht Kameras liefern beispielsweise bei einer Sportveranstaltung aus unterschiedlichen Perspektiven Aufnahmen, die dann im Computer zu dem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt werden. Vision drei will dagegen noch in diesem Jahr ein stereoskopisches Aufzeichnungsverfahren auf den Markt bringen, das mit einer einzigen Kamera auskommt.

Doch um ins Massengeschäft einsteigen zu können, müssen erst die Preise für die Bildschirme fallen. Denn ein 15-Zoll-Gerät kostet immerhin 9 500 DM. Die Herstellung größerer Stückzahlen soll aber die Preise purzeln lassen. "Wir gehen davon aus, dass in Zukunft ein 3-D-Display nur etwa ein Drittel mehr als ein herkömmlicher 2-D-Flachbildschirm kosten wird", erwartet 4-D-Vision-Chef Armin Grasnik. Zurzeit konzentrieren sich die Jenaer daher auf professionelle Anwender wie Architekten, Designer, Konstrukteure und Mediziner.

Erstmals formende Eingriffe möglich

Auf diese Zielgruppen haben es auch die beiden Unternehmen Dresden 3D GmbH und Dr. Baldeweg AG in der sächsischen Landeshauptstadt abgesehen. Baldeweg hat ein D4D-Display entwickelt, das auf einem Tracking-Verfahren basiert und von Dresden 3D gefertigt werden soll. Im Displaygehäuse ist eine Stereokamera integriert, die das Gesicht des Betrachters abtastet und permanent die Position der Augen ermittelt. Zur Kanalisierung von rechtem und linkem Halbbild wird eine Prismenmaske eingesetzt. Da diese von einem Schrittmotor entsprechend der Augenposition mikrometergenau mitgeführt wird, muss der Zuschauer auch nicht absolut ruhig vor dem Schirm sitzen bleiben, um dreidimensional sehen zu können.

Durch diese Erfindung von Prof. Frank Baldeweg ist nun auch erstmals ein formender Eingriff ohne Spezialbrille und Datenhandschuh inmitten des räumlichen Computerbilds möglich. So könnte beispielsweise ein Architekt mit einer so genannten Space-Maus direkt im 3-D-Modell eines Hauses eine Wand verschieben oder ein Konstrukteur ein Bauteil aus einem Motor-Modell entfernen.

Gegenwärtig konzentriert sich das Unternehmen auf Anwendungen in der Medizintechnik. "Unser Ziel ist die direkte Steuerung von Operationsrobotern über dreidimensionale Bildschirmarbeitsplätze", so Baldeweg. Für die 3-D-Diagnose des grünen Stars hat er bereits ein Programm vorgestellt, mit dem sich die Netzhaut im Sehnervkopf eines Patienten von allen Seiten betrachten lässt.

Noch ist der Markt für die 3-D-Displays relativ klein. Weltweit arbeiten rund 20 Firmen und Forschungsinstitute an ähnlichen Projekten. Der koreanische Monitorhersteller Samsung, der ebenfalls in diesem Feld aktiv ist, schätzt den Jahresbedarf auf rund 30 000 Stück. Doch das könnte sich schnell ändern. "Weltweit gibt es heute fast fünf Milliarden Fernseh- und Computerbildschirme, da ist noch ein riesiges Potenzial für unsere 3-D-Technologie", meint 4-D-Vision-Chef Armin Grasnik.

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