Dreiländerbörse will private Anleger stärker mit Optionen vertraut machen - IPO-Termin für Juni 2001 bestätigt
Euronext setzt auf Aktien-Derivate

BOCA RATON. Die paneuropäische Börse Euronext hält an ihren Plänen fest, ihre Aktien im Juni 2001 an der eigenen Börse einführen zu wollen. Dies erklärte Rudolf de Soet, geschäftsführender Direktor der Börse, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Ziel des mit Nachdruck vorangetriebenen technologischen Ausbaus sei es, das Geschäft der drei Börsen dieser Dreiländer-Allianz in Paris, Amsterdam und Brüssel grenzüberschreitend auf einer einzigen integrierten Handels- und Clearing- Plattform abzuwickeln. Das Motto "aus drei mach eins" gelte sowohl für das Kassa- als auch für das Derivategeschäft der Euronext.

Diesem Ziel komme die Börse Schritt für Schritt näher, so der für das Derivategeschäft an der Euronext zuständige de Soet. Von dieser Integration der unterschiedlichen Systeme sowie der nötigen Harmonisierung der Regelwerke und Kontrakt-Spezifikationen erwartet Soet in Zukunft nicht nur eine Steigerung der Liquidität, sondern auch erhebliche Kosteneinsparungen.

Aktien-Derivate werden an der Euronext weiterhin als Wachstumssegment betrachtet. Die in Amsterdam in der Vergangenheit im Optionsgeschäft gemachten guten Erfahrungen sollen in Zukunft auch auf die anderen beiden Finanzplätze der Börsen-Allianz übertragen werden. "Das recht lebhafte Geschäft mit Aktien- und Indexoptionen an der Amsterdamer Börse wird zu 60 Prozent von privaten Anlegern getragen", erklärt de Soet.

Dieses starke Options-Engagement des privaten niederländischen Publikums sei das Ergebnis einer bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten von den Gründern der EOE - European Options Exchange landesweit durchgeführten Aufklärungskampagne über die Wirkungsweise von Optionen. Heute gelte es, diese positiven Erfahrungen auch auf Frankreich und Belgien zu übertragen. In diesem Zusammenhang wird auch eine Harmonisierung der an den einzelnen Marktplätzen noch immer unterschiedlichen Kontrakt-Spezifikationen angestrebt.

Gerade im derzeitigen Börsenumfeld seien Optionen auf Aktien und Aktienindizes mit längeren Laufzeiten unter anlagestrategischen Gesichtspunkten als interessante Instrumente zu betrachten. So habe z.B. der Anleger, der auf eine Trendwende an den Aktienbörsen setzt, mit diesen derivativen Vehikeln die Chance, sich indirekt in Aktien zu positionieren, ohne den hohen finanziellen Aufwand einer Aktiendirektanlage in Kauf nehmen zu müssen. Die Angebotspalette in Paris umfasst derzeit Aktienoptionen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. In Amsterdam können sich die Anleger sogar in Optionen mit Laufzeiten von bis zu fünf Jahren engagieren. Auch im Hinblick auf die Laufzeiten wird an der Euronext an einer Harmonisierung gearbeitet.

Hinsichtlich der Erweiterung der Angebotspalette denkt die Börse über die Einführung von Derivaten auf Aktien von Unternehmen nach, die ihren Hauptsitz nicht in den drei Euronext-Ländern haben. "Wir wollen schon in absehbarer Zeit Optionen sowohl auf die führenden europäischen Standardwerte als auch auf populäre europäische Aktienindizes einführen", sagt der Börsen-Manager mit Hinweis darauf, dass am Kassamarkt rund 1800 Aktien aus zahlreichen Ländern gehandelt werden. Mit diesen Produkten komme man zunächst dem Bedürfnis institutioneller Anleger nach, doch wolle man sie später auch bei Privaten populär machen.

Die an einigen europäischen Börsen in jüngster Zeit eingeführten Futures auf einzelne Aktien hätten an diesen Märkten bislang noch nicht die in sie gesetzten Erwarungen erfüllt. Ungeachtet dessen will sich auch die Euronext stärker mit diesem Thema beschäftigen.

Im Rohstoffbereich erstellt die Börse derzeit Machbarkeitsstudien, in denen die Chancen für die Einführung von Futureskontrakten auf Baumwolle und Sonnenblumen ausgelotet werden sollen.

Im neuen Börsensegment "NextTrack" soll im Rahmen eines Joint-Venture mit der US-Börse Amex - einer Division der Nasdaq - noch in diesem Jahr mit dem Handel börsennotierter Indexfonds begonnen und so der Deutsche Börse Konkurrenz gemacht werden. Die Amex gilt als Pionier und globaler Marktführer auf diesem für Europa vergleichsweise neuen Gebiet. Ziel der Kooperation sei ein 24-stündiger Handel mit solchen ETF (Exchange Traded Funds), die an der Euronext unter der Bezeichnung "Tracker" laufen. Diese an der Börse wie Aktien gehandelten Produkte bilden bestimmte Aktienindizes ab.

Das Konzept einer globalen Ausrichtung des Derivatemarktes der Euronext soll innerhalb der weltumspannenden Globex-Allianz umgesetzt werden, der die Euronext angehört. Dieser vor vielen Jahren u.a. von der Chicago Mercantile Exchange (CME) ins Leben gerufenen elektronischen Plattform haben sich darüber hinaus die Terminbörsen in Montreal, Madrid, Sao Paulo und Singapur angeschlossen. "Wir arbeiten an der Entwicklung eines weltumspannenden Netzwerks", sagt de Soet. Auf diesem Handelsystem sei dann in absehbarer Zeit ein Handel rund um die Uhr möglich.

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