Dresdner Bank baut Konzern um
Banken straffen Führung

Die deutschen Großbanken suchen neue Wege aus der Krise. Mit einer strafferen Führung nach amerikanischem Vorbild wollen die Institute das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen.

mm/po FRANKFURT/M. Die deutschen Großbanken organisieren ihre Führungsspitze neu. Gleichzeitig treiben die Geldhäuser den Konzernumbau voran. Mit ihren drastischen Reformprogrammen reagieren Dresdner Bank, Hypo-Vereinsbank (HVB) und Deutsche Bank auf den massiven Einbruch der Ergebnisse und die schwache Kursentwicklung ihrer Aktien. Die Rolle der Topmanager Bernd Fahrholz und Albrecht Schmidt von Dresdner und HVB wurde gestärkt. Bei der Deutschen Bank hat sich der designierte Bankchef Josef Ackermann ebenfalls für eine klare Verantwortung an der Spitze ausgesprochen.

Der Aufsichtsrat der Dresdner Bank ernannte den bisherigen Vorstandssprecher Fahrholz zum Vorstandsvorsitzenden. Daneben beschloss das Gremium vier Monate nach der Fusion mit dem Versicherer Allianz einen radikalen Konzernumbau nach dem Vorbild von Commerzbank und Deutscher Bank. Auch bei der Allianz-Tochter werden künftig Firmenkunden- und Investment-Banking zusammengefasst. Ziel der Verzahnung ist es, von der stärkeren Kapitalmarktausrichtung der Unternehmen zu profitieren und der Konkurrenz Firmenkunden abzuwerben. Die zweite Säule der Bank werden Privat- und Geschäftskunden bilden.

Im Zuge der Vorstandsreform bei der Dresdner werden Gerhard Barth sowie Joachim von Harbou ihre Posten vorzeitig zum Jahresschluss aufgeben. Über von Harbous Rücktritt war zuletzt immer wieder spekuliert worden. Finanzvorstand Bernd Voss geht wie geplant in den Ruhestand und wechselt in den Aufsichtsrat. Seine Nachfolge tritt Klaus Rosenfeld an, der bislang die Zusammenführung von Allianz und Dresdner koordiniert hatte.

Die Entscheidung der Dresdner Bank fällt zusammen mit Äußerungen Ackermanns. Dieser hatte ebenfalls eine Stärkung der Führung seines Konzerns befürwortet. Das Spitzenamt solle in Richtung eines starken Chief Executive Officer (CEO) nach amerikanischem Vorbild weiter entwickelt werden. Die Hypo-Vereinsbank hatte im Oktober ihren Vorstand neu geordnet und den engsten Führungskreis auf sechs Mitglieder verkleinert.

Mit dem Umbau des Managements wollen die Großbanken klare Zuständigkeiten und Verantwortungsbereiche schaffen. "Die Institute müssen auf den Druck des Kapitalmarkts reagieren", erläutert Edgar Klein von der Unternehmensberatung Deloitte Consulting. Vor allem die Großinvestoren seien angelsächsisch geprägt und würden eine solche Struktur fordern. "Weltweit geht der Trend hin zu einer eindeutigen Strategie- und Ergebnisverantwortung jedes einzelnen Vorstands", bestätigt Ludger Kübel-Sorger, von Boston Consulting Group. Eine an das US-Vorbild angelehnte Führungsstruktur sei am Kapitalmarkt von großem Vorteil. "Dem Modell des CEO sind durch das deutsche Aktienrecht allerdings Grenzen gesetzt", schränkt Bankenexperte Ingo Wagner von AT Kearney ein. Während etwa der CEO in den USA Entscheidungen alleine treffen könne, gelte in Deutschland unverändert das Kollegialitätsprinzip, der Vorstand muss demnach seine Beschlüsse einhellig fassen.

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