Dresdner Bank bleibt Belastung
Allianz-Vorstand: Die Lage bleibt ernst

Der größte deutsche Finanzkonzern Allianz kommt nicht aus den roten Zahlen. Nach dem Verlustjahr 2002 hätten anhaltend hohe Abschreibungen auf Wertpapiere und Verluste bei der Dresdner Bank im ersten Quartal des laufenden Jahres zu einem Verlust nach Steuern von 520 Mill. Euro geführt, teilte die Allianz am Freitag mit.

Reuters MÜNCHEN. Sofern sich die Märkte nicht erholten, rechne der Konzern auch für den weiteren Jahresverlauf mit "weiteren erheblichen Abschreibungen auf Wertpapiere". Um von einer Trendwende beim Geschäft zu sprechen, sei es noch zu früh.

Die Allianz schrieb damit das vierte Quartal in Folge rote Zahlen. Analysten hatten für die ersten drei Monate des Jahres 2003 im Durchschnitt mit einem Nettoverlust von 408 Mill. ? gerechnet. Die Allianz-Aktie gab im frühen Handel im Markttrend leicht um rund 0,3 % auf 67 ? nach.

Wertpapier-Abschreibungen und Bank-Verluste belasten

Allianz, einer der größten institutionellen Investoren der Welt, muss seit Beginn der Börsen-Talfahrt vor über zwei Jahren in jedem Quartal Wertpapierbestände in der Bilanz abschreiben. Im Berichtsquartal seien es 2,3 Mrd. an Abschreibungen gewesen, die sich mit 0,8 Mrd. ? auf das Ergebnis ausgewirkt hätten, teilte der Konzern mit. Wenn sich die Märkte weiter seitwärts bewegten, sei mit weiteren erheblichen Abschreibungen zu rechnen, hieß es.

Schwer belastet wurde die Allianz im ersten Quartal neben der Börsenflaute weiterhin durch die Dresdner Bank. Unter dem Strich trug die Tochter einen Verlust von 353 Mill. Euro zum Konzern-Ergebnis bei. Damit fiel das Minus mehr als dreimal so hoch aus als im Vorjahreszeitraum. Hier habe neben Wertpapier-Abschreibungen vor allem die Eingliederung der defizitären Advance Bank in die Dresdner das Ergebnis belastet. Angesichts der unsicheren Lage an den Kapitalmärkten befürchtet die Allianz nun auch im Gesamtjahr rote Zahlen bei der Dresdner Bank. Noch vor wenigen Wochen hatte der neue Allianz-Chef Michael Diekmann das Ziel bekräftigt, die Bank nach einem Milliardenverlust 2002 wieder operativ in die Gewinnzone zu führen. Dahinter stehe nun ein deutliches Fragezeichen, sagte Perlet. Schon im vergangenen Jahr hatte die Dresdner Bank der Allianz schwer zugesetzt und zusammen mit der Börsenflaute und dem Jahrhunderthochwasser zu einem Rekordverlust von 1,2 Milliarden Euro geführt.

"Das Geschäftsjahr 2003 ist unter operativen Gesichtspunkten ermutigend gestartet", führte Controlling-Vorstand Helmut Perlet in einer Mitteilung aus. Wegen Unsicherheiten an den Finanzmärkten und bei der Entwicklung der Konjunktur sei es aber noch zu früh, um von einer geschäftlichen Trendwende zu sprechen. "Die Lage bleibt ernst".

Hinsichtlich des operativen Geschäfts teilte die Allianz mit, dass die Bruttobeiträge im Versicherungsgeschäft auf 25,1 (22,8) Mrd. ? gestiegen seien. Die Schaden-Kostenquote sank wie angekündigt unter die Marke von 100 Prozent, bei der ein Versicherer Schadenzahlungen und Verwaltungskosten voll aus den Prämien bestreiten kann. Sie betrug im Quartal 97,7 (103,4) Prozent.

Zuletzt hatte die Allianz im ersten Quartal des vergangenen Jahres einen Gewinn ausgewiesen. Der Wert von 1,93 Milliarden Euro resultierte jedoch vor allem aus Einmalerträgen aus der Beteiligungs-Entflechtung mit der Münchener Rück und der HVB. Nach Prämieneinnahmen ist die Allianz der zweitgrößte Versicherer der Welt nach der US-Gruppe AIG.

Die Allianz rechnet nach dem vierten Quartalsverlust in Folge wieder mit einem Gewinn. "Ich gehe aus heutiger Sicht davon aus, dass das Ergebnis positiv sein wird", sagte Allianz-Vorstand Helmut Perlet am Freitag in München zu den Erwartungen für das zweite Quartal. Voraussetzung dafür sei ein gleich bleibendes Niveau der Börsenkurse. Auch im zweiten Quartal befürchtet die Allianz wegen der Börsenschwäche weitere Abschreibungen bis zu 500 Millionen Euro. Diese Belastungen will der Konzern aber durch Verbesserungen im operativen Geschäft auffangen.

An der Börse sorgten die Allianz-Zahlen für ein Wechselbad der Gefühle. Nach anfänglicher Enttäuschung über die Zahlen für das erste Quartal dominierte später die Erleichterung über den Ausblick für die kommenden Monate. Am Nachmittag glich die Aktie die Verluste vom Morgen mehr als aus und gehörte mit einem Plus von zeitweise mehr als zwei Prozent auf knapp 67 Euro zu den Gewinnern im Deutschen Aktienindex Dax.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%