Dresdner Bank und Goldman Sachs sehen betriebliche Altersvorsorge im Vorteil
Bei Pensionsfonds hat die Rentenreform noch Reformbedarf

Noch erhebliche Nachbesserungen in der Rentenreform empfehlen Bankvolkswirte bei den Regelungen für die Pensionsfonds. Bislang will die Regierung nur einen Fondstyp mit Beitragsgarantie und quantitativen Kapitalanlageregeln zulassen.

frü FRANKFURT/M. Die Garantiezusage sieht vor, dass zu Beginn der Auszahlungsphase sämtliche einbezahlten Beiträge zur Verfügung stehen müssen. Fondsmanager fühlen sich dadurch in ihrer Anlagepolitik behindert. Darüber hinaus befürchten sie, dass der Gesetzgeber die Gewichtung der Anlageformen vorschreiben will. Für Dirk Popielas, Altersvorsorge-Experte bei Goldman Sachs, ist dies ein zu enges Korsett: Die Vorschriften drücken seiner Ansicht nach die Rendite. Während britische und niederländische Fonds, die keinen quantitativen Regularien unterliegen, langfristig eine Rendite von jährlich mehr als 10 % erzielten, komme ein Fondstyp, der den Vorgaben der Bundesregierung entspricht, nicht einmal auf 6 %.

Auch die Volkswirte der Dresdner Bank warnen in einer aktuellen Studie vor einer Beeinträchtigung der Renditeentwicklung. Bis Ende des Jahres will das Bundesfinanzministerium in so genannten Durchführungsverordnungen unter anderem die Kapitalausstattung sowie die Kapitalanlageregeln der Pensionsfonds endgültig festlegen. Spätestens im Jahre 2004 strebt die Europäische Union einen einheitlichen Markt für Pensionsfonds an. Dann können auch ausländische Anbieter, die weniger restriktiven Anlagevorschriften unterworfen sind, in Deutschland ihre Produkte anbieten. Um im Wettbewerb bestehen zu können, müssten dann deutsche Anbieter ähnliche Produkte anbieten. Für Jürgen Stanowsky, Volkswirt von der Dresdner Bank, steht deshalb fest: "Quantitative Regeln darf es nicht geben."

Pensionsfonds sind keine Versicherungen

Da die Pensionsfonds im Gesetz von Arbeits- und Sozialminister Walter Riester nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) definiert sind, befürchtet Popielas zudem, dass diese sich gegenüber den bereits existierenden Alternativen wie Pensionsrückstellungen, Pensionskassen, Direktversicherungen und Unterstützungskassen kaum durchsetzen werden. Ferner bestehe die Gefahr, dass die Durchführungsverordnungen zu eng an das VAG angelehnt werden. "Jeder, der einen Pensionsfonds gründen will, muss zuerst eine Versicherung gründen", kritisiert der Goldman-Sachs-Experte. Der Gesetzgeber befürchte offensichtlich den Aufstand der Versicherungen, da diese dann ebenfalls weniger restriktive Vorschriften fordern könnten. Aktuell würden aber Banken und Fonds benachteiligt, da die hohen Verwaltungsanforderungen einen Vorteil für die Versicherer darstellten, fügt Popielas hinzu.

Nach Einschätzung von Goldman Sachs werden rund zwei Drittel der durch die Rentenreform geschaffenen Mittel in die betriebliche Altersvorsorge fließen. Die Volkswirte der Dresdner Bank erwarten sogar fast drei Viertel. Bis zum Jahr 2010 rechnet Thomas Mayer, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, mit einem Volumen der staatlich geförderten Altersvorsorge von 250 Mrd. Euro, während Rolf Schneider von der Dresdner Bank das Riester-Potenzial bis dahin auf 265 Mrd. veranschlagt. Das gesamte Altersvorsorgevolumen schätzt er in Deutschland am Ende des Jahrzehnts auf rund 900 Mrd. Euro.

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