Dresdner Bank verschwindet vom Börsenzettel
Allianz baut Allfinanzkonzern

Allianz und Dresdner Bank planen einen Allfinanzkonzern. Der Versicherer und die Bank bestätigten gestern in einer gemeinsamen Erklärung Gespräche "in einem fortgeschrittenen Stadium". Das Ziel ist ein integrierter Finanzdienstleister für Versicherungs-, Vermögens- und Bankprodukte. Die Marktkapitalisierung des neuen Konzerns beträgt mehr als 104 Mrd.

hb FRANKFURT/LONDON. Die Allianz wird den freien Aktionären der Dresdner Bank in der kommenden Woche ein Übernahmeangebot unterbreiten. Wie es heißt, werden ihnen Allianz-Aktien und eine Barzahlung offeriert. Als Basis dafür werde der Schlusskurs der Allianz-Aktie am heutigen Freitag zu Grunde gelegt. Der Gegenwert des Angebots dürfte bei rund 57 je Dresdner-Papier liegen. Verglichen mit dem Aktienkurs von gestern (49,60 Euro), liegt die Prämie damit bei knapp 15 %.

Die Allianz ist schon lange auf der Suche nach einem guten Vertriebsweg für ihre Versicherungs- und Vermögensverwaltungsprodukte. Auch im Publikumsfondsgeschäft bekommt sie mit der Dresdner-Tochter DIT nun ein gutes Standbein. Der Allfinanzkonzern spielt künftig in einer Liga mit der niederländischen ING und der amerikanischen Citigroup.

Die Deutsche Bank bleibt bei dieser Lösung allerdings außen vor. Sie hat gut ein Jahr mit der Allianz über eine Verknüpfung des Filialnetzes mit dem Verkauf von Versicherungen verhandelt. Konzernsprecher Rolf-E. Breuer sagte gestern auf der Bilanz-Pressekonferenz seines Hauses, es gebe weitere "Gespräche mit der Allianz in guter Atmosphäre". Bankenkreise spekulieren aber, dass die Deutsche Bank ihre Gespräche mit der französischen Versicherung Axa intensivieren wird, um sich ebenfalls als Allfinanz-Anbieter zu etablieren.

Die Allianz peilt auf längere Sicht die vollständige Übernahme der Dresdner Bank an. Um schon im Vorfeld auf eine sichere Mehrheit zu kommen, schließt die Transaktion die Münchener Rück mit ein, die über indirekte Beteiligungen rund 4 % an der Dresdner besitzt. Für dieses Paket könnte die Allianz ihre Beteiligung an der Hypo-Vereinsbank abgeben. Eine Kapitalerhöhung oder Verschuldung am Kapitalmarkt ist nicht geplant, wie das Handelsblatt erfuhr.

Die Münchener Rück würde damit gut 23 % an der Hypo-Vereinsbank halten und eine zweite starke Allfinanz-Säule neben Allianz-Dresdner bilden. An einer Übernahme der Hypo-Vereinsbank sei der Rückversicherer jedoch nicht interessiert, ließ er verlauten. Informationen zufolge berät UBS Warburg die Allianz, Goldman Sachs die Dresdner.

Wie das Handelsblatt erfuhr, rechnet die Allianz damit, dass sie rund 90 % der Dresdner-Bank-Aktien bekommt. Die Münchener Rück reduziert ihren Anteil an der Allianz auf rund 20 %. Der Anteil der Hypo-Vereinsbank an Allianz sinkt auf 3 %. Die Münchener Bank erhält wohl von der Allianz einen Barausgleich. Langfristig soll die Dresdner Bank vom Börsenzettel genommen werden, um die Liquidität nicht mehr in zwei Aktien aufzuspalten.

Wie bereits in einem Teil der gestrigen Auflage berichtet, soll Dresdner-Vorstandssprecher Bernd Fahrholz in den Vorstand der Versicherungs-Holding aufrücken. Er ist als Stellvertreter von Henning Schulte-Noelle vorgesehen und soll für das Bankgeschäft zuständig bleiben. In das Gremium rückt auch Leonhard Fischer (Investment-Banking) auf. Die Vorstände der Allianz bleiben vermutlich im Amt. Der Name Dresdner Bank bleibt bestehen.

Gerüchte über eine Abspaltung des Hypothekenbank-Geschäfts wollte die Allianz gestern auf Nachfrage nicht kommentieren. In Bankenkreisen geht man jedoch davon aus, dass die Deutsche Hyp auf Dauer abgestoßen wird. Als Grund wird das eher margenschwache Geschäft angesehen, das nicht einmal zu den Kernbereichen der Münchener Versicherung gehört.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%