Dresdner-Chef Bernd Fahrholz: Zukunft ohne Banken undenkbar
Selbstbewusstsein etablierter Banken gegenüber Internet-Anbietern wächst

Die Angst der traditionellen Banken vor den Folgen der E-Revolution ist gewichen. Inzwischen stellt sich die Branche nicht nur dem gewaltigen Veränderungsbedarf, den das Internet für sie mit sich bringt. Sie zeigt sich auch zunehmend davon überzeugt, im Kampf gegen potenzielle Newcomer bestehen zu können.

gja FRANKFURT/M. "Es ist undenkbar, dass wir eine Zukunft ohne Banken erleben werden", erklärte Bernd Fahrholz, Vorstandssprecher der Dresdner Bank, auf dem European Banking Congress in Frankfurt. Zwar verlören die Banken tendenziell ihre Rolle als Vermittler zwischen der Kapitalnachfrage und den Investoren. Auch genössen sie nicht länger ein Monopol bei Finanzdienstleistungen. Doch das heiße nicht, dass Banken künftig nicht mehr gebraucht würden. Sie müssten aber ihre Geschäftspraxis ändern. "Kreditinstitute werden sich darauf konzentrieren, ihren Kunden einen komfortablen Zugang zu den Kapitalmärkten anzubieten", sagte Fahrholz.

Mit der Bereitstellung von Informationen und der Abwicklung von Transaktionen allein, das hat die Branche klar erkannt, ist in der Internet-Welt kein Staat mehr zu machen. Die Banken stützen sich folglich auf ihre vermeintlich größten Assets: Service und Beratungskompetenz - nach Fahrholz? Ansicht entscheidende Erfolgsfaktoren in einem Umfeld, in dem sich Newcomer die Rosinen herauspicken.



Traditionelle Anbieter geniessen Vertrauensvorsprung

Traditionelle Anbieter von Finanzdienstleistungen haben gegenüber den auf das Internet gestützten Eindringlingen in ihr Revier nach eigener Ansicht eine Reihe von Vorteilen. Paul Achleitner, Vorstandsmitglied des Versicherungsriesen Allianz, nennt hier ihre etablierten Markennamen und das Vertrauen der Kunden. Deren große Mehrheit wolle immer noch beraten werden - zunehmend maßgeschneidert - und brauche "human touch". Was die künftige Bedeutung des Internets für den Wettbewerb angeht, zieht Achleitner eine Analogie zum Telefon, das heute jeder nutze. So werde es künftig auch beim Internet sein. Deshalb seien keine nachhaltigen Wettbewerbsvorteile allein durch das Internet zu erzielen.

Angel Corcostegui, Vice Chairman und CEO der spanischen Großbank BSCH, fügte der Liste der Vorteile traditioneller Anbieter gegenüber Neueinsteigern in das Bankgeschäft weitere hinzu: ihre breite Kundenbasis, die langjährige Erfahrung im Bankgeschäft, ihre großen finanziellen Ressourcen, die sie massive Investitionen in E-Finance erlaubten, und schließlich ihre E-Finance Strategien, mit denen sie auf die Herausforderungen reagierten.

Eine "lange Schlacht" steht bevor

Doch trotz dieser positiven Ausgangsvoraussetzungen warnte der spanische Banker: "Sie garantieren keinen Erfolg." Auch einige Neueinsteiger im Markt hätten bereits gezeigt, dass sie Kunden gewinnen und Geld verdienen könnten. Daher könnten es sich die traditionellen Banken nicht leisten, übertrieben selbstbewusst und weniger wachsam zu sein. "Wir müssen reagieren", forderte Corcostegui. Der BSCH fährt nach seiner Darstellung wie andere Häuser zweigleisig - auch um sich gegen die Unwägbarkeiten in der Marktentwicklung abzusichern: Zum einen werde die gesamte Bank auf das Internet umgestellt. Zum anderen habe man einen neuen globalen E-Finanzdienstleister an den Markt gebracht. Beide Modelle - der Wandel etablierter und der Markteintritt neuer Anbieter - könnten erfolgreich haben. Es werde eine "lange Schlacht" geben.

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