Dresdner-Direktbanktochter hofft auf Schub
Advance Bank sieht Chancen im neuen Allianz-Konzern

Im Zuge der vergangene Woche verkündeten Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz sind noch zahlreiche Detailfragen ungeklärt. So gibt es noch keine Zahlen über die Höhe von Ertragspotenzialen und Einsparsynergien. Und auch die Zusammenlegung der verschiedenen Abteilungen und Tochtergesellschaften ist noch offen. Am kommenden Mittwoch tritt der Integrationsausschuss beider Häuser zusammen. Er soll den Integrationsfahrplan festlegen und Integrationsteams benennen, die für die Zusammenführung einzelner Unternehmenseinheiten aus beiden Häusern zuständig sein sollen. Hiervon erhoffen sich alle Beteiligten mehr Klarheit.

HB FRANKFURT. "Ich sehe der gemeinsamen Zukunft mit der Allianz positiv entgegen. In den Präsentationen vor der Presse war klar zu sehen, dass im Privatkundengeschäft die Vertriebsschienen Online- Banking und Financial Planners eine wichtige Säule bilden". Advance- Bank-Chef Martin Blessing zeigt sich zuversichtlich, was die Zukunft der Dresdner-Bank-Tochter in der Allianz Group angeht.

Dem Online-Broker und der seit kurzem zur Advance Bank gehörenden Dresdner Vermögensberatungsgesellschaft (DreVB) werde eine signifikante Rolle zukommen. Allerdings bedeute eine mögliche Verschmelzung der Advance Bank mit den Finanzvertriebseinheiten der Allianz wie Financial Planners und Allianz Vermögensberatungszentren einen erheblichen Aufwand.

Die Planungen von Allianz und Dresdner Bank in ihrem integrierten Finanzdienstleister Bank - und Versicherungsprodukte nicht nur über die herkömmlichen Vertriebswege sondern auch online oder über mobile Finanzplaner abzusetzen, sieht Blessing als Bestätigung der eigenen Pläne. Ab 1. Mai wird die Advance Bank die Kunden auch zu Hause oder im Büro besuchen. Wie bereits angekündigt, wird künftig der mobile Vertrieb der DreVB in die Münchener Direktbank integriert.

Umbenennung der DreVB

Die DreVB werde in Advanced Private Finance umbenannt und in eine AG umgewandelt, erklärte Blessing. In diesem Rahmen wurde eine Kapitalerhöhung durchgeführt, von der die Advance Bank rund 10 % gezeichnet hat. "Daneben besitzen wir aber auch die Option, im Jahr 2002 die restlichen rund 90 % von den übrigen Anteilseignern Dresdner Bauspar AG (67 %) und Dresdner Bank (23 %) zu erwerben", erklärt Blessing. Das Angebot der Advance Private Finance erstrecke sich von Vermögensanlage über Vermögensaufbau bis hin zu Steuersparmodellen und Nachfolgeregelungen. "Wir wollen eine Mischung aus MLP und Direkt Anlage Bank sein", so Blessing.

Die DreVB ist bereits mit 170 Beratern aktiv und betreut rund 15 000 Kunden. Diesen wird angeboten, mit ihren Konten zur Advance Bank zu wechseln. Gute Chancen verspricht sich Blessing bei den rund 8 000 Kunden, die auch über Depotverbindungen zur Dresdner Bank verfügen. Wenn bis zum Jahresende 10 000 Depot-Kunden den mobilen Vertrieb der Advance Bank in Anspruch nehmen, sei dies ein Erfolg, erklärt Blessing.

Sein Haus setzt stark auf den Beratungsansatz auch im Online-Geschäft. Dies hat die Advance Bank in der Vergangenheit in ihrer Entwicklung gehemmt. Da das Institut erst seit August auch Online-Brokerage anbietet, ging fast die gesamte erste Welle der Broker-Kunden an ihm vorbei. Consors oder Comdirect legten hier den Grundstein für ihre starken Marktpositionen. Mit 211 534 Kunden zum Jahresende 2000 liegt die Advance Bank auf Rang sechs unter den deutschen Direktbrokern. Im ersten Quartal 2001 rückte sie mit mehr als 25 000 Depot-Neukunden an Comdirect (30 000) heran und ließ Consors (13 000) hinter sich.

Die künftige Eingliederung in die Allianz Group wird nochmals einen Wachstumsschub bringen. Denn in der Branche heißt es allgemein, ohne einen starken Partner im Rücken, werde die Zukunft im härter werdenden Direktbank-Geschäft schwierig. Im Jahr 2000 hat die Advance Bank einen Verlust von knapp 109 (1999: 100) Mill. DM erwirtschaftet, ist dem Dresdner-Bank - Anteilsbesitz zu entnehmen.

Stationäre Anlaufstellen für Kunden

Die Advance Bank hat sich entschieden, ähnlich wie die Konkurrenten Direkt Anlage Bank oder Comdirect, stationäre Anlaufstellen für die Kunden zu gründen. Das erste dieser so genannten Investment-Center werde im Mai in Berlin eröffnet, so Blessing. Im laufenden Jahr sollen dann noch vier weitere Investment-Center ins Leben gerufen werden. Insgesamt seien 20 bis 25 solcher stationäre Informationsstellen geplant.

Allerdings ergibt sich nach der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz eine neue Situation, denn auch der Versicherer verfügt über Vermögensberatungszentren. "Zwei Investment-Center nebeneinander machen auf Dauer keinen Sinn", sagt Blessing. Wie sich die Fusion auf den für die nächsten zwei Jahre geplanten Börsengang der Advance Bank auswirke, lässt sich laut Blessing noch nicht genau sagen. Allerdings geht der Trend im Zuge der Fusion in Richtung Auslagerung von Geschäftseinheiten wie der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%