Dresdner hält an Umstrukturierungsplänen fest
Allianz erwartet Ergebnisschub durch Übernahme

Der künftige Allfinanzkonzern Allianz steht auch nach der Übernahme der Dresdner einer weiteren Expansion offen gegenüber. Die Schmidt-Bank bestreitet Gespräche über einen Verkauf der Tochter Consors. Kommentar: Schulte-Noelle im Vorwärtsgang Analyse: Modethema Allfinanz

cbu/rob FRANKFURT/M. Die Übernahme der Dresdner Bank wird eine weitergehende Expansion der Allianz nicht bremsen. Wie der Chef des künftigen Allfinanzkonzerns, Henning Schulte-Noelle, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Dresdner in Frankfurt klar machte, wird die Allianz "nicht den Fehler machen, uns vorwiegend nur noch mit uns selbst zu beschäftigen". Zu den anhaltenden Gerüchten über eine Akquisition des Nürnberger Direktbrokers Consors wollte er sich jedoch nicht klar äußern. Falls es Gespräche geben würde, würden diese intern und nicht in der Öffentlichkeit geführt, sagte er.

"Wir führen keine Verhandlungen mit der Allianz", sagte dazu Karl Gerhard Schmidt, Inhaber der Schmidt-Bank, dem Handelsblatt. Die im Familienbesitz befindliche Privatbank aus Hof hält über 70% an Consors. Schmidt ist zugleich Vorsitzender des Consors-Aufsichtsrates. "Wir haben auch nicht vor, uns von der Mehrheit bei Consors zu trennen", betonte Schmidt, dessen Sohn Karl Matthäus Consors-Gründer und-Chef ist.

In Bankkreisen wird vermutet, die Gerüchte würden lanciert, um Consors gezielt zu schwächen. Consors ist der einzige große Discountbroker in Deutschland, der nicht in Mehrheitsbesitz einer Großbank ist. Die Spekulationen über ein Interesse der Allianz gaben der Consors-Aktie gestern Auftrieb. So stieg das Papier am Neuen Markt um zwischenzeitlich über 16%.

Klar äußerte sich Schulte-Noelle hingegen über ein Interesse an einer Übernahme ausländischer Banken. Es gebe momentan kein Institut außerhalb Deutschlands, das der Versicherungskonzern kaufen wolle, sagte der Vorstandsvorsitzende. An eine mögliche Beteiligung der Allianz an der Deutschen Bank 24 und eine Vertriebskooperation wird nicht mehr gedacht. Die Gespräche seien ohne Einigung beendet worden, erklärte Schulte-Noelle. "Wir sehen aber weiterhin die Möglichkeit zu einer Kooperation in anderen Bereichen", ergänzte er. Bernd Fahrholz, künftiger stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Münchener Allianz und Chef der Dresdner Bank, sieht etwa noch ein unausgeschöpftes Potenzial in der Verwaltung: "Durch Skaleneffekte muss es hier zu einer kreativen Lösung kommen."

Durch die angekündigte Übernahme sind größere Kosteneinsparungen jedoch kaum zu erzielen, da beide Unternehmen auf verschiedenen Produktfeldern arbeiten. Es gilt, die künftigen Wachstumsmöglichkeiten bei der Altersvorsorge und der Vermögensverwaltung zu heben. "Wir kommen hier an einem Bankvertriebsweg nicht vorbei", betonte Schulte-Noelle. Insgesamt soll die Übernahme der Dresdner bei der Allianz nach den Worten von Finanzvorstand Paul Achleitner im laufenden Jahr zu einem Gewinnwachstum von 13% je Aktie nach Abschreibungen auf den immateriellen Firmenwert (Good will) führen. Er rechnet bei vollständiger Akzeptanz des Übernahmeangebots mit einem Ertragsplus von 1,4 je Aktie. Wie aus Unterlagen zur Analystenkonferenz hervorgeht, erwartet die Allianz für den neuen Konzern für 2001 einen Pro-forma-Gewinn nach Steuern von 3,0 Milliarden . Dies gelte nach Finanzierungskosten und Abschreibungen auf den Good will.

Die Übernahme soll laut Achleitner bis Juli abgeschlossen sein. Die Allianz bietet freien Dresdner-Aktionären für je zehn Bank-Aktien ein Allianz-Wertpapier plus 200 in bar an. Nach Abzug der rund 20% im Besitz der Allianz befindlichen Dresdner-Aktien habe das Angebot ein Volumen von 25 Milliarden . Davon würden etwa 17 Milliarden durch Aktientausch-Transaktionen mit bisherigen Großaktionären abgedeckt. Es verbleibe ein Volumen von 8 Milliarden , das noch refinanziert werden müsse, erläuterte Achleitner. "Wir werden die 8 Milliarden intern finanzieren", erklärte er. Dies soll über die Ausgabe von normalen Anleihen und auf dem Weg eines weiteren Beteiligungsverkaufs der Allianz etwa über Wandelanleihen geschehen.

Auch nach der rechtlichen Verselbständigung der Dresdner-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) und einer Beteiligung der Mitarbeiter plant die Allianz bei einem späteren Börsengang nach den Worten von Schulte-Noelle, die Mehrheit an der Investmentbank zu halten.

Der von der Dresdner Bank im Rahmen der Umstrukturierung des Instituts im vergangenen Jahr angekündigte Personalabbau um rund 10% sowie die Straffung des Filialnetzes auf etwa 850 Stellen liefen weiter, sagte Fahrholz. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte indes im Zuge der Übernahme einen sofortigen Stopp der Filialschließungen.

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