Dresdner Kleinwort Wasserstein verbleibt vollständig im Versicherungskonzern
Allianz hält an Investmentbank fest

Die Allianz hat ihre Pläne im Investment-Banking über den Haufen geworfen: Der Börsengang von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) wird zu den Akten gelegt. Die Investmentbank wird voll in den Konzern eingegliedert und soll eine wichtige Rolle im Firmenkundengeschäft spielen. Damit ist Ärger mit den DKW-Mitarbeitern programmiert.

LONDON/FRANKFURT/M. Die Allianz wird die Investmentbank-Aktivitäten der Tochter Dresdner Bank nicht ausgliedern. Im Rahmen der Übernahme des Instituts im Frühjahr diesen Jahres sollte Dresdner Kleinwort Wasserstein rechtlich verselbständigt und an die Börse gebracht werden. Davon ist jetzt keine Rede mehr. Auch eine Mitarbeiterbeteiligung wird es nicht geben. Dies hat das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfahren.

Vielmehr sollen das Investment-Banking und das Firmenkundengeschäft der Dresdner Bank zusammengelegt werden. Zudem ist es offensichtlich ebenfalls geplant, den Bereich Firmenkunden der Allianz eng mit der neuen Division zu verknüpfen. Die Einheiten sollen bei der Dresdner Bank unter dem Geschäftszweig "Institutionelle Kunden" zusammengefasst werden. Zudem sucht die Allianz nach einem neuen Namen. Im Gespräch ist Allianz Corporate & Markets. Die zweite Säule der Dresdner ist der Bereich Privatkunden. Mit der Umsetzung will der Konzern sofort beginnen. Damit folgen Allianz und Dresdner Bank dem Zwei-Säulen-Modell der Commerzbank und der Deutschen Bank, die ihre Institute bereits im vergangenen Jahr umstrukturiert hatten.

Sinneswandel beim Allianz-Konzern

Offensichtlich ist es zu einem Umdenken bei Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle gekommen, der bei der letzten Pressekonferenz Ende Mai von einer Ausgliederung von DKW ausging und einen Börsengang in zwei bis vier Jahren in Aussicht stellte. Ebenfalls keine Rede ist auch mehr von den Vorstellungen des Investmentbank-Chefs Leonhard Fischer, der zugleich im Vorstand der Allianz sitzt: Er hatte sich bisher für einen Börsengang stark gemacht, um den Mitarbeitern "eine spürbare Beteiligung" anbieten zu können. Zugleich wollte Fischer die eigenen Aktien auch als Akquisitionswährung für eine Expansion in Europa einsetzen.

Grund für die Meinungsänderung seien Synergieeffekte, die sich aus der Zusammenlegung der Aktivitäten im Investment-Banking und dem Corporate Banking (Firmenkundengeschäft) ergeben würden, berichten Bankenkreise. Zudem hätte die Verselbständigung der DKW eine umfangreiche Eigenkapitalausstattung durch die Allianz erfordert. Mit der neuen Struktur könne das Investmentbanking auf die Finanzkraft des Konzerns zurückgreifen und das gute Rating nutzen.

Unmut bei Mitarbeitern zu erwarten

Für die neue Division Investmentbank/Firmenkunden plant der Konzern ein Management Board. Nach Informationen des Handelsblatts wird neben Fischer auch der bei der Dresdner Bank für Firmenkunden zuständige Vorstand, Joachim von Harbou, dem Gremium angehören.

Der Sinneswandel dürfte bei den Investmentbankern von DKW für Unmut sorgen, da sie bisher von einer größeren Unabhängigkeit und einer Beteiligung an der Investmentbank ausgegangen waren. Fischer dürfte nun bemüht sein, die Wogen bei seinen Mitarbeitern zu glätten, die bereits einen Machtverlust durch die Übernahme von Wasserstein zu beklagen hatten.

Dresdner Kleinwort Wasserstein entstand im Januar 2001 aus dem Zusammenschluss von Dresdner Kleinwort Benson und Wasserstein Perella. Mit der Akquisition erwarb sich die Bank das begehrte Know-how, das US-Institute so stark im Investment-Banking macht. Wasserstein Perella zählte zu den ersten Adressen im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Akquisitions/M & A) in den USA. Im ersten Halbjahr 2001 rangiert die neue DKW nach den Berechnungen von Thomson Financial in der Königsdisziplin M & A in Europa auf Rang eins mit einem Volumen von 105,2 Mrd. und verwies damit namhafte Investmentbanken wie Merrill Lynch, UBS Warburg und Goldman Sachs auf die Plätze. Das Haus agierte als Berater bei Geschäften wie dem Kauf von Voicestream durch die Deutsche Telekom und dem Verkauf von Ralston Purina an Nestlé. In Deutschland rangiert sie hinter Goldman Sachs auf Platz zwei. Bei Börsengängen zählt DKW ebenfalls zu den Großen in Europa und belegt mit einem Volumen von knapp 3 Mrd. Euro Platz zwei hinter Morgan Stanley. Hier zu Lande liegt die Investmentbank auf Platz zwei hinter der Deutschen Bank.

Erste Halbjahr für Dresdner Kleinwort Wasserstein schlecht gelaufen

Dagegen steht sie im derzeit boomenden Geschäft mit Anleiheemissionen nicht so gut da: Das Institut liegt im ersten Halbjahr bei internationalen Anleiheplatzierungen auf Rang 15 (Volumen 2,7 Mrd. US $) und damit weit abgeschlagen hinter dem Spitzenreiter Deutsche Bank. Die Investmentbank ist in den fünf Bereichen Investment-Banking, weltweites Aktien- und Rentengeschäft, Private Equity sowie Online Markets tätig. Von den rund 8 500 Beschäftigten sitzen etwa 2 000 in Frankfurt und über 3 000 in London.

Trotz großer M & A-Geschäfte ist das erste Halbjahr nach Informationen des Handelsblattes für DKW schlecht gelaufen. Auch das laufende dritte Quartal gestaltet sich offenbar äußerst schwierig. Im Jahr 2000 hatte die Investmentdivision der Dresdner Bank noch einen Gewinn vor Steuern von knapp 850 Mill. Euro gebracht. In diesem Jahr könnten es weniger als die Hälfte sein, wird befürchtet.

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