Dresdner Kofferbombe
Sprengsatz auf TNT-Basis

Hunderte Reisende sind am vergangenen Freitag auf dem Dresdner Hauptbahnhof nur knapp einem Sprengstoffanschlag entgangen. Mit der dort entdeckten Kofferbombe war nach Erkenntnissen der Ermittler wirklich ein Anschlag geplant.

dpa DRESDEN. "Der Schnellkochtopf sollte die Splitterwirkung der Bombe noch erhöhen", sagte der Präsident des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA) Peter Raisch, am Freitag in Dresden. Der Topf enthielt einen Teil von insgesamt 1,6 Kilogramm Sprengstoff auf TNT-Basis, der im Koffer war.

Die Ermittler gehen davon aus, dass an einem Getränkeautomaten abgesellte Bombe zu einer gewaltigen Detonation geführt hätte. Mit einer Ausbreitungsgeschwindigkeit von etwa 8 000 Metern pro Sekunde sei deutlich auf verheerende Wirkungen bei umstehenden Menschen ausgelegt gewesen, sagte Raisch. Nach Angaben einer Bahnsprecherin hielten sich am Freitagabend hunderte Reisende in der Nähe des des Bombenkoffers auf. Die Ermittler haben errechnet, dass der Koffer am 6. Juni zwischen 16.00 Uhr und 19.20 Uhr auf dem Bahnsteig abgestellt wurde.

Der Sprengstoff stammt den Angaben zufolge teilweise aus militärischen Beständen. Er sei in Geschossteilen zu finden, sagte Raisch. Ferner waren in dem Koffer mehr als 6 Kilogramm Schottersteine. In dem Gepäckstück seien eine Zeitvorrichtung - möglicherweise ein Reisewecker - und zwei elektrische Sprengzünder aus tschechischer Produktion gefunden worden.

Der Zeitpunkt der geplanten Detonation könne nicht mehr bestimmt werden, sagte Raisch. Der Kofferinhalt wurde bei der Zerlegung - Experten sprechen von Delaborierung - teilweise beschädigt. Die Polizei will mit einer nachgestellten Probesprengung die Wirkung der Kofferbombe exakt herausfinden. "Wir werden dazu den Bahnsteig in Kooperation mit

der Bahn nachbauen", sagte Raisch. Beim Bundeskriminalamt seien bisher keine vergleichbaren Bomben bekannt.

Bisher seien beim LKA weder Bekenneranrufe noch-schreiben eingegangen. Die LKA-Sonderkommission "Bahnhof" vermutet die Täter in einem breiten Spektrum zwischen irrationalem Einzelgänger und politisch motivierten Straftätern. Verbindungen zur organisierten Kriminalität schließt die Dresdner Staatsanwaltschaft weitgehend aus.

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