Dresdner und JP Morgan: Prognosen sind zu optimistisch
Kein Ende der Flut von Herabstufungen in Sicht

Eine - scheinbar paradoxe - Börsenregel lautet: Das Ende der Baisse kommt, wenn kaum jemand mehr damit rechnet. Denn erst wenn die Stimmung auf dem Nullpunkt ist, besteht keine Gefahr mehr für neue Enttäuschungen, und neue Verkaufswellen. Bei den Gewinnschätzungen der Analysten ist dieser Punkt offenbar noch lange nicht erreicht. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team von Dresdner Kleinwort Wasserstein.

tmo DÜSSELDORF. Zwar wurden die Schätzungen für viele Konzerne deutlich reduziert. So erlebt Daimler-Chrysler seit drei Monaten nur Herabsenkungen, keine einzige Heraufstufung. Im Februar strichen die Bankexperten besonders die Schätzungen für Telekomausrüster wie Nokia und Ericsson zusammen. Doch den Dresdner-Experten zufolge hat die Stimmung bei europäischen Titeln ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht. Auch dauere Prozess der Herabstufungen an.

"Unserer Meinung nach sind die Ertragsaussichten für US-Firmen düster", argumentiert zudem Douglas Cliggott, Chef-Stratege der Bank JP Morgan Chase in einer anderen Studie. Auch er hält die Analystenprognosen für übertrieben optimistisch. Derzeit erwarteten die Bankexperten im Schnitt ein langfristiges Wachstum beim Gewinn je Aktie von 15 % für US-Firmen. "Wir behaupten nicht, die tatsächliche Ziffer zu kennen", argumentiert Cliggott, "aber das Gewinnwachstum könnte in den nächsten Jahren durchaus bei nur 5 % liegen".

Wie ein Teufelskreis...

Als Grund nennt der JP-Morgan-Stratege das Wechselspiel zwischen Aktienkurssteigerungen und Verbraucherausgaben. Hier drohe ein sich selbst verstärkender Teufelskreis: Kursverluste gefährdeten das Vermögen der US-Verbraucher, diese würden daher weniger Geld ausgeben. Dadurch könnten die Unternehmen weniger absetzen und verdienen - was wiederum die Aktienkurse belaste.

Als zweiten Grund nennt Cliggott den exzessiven Investitionsboom, den die US-Konzerne in den jüngsten Jahren erlebt hätten. Die Investitionen seien längst größer als der Cash Flow, also die verfügbaren Einnahmen, der Unternehmen. Da sich die Firmen aber nicht unbegrenzt verschulden könnten, drohe nun eine längere Phase, in denen die Investitionen relativ zu den Firmeneinnahmen sinken müssten.

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