Dreßler sei "Elefant im Porzelanladen Jerusalem"
Neuer Israel-Botschafter Dreßler umstritten

Oppositionspolitiker von CDU/CSU und FDP verstärkten ihre Kritik an Dreßler wegen dessen Äußerungen zur Internationalisierung Jerusalems.

ap BERLIN. Der neue deutsche Israel-Botschafter Rudolf Dreßler wird am 18. August zum Antritt seines neuen Postens nach Israel reisen. Der 59-jährige Diplomat sitze sozusagen schon "auf gepackten Koffern", erklärte ein Sprecher seines Berliner Büros am Donnerstag der AP. Die Bundesregierung bekräftigte erneut, dass der wegen seiner umstrittenen Äußerungen in Deutschland und Israel kritisierte SPD-Politiker am 1. September sein Amt antreten werde. Dreßler will sich mit Ehefrau und zwei Kindern in der Residenz des Botschafters niederlassen.

Unterdessen verstärkten Oppositionspolitiker von CDU/CSU und FDP ihre Kritik an Dreßler wegen dessen Äußerungen zur Internationalisierung Jerusalems. Diese hatten auch in Israel Empörung ausgelöst. Wie CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender Friedrich Merz forderte die CDU-Bundestagsabgeordnete Hannelore Rönsch Bundeskanzler Gerhard Schröder auf, die Entsendung als Botschafter zu überdenken. Schröder und Außenminister Joschka Fischer sollten sich "ernsthaft überlegen, ob sie jemanden auf das glatte Parkett der Nahost-Diplomatie schicken wollen, der schon mit den einfachsten diplomatischen Grundgepflogenheiten Gleichgewichtsprobleme hat". Merz hatte bereits am Vortag gefordert, Dreßler von seinem Amt zu entbinden.

Der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrich Irmer, nannte Dreßler einen Elefanten "im Porzellanladen Jerusalem". Der Nahost-Friedensprozess sei eine höchst heikle Angelegenheit. Dies gelte insbesondere für den Status von Jerusalem. Sein FDP-Kollege Dirk Niebel rügte, "Dreßler schwimmt durch seine Äußerungen über einen internationalen Status für Jerusalem in einem Fettnäpfchen".

Die Zitate über den zwischen Israelis und Palästinensern umstrittenen Status Jerusalems lösten in Israel scharfe Kritik aus. Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Aviv Schiron, erklärte der "tageszeitung" (Donnerstagausgabe): "Falls diese Dinge tatsächlich gesagt worden sind, sind sie äußerst schwerwiegend. Wir werden sie studieren und entsprechend reagieren." Jerusalems Oberbürgermeister Ehud Olmert sagte: "Es ist totale Dummheit, einen solchen Unsinn daherzureden. Das zeigt offenkundig, dass der Mann nicht zum Botschafter Deutschlands in Israel geeignet ist, und ich hoffe, dass er es auch nicht wird."

Dreßler hatte erklärt, bei der Veröffentlichung im Bonner "General-Anzeiger" handele es sich "um eine aus dem Zusammenhang eines längeren Hintergrundgesprächs gerissene Formulierung". Er habe mit "Nein" auf eine Frage geantwortet, ob er sich als Botschafter zum Status Jerusalems äußern würde, denn dies sei nicht Sache eines Botschafters. Es sei bekannt, dass die Bundesregierung für eine einvernehmliche Regelung eintrete. "Auf die Frage nach der Verwaltung der Stadt habe ich von 'international' gesprochen, auf die sich beide Seiten verständigen müssten", sagte der SPD-Politiker. Weitere Stellungnahmen wollte Dreßler am Donnerstag nicht abgeben. Damit solle zur Beruhigung der Debatte beigetragen werden, hieß es in seiner Umgebung.



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