Dressureiten
67: Rüstiger Rentner ältester Olympia-Starter

Die Jugend der Welt startet bei den Olympischen Spielen – und der 67 Jahre alte Hiroshi Hoketsu ist dabei. Nach über 44 Jahren Pause gibt der japanische Dressurreiter, der sich in Deutschland für die Spiele fit gemacht hat, sein Comeback.

HONGKONG. Der japanische Dressurreiter ist der rüstige Rentner der Spiele, aber das ist ihm egal. "Ich fühle mich nicht so alt", sagt der Japaner grinsend. Und fröhlich stellt er sich neben die Brasilianerin Luiza Almeida, die mit 16 Jahren das Nesthäkchen der Reitwettbewerbe in Hongkong ist, und erzählt von seinem erstaunlichen Olympia-Comeback nach 44 Jahren Pause: "Ich bin extra nach Deutschland gezogen, um dort zu trainieren." 55 Jahre liegen zwischen Hoketsu und der jüngsten Olympia-Teilnehmerin, der Schwimmerin Antoinetti Guedia Mouafo (Kamerun), die nach Angaben des Organisationskomitees BOCOG am 21. Oktober 13 Jahre alt wird. "Beim Reiten ist es keine Frage des Alters", sagt Hoketsu, es komme ja mehr auf die Pferde an. Bereits 1964, bei den Spielen in Tokio, war er im Sattel dabei, damals allerdings im Springen.

"Dieser Mann besitzt meine Bewunderung", sagt Trainer Ton der Ridder, der das Comeback des Japaners auf seiner Anlage in Aachen vorbereitet hat. "Wie dieser Mann konzentriert bei der Sache ist und nie aufsteckt, daran könnten sich viele jüngere Reiter ein Beispiel nehmen." Erst Ende April, bei einem Turnier in Hagen bei Osnabrück, schaffte Hoketsu die Olympia-Qualifikation. "Als ich so etwa 42 war, habe ich bemerkt, dass meine Sehkraft sich verändert hat, ich bekam Schwierigkeiten, Distanzen genau zu erkennen", erklärt der Reiter. Da die Dressur für ihn eine genauso große Rolle spielte wie das Springen, fiel die Entscheidung, vom Parcours in das Viereck zu wechseln, nicht allzu schwer. In den vier Jahrzehnten zwischen seinen Olympia-Teilnahmen war Hoketsu sportlich kürzergetreten, machte als Manager in der Pharmabranche in den USA und in Japan Karriere und sitzt noch heute im Aufsichtsrat des japanischen Unternehmens Ortho Diagnostics. Aber aufgehört zu reiten, hat er nie. "Ich habe mich vor wenigen Jahren gefragt, was ich noch will und dann entschieden, wenn ich weiter reite, dann richtig", erklärt der Reiter. Mit dem renommierten Dressur-Ausbilder Ton de Ridder fand er den richtigen Coach, mit Whisper in Baden-Württemberg das richtige Pferd. Elf Jahre ist die Stute alt, könnte also 2012 in London noch geritten werden. Ob er dann noch einmal dabei ist? "Vielleicht", sagt der Japaner fröhlich. Um den Österreicher Arthur von Pongracz zu überholen, der 1936 als 72-Jähriger ritt, muss Hoketsu allerdings noch ein paar Jahre mehr anhängen.

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