Dritte Auktionswoche
Gebote für UMTS-Lizenzen steuern auf 75-Milliarden-Marke zu

Bei der Auktion der UMTS-Mobilfunklizenzen in Mainz sind die Gebote der Telefonkonzerne zum Wochenstart auf knapp 75 Milliarden Mark geschnellt

HB/dpa DÜSSELDORF/MAINZ. Bis zum Nachmittag stiegen die Höchstgebote für die vier bis sechs Lizenzen innerhalb weniger Stunden um fast zwölf Milliarden Mark. Das Höchstgebot für eine «große» Lizenz aus drei Frequenzblöcken kletterte zur 136. Versteigerungsrunde auf 18,8 Milliarden Mark, der Preis für eine «kleine» Lizenz pendelte zwischen zwölf und 13 Milliarden Mark.

An dem Tempo der Auktion ändert sich zunächst nichts, da die Regulierungsbehörde das Mindestgebot auch nach dem Ausscheiden von Debitel/Swisscom zunächst unverändert ließ. Somit müssen vorhandenene Höchstgebote in jeder Runde weiterhin um mindestens zehn Prozent übertroffen werden.

Die Höhe des Mindestgebots wird dafür sorgen, dass spätestens am Dienstag die Gebotssumme von 80 Milliarden type="unknownISIN" value="? Dm">DM überschreiten wird. Analysten hatten zumeist mit einem Versteigerungserlös von 60 bis 80 Milliarden DM gerechnet. Diese Schätzungen fußten auf der Annahme, dass bei den beiden als Außenseiter eingeschätzten Bieterkonsortien Debitel/Swisscom sowie Sonera/Telefonica die Auktion angesichts der Gebote die finanziellen Grenzen erschöpft sind.

Um eine Lizenz zu ersteigern, muss ein Unternehmen für mindestens zwei Frequenzblöcke Höchstbieter sein. Von der Regulierungsbehörde werden nur die Höchstgebote, nicht alle in der Auktionsrunde abgegebenen Gebote, veröffentlicht. Die Auktion endet, wenn für keinen der Frequenzblöcke ein neues Höchstgebot abgegeben wird.

Um die UMTS-Lizenzen (Universal Mobile Telecommunications System) konkurrieren noch sechs Bietergruppen: Die vier bereits im deutschen Mobilmarkt aktiven Anbieter D-1 Telekom, D-2 Mannesmann mit Mehrheitsaktionär Vodafone (Großbritannien), E-Plus mit seinen Partnern KPN (Niederlande), Bell South (USA), Hutchison Whampoa (Hongkong) und NTT DoCoMO (Japan) sowie Viag Interkom mit seinen Gesellschaftern E.ON, British Telecom und Telenor (Norwegen). Weiterhin bietet ein Konsortium aus France Telecom und Mobilcom sowie das Konsortium 3G von Sonera (Finnland) und Telefonica (Spanien). Das Konsortium Debitel/Swisscom war am Freitag in Runde 127 aus der Versteigerung ausgestiegen.

VIAG Interkom bietet nur noch für zwei Frequenzblöcke

Unterdessen kündigte die Münchener VIAG Interkom an, nur noch für eine kleine Lizenz von zwei Frequenzblöcken zu bieten. Ein Unternehmenssprecher begründete den Schritt aus «kaufmännischen Überlegungen». Insgesamt waren sechs Bewerber noch im Rennen. Wegen der rasant gestiegenen Gebote hatte sich die Stuttgarter debitel, eine Tochter der Swisscom, am Freitag aus der Auktion zurückgezogen. E-Plus Hutchison war zuletzt mit einem Gebot von 18,2 Milliarden DM für eine große Lizenz (drei Blöcke) der führende Bieter.

Unterdessen warnte der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich, vor Übertreibungen bei der UMTS-Versteigerung: «Es gibt einen Preis, der zu hoch ist und wo es Unsinn wird», sagte er im DeutschlandRadio Berlin. Die Firmen setzten sich langfristig der Gefahr eines Bankrottes aus.

Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Klaus-Dieter Scheurle, sagte der dpa in Mainz, dass ein Ende der Versteigerung gegenwärtig nicht absehbar sei. Scheurle denkt nach Presseberichten über eine Absenkung der Steigerungsraten bei der Auktion nach. Bisher muss ein Höchstgebot immer um mindestens zehn Prozent überboten werden.

Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) bekräftigte, die Erlöse flössen ausschließlich in die Schuldentilgung des Bundes und wies damit Begehrlichkeiten von Politikern aller Seiten zurück. Die aus der Tilgung resultierenden Zinsgewinne bezifferte er auf bisher insgesamt rund drei Mrd. DM jährlich. Ursprünglich hatte der Finanzminister eine Senkung der jährlichen Zinslast um eine Milliarde DM eingeplant.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" führen die Investitionen der Mobilfunkkonzerne in die UMTS-Lizenzen zu milliardenschweren Steuerausfällen bei Kommunen und Ländern. Die Konzerne könnten die Lizenzkosten 20 Jahre ab Inbetriebnahme des Mobilfunknetzes der dritten Generation steuerlich absetzen und damit ihre Gewinne drücken.

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