Dritte Restrukturierung seit 1984
US-Telekomriese AT&T spaltet sich in vier Einzelfirmen auf

Der US-Telekommunikationskonzern AT&T spaltet sich in vier Gesellschaften auf. Damit zerlegt AT&T sein Telefon- und Kabel-TV-Imperium, dessen Aufbau drei Jahre gedauert hatte.

dpa NEW/YORK. Die größte Telefon- und Kabelfernsehgesellschaft der USA, die AT&T Corp., will sich in vier Einzelfirmen aufspalten. Damit solle jede Einzelfirma bessere Möglichkeiten erhalten, zu wachsen und sich an der Börse zu entfalten, teilte AT&T am Mittwoch mit. Das rückläufige Geschäft mit Ferngesprächen wird dabei von den schneller wachsenden Sparten getrennt.

Damit reagiert der Telefonkonzern auf einen drastischen Kursverfall seiner Aktien und auf harte Kritik seiner Aktionäre an der Kurs- und Gewinnentwicklung. Die AT&T-Aktien notieren momentan mit 26,88 Dollar. Sie haben damit in diesem Jahr 47 Prozent oder 61,5 Milliarden Dollar an Wert verloren.

AT&T will seine Telekomgeschäfte mit den Unternehmen in einer eigenen Firma bündeln. Davon getrennt soll eine Firma Telefon- und Internetdienste für private Verbraucher anbieten. Weitere Unternehmen sind für den Mobilfunk und für die Sparte Kabelfernsehen und Breitband geplant. Der Aufspaltungsplan soll bis 2002 über die Bühne gehen. Der Verwaltungsrat hat den Plan bereits einstimmig gebilligt.

Die neue AT&T Business wird das Geschäft mit Unternehmenskunden betreiben und das Festnetz übernehmen. Sie wird mit 28 Milliarden Dollar Umsatz die Hauptnachfolgegesellschaft von AT&T und wird die Marke AT&T und das Aktiensymbol "T" behalten.

Die Mobilfunkfirma AT&T Wireless mit 9,6 Milliarden Dollar Umsatz sowie die AT&T Broadband (Breitband; Fernsehen) mit 9,3 Milliarden Dollar Umsatz sollen jeweils eigene Aktien ausgeben.

Die AT&T Consumer mit 19 Milliarden Dollar Umsatz bündelt das rückläufige Ferngesprächsgeschäft mit Privatkunden und das Internet- Verbrauchergeschäft. Sie wird mit so genannten "Tracking"-Aktien verselbstständigt. Besitzer von "Tracking"-Aktien sind am Gewinn des Geschäfts beteiligt.

"Die Aktionäre sollen den vollen Wert ihrer Investitionen erhalten. Sie können die finanzielle Leistung jeder der AT&T-Firmen besser beurteilen und sie mit ihren Konkurrenten vergleichen", erläuterte der AT&T-Chef C. Michael Armstrong. Die neuen Gesellschaften werden eng miteinander kooperieren. Die AT&T Business wird ihren Schwesterfirmen über Langzeitverträge Netzwerkleistungen verkaufen und den Namen AT&T in Lizenz anbieten.

Ankauf Kabelfernsehgesellschaften hat sich noch nicht ausgezahlt

Die AT&T hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres 49,1 Milliarden Dollar umgesetzt nach 46,2 Milliarden ein Jahr zuvor. Der Ertrag stieg auf 4,8 (4,3) Milliarden Dollar. Im dritten Quartal wuchs der Umsatz aber nur noch geringfügig auf 16,9 (16,3) Milliarden Dollar, und der Gewinn fiel sogar auf 1,3 (1,6) Milliarden Dollar.

AT&T-Chef C. Michael Armstrong hatte seit 1997 rund 100 Milliarden Dollar für den Aufkauf von Kabelfernsehgesellschaften ausgegeben. Armstrong wollte damit ein Breitbandnetz mit direktem Zugang zu den US-Haushalten unter Umgehung der regionalen Telefongesellschaften schaffen. Seine Pläne haben sich aber bisher nicht ausgezahlt.

AT&T war 1984 aus der Zerschlagung der Monopolgesellschaft American Telephone & Telegraf als größte US-Ferngesprächsgesellschaft hervorgegangen. 1996 hatte AT&T bereits den weltgrößten Telekommunikationsausrüster Lucent Technologies abgespalten. Außerdem trennte sich AT&T vom 1991 gekauften Computerkonzern NCR.



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