Dritte Verschiebung des T-Mobile-Börsengangs nicht ausgeschlossen
Die kryptischen Aussagen des Ron Sommer

Seine Sätze werden zur Zeit so genau unter die Lupe genommen wie die von US-Notenbankchef Alan Greenspan: bis zum letzten Komma. Bei weiter schlechtem Börsenklima sei nicht ausgeschlossen, dass die Deutsche Telekom den Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile erneut verschiebt, hat Telekom-Boss Ron Sommer am Freitag gesagt. Die Investoren reagierten nervös: Die T-Aktie verlor deutlich

Die Zweifel an Sommers Plänen zur Schuldentilgung bekamen zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen neue Nahrung: Weil der geplante Fernsehkabel-Verkauf an John Malone vor dem Aus steht, dürften 5,5 Mrd. Euro fehlen. Wenn T-Mobile nicht wie geplant im Juni oder November an die Börse geht, fehlen weitere 10 Mrd. Euro. Die Telekom bliebe auf ihrem Schuldenberg von 65 Mrd. Euro sitzen.

Was wollte uns Ron Sommer mit seiner Äußerung am Freitag sagen? Denn eigentlich war es eine Selbstverständlichkeit: Natürlich kann er Investoren nur dann eine neue Aktie andrehen, wenn die Stimmung an der Börse besser ist als jetzt. Und natürlich weiß derzeit kein Mensch, wie das Börsenklima in einigen Monaten sein wird. Wollte der Telekom-Chef also einfach nur signalisieren: Leute, ich weiß es doch auch nicht? Höchst unwahrscheinlich. Sommer ist ein Medienprofi, der wissen dürfte: Aus seinem Mund bekommt eine solche Plattitüde ein ganz anders Gewicht.

Also wollte er die Investoren langsam vorbereiten, dass es mit T-Mobile wieder nichts wird, weil die Telekom nicht bereit ist, die Tochter an der Börse zu verramschen? Auch das wäre wenig professionell. Denn wenn schon das Führungspersonal zwischen den Zeilen öffentlich von den Plänen abrückt, steigert das nicht das Vertrauen der Anleger in den Aktienmarkt.

Heikle Mission

Was auch immer sich Sommer bei seiner Aussage gedacht hat: Der T-Mobile-Börsengang ist eine äußerst heikle Mission. Nach dem Kollaps der T- und der T-Online-Aktie darf sich Sommer keinen neuen Flop erlauben. Andererseits braucht die Telekom den Erlös aus dem teilweisen T-Mobile-Verkauf, um Schulden zurückzuzahlen.

Was wiegt schwerer? Eine schlichte Rechnung gibt die Antwort: Kann die Telekom ihre Schulden nicht reduzieren, kostet sie das 80 bis 100 Mill. Euro - zusätzliche Zinsen, weil Rating-Agenturen dann den Daumen in Sachen Kreditwürdigkeit senken. Floppt der Börsengang, riskiert die Telekom Mindereinnahmen von 1 Mrd. Euro. Mit anderen Worten: Wenn Sommer die Emission um jeden Preis durchziehen würde, wäre er nicht recht bei Verstand.

Jede Menge Risiken

Ein Schuldenberg von 65 Mrd. Euro hört sich gigantisch an. Doch die Telekom-Schulden verlieren etwas von ihren Schrecken, wenn man den ansehlichen Cash-Flow des Konzerns betrachtet: Schon heute liegt er über 12 Mrd. Euro, in Zukunft wird er stetig steigen.

Natürlich bleiben jede Menge Risiken, allen voran UMTS und die defizitäre US-Tochter Voicestream. Diese teuren Abenteuer zahlen sich nur langfristig aus. Bis 2005 machen UMTS-Dienste gerade mal sieben Prozent des Gesamtumsatzes eines Mobilfunkers aus, prognotizieren Experten- bei solch mageren Umsätzen wäre ein Break-even bei den UMTS-Investitionen in diesem Jahrzehnt nicht mehr zu schaffen.

Für ihren Schuldenabbau muss die Telekom dann einen Plan B austüfteln - und sich schneller von Vermögensteilen wie Immobilien trennen. Das wäre keine Katastrophe, wie Sommer schon Anfang Dezember sagte: Wenn der Börsengang 2002 nicht komme, werde sich Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick nicht erschießen.

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