Dritter Ausfall seit Systemeinführung
Xetra-System zeigt Schwächen

Das für den Aktienhandel maßgebliche Computersystem Xetra hat erneut Schwächen gezeigt und konnte erst mit zweistündiger Verspätung beginnen. Dies ist bereits der dritte Ausfall seit Einführung des Systems.

Reuters FRANKFURT. Erst gegen 11.00 Uhr waren die ersten Aktienkurse an den Bildschirmen der Händler abrufbar, bis dahin konnte auch der Deutsche Aktienindex (Dax) nicht berechnet werden. Die Unterbrechung war bereits der dritte Xetra-Ausfall seit seiner Einführung im September 1997.

Eigentlich gilt das Flaggschiff-Produkt der Deutschen Börse AG zu 99 Prozent als zuverlässig. Ursache für die Verzögerung sei gewesen, dass sich Marktteilnehmer bei dem System teilweise nicht anmelden konnten, teilte die Börse am Mittag mit.

In den Handelsräumen der Frankfurter Bankentürme brach Hektik aus, da die Börsianer ihre Aufträge über das Parkett abwickeln mussten. Dies kann entweder über das elektronische Maklersystem Boss Cube oder aber - wie in "alten Zeiten" - über das Telefon geschehen. "Ich habe hier 35 Anrufe auf einmal", sagte der Händler einer Investmentbank, der für weitere Statements keine Zeit fand. Im ansonsten eher beschaulichen Parketthandel der Frankfurter Börse kletterten die Umsätze derweil in ungewohnte Höhenlagen. "Es ist viel mehr los als sonst", sagte ein Händler. "Die Umsätze bei den Techs sind zehn mal größer als sonst."

Von Schadenfreude über den Ausfall der elektronischen Konkurrenz könne man jedoch nicht sprechen. "Man freut sich natürlich, dass man mehr Profit macht", sagte ein Makler. "Und man sieht, dass die Präsenzbörse ein gutes Backup ist." Auch andere Börsianer freuten sich über die Renaissance des eigentlich totgesagten Parkettgeschäfts. "Hier kann man mit den Leuten quatschen", sagte ein selbstständiger Makler. "Der Computer redet ja nicht mit mir, der flimmert nur." Auch Deutschlands wohl berühmtester Börsenreporter Friedhelm Busch vom Fernsehsender n-tv trumpfte auf: "Die Börse lebt", kommentierte er die ungewohnte Betriebsamkeit im Präsenzhandel.

Xetra zählt zu den technisch führenden Handelssystemen in Europa. Die Deutsche Börse verkaufte das Produkt bereits an die Märkte in Irland und Österreich, weshalb am Dienstagmorgen auch in Dublin und Wien in Sachen Xetra zunächst nichts ging. Neben dem Aktienhandel lag auch das Geschäft mit Optionsscheinen, börsennotierten Fonds, Anleihen sowie der Strombörse EEX lahm.

Mehr als 243 Millionen Euro und damit fast ein Drittel der gesamten Konzernerlöse hatte die Deutsche Börse AG im vergangenen Jahr mit Xetra umgesetzt. 415 Teilnehmer aus 18 Ländern hat Xetra, über das unter anderem rund 6400 Aktien und 3700 Optionsscheine gehandelt werden können. Seinen ersten Zusammenbruch erlebte das System im Juli 2000, der zweite folgte vergangenen November. Mehr als den Umsatzausfall der zweistündigen Handelspause könnte nach Einschätzung von Experten die Börse der Image-Schaden stören.

Unter dem Xetra-Ausfall könne mehr das Ansehen als das Geschäft leiden, sagte Analyst Harry Harutunian von Commerzbank Securities in London. "So lange das aber nicht zur Gewohnheit wird und das System weiter zu 99 Prozent sicher ist, wird es letzten Endes wohl keine Auswirkungen haben." Die von Marktteilnehmern geforderte Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft findet mittlerweile stark auf Ebene der konkurrierenden Handelssysteme statt. Insofern gilt das Computersystem bei Experten als maßgeblich für die Wettbewerbsfähigkeit eines Börsenbetreibers.

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