Dritter Rücktritt in neun Monaten
Varig sucht schon wieder neuen Präsidenten

Die größte Fluggesellschaft Lateinamerikas, Brasiliens krisengeschüttelte Varig, muss sich erneut auf die Suche nach einem Präsidenten machen. Wie Medien am Donnerstag in Rio de Janeiro berichteten, erklärte Manuel Guedes nach nur vier Monaten im Amt seinen Rücktritt.

HB/dpa RIO DE JANEIRO. Guedes sagte, er habe seine "Aufgabe erfüllt". Aus Unternehmenskreisen verlautete allerdings, er habe den Druck der Hauptaktionäre gegen die bereits angekündigte Fusion mit der brasilianischen Gesellschaft TAM nicht akzeptiert. Es war bereits der dritte Präsidenten-Rücktritt bei Varig in nur neuen Monaten.

Die brasilianische Regierung meinte unterdessen, die Fusion mit TAM sei für Varig der einzige Weg. Verteidigungsminister José Viegas sagte, Brasilia werde Varig nur dann finanziell unter die Arme greifen, wenn die Firma "Klarheit bei den unternehmerischen Lösungen" zeigen sollte. Man wolle kein Geld in ein Verlustgeschäft stecken. Der Vorsitzende des Besitzer-Verwaltungsrats, Gilberto Rigoni, entgegnete, Brasilien sei ein Markt für mehr als zwei Airlines.

Die vor 75 Jahren gegründete Varig hat laut Medien Schulden von rund 900 Millionen US-Dollar (etwa 840 Millionen Euro). Das Unternehmen kann den Zahlungsverpflichtungen nur bedingt nachkommen und stand in den vergangenen Monaten kurz vor der Pleite. In diesem Jahr wurden mehrfach Maschinen von Varig wegen nicht gezahlter Leasingschulden auf ausländischen Flughäfen festgehalten. Auf die Geschäftszahlen wirkt sich bei Varig - neben der allgemeinen Luftfahrt-Krise - seit Jahren die Bedienung der Auslandsschulden besonders negativ aus. Varig widmet laut Medien 30 Prozent seiner Einnahmen dem Dienst und der Rückzahlung der Schulden.

Varig, das 18 000 Menschen beschäftigt und 2002 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro machte, und die zweitgrößte brasilianische Airline, TAM, hatten ihre Fusion im Februar als "beschlossene Sache" angekündigt. Der Fusionsplan und die Struktur der neuen Firma sollen bis zum 30. Juni präsentiert werden. Varig und TAM würden zusammen eine Flotte von 218 Maschinen haben. Der Rücktritt von Guedes stelle die Fusion allerdings in Frage, schrieb jetzt die Zeitung "Folha".

TAM hatte zuletzt auch einige Probleme. Das Unternehmen, das in den 90er Jahren sehr erfolgreich war, hat nach eigenen Angaben Schulden von 250 Millionen Dollar. Diese Airline geriet in den vergangenen Jahren unter anderem auch wegen zahlreicher Unfälle in die negativen Schlagzeilen.

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