"Drittes Quartal traditionell schwach"
Werbeflaute trifft Pro Sieben Sat1 hart

Die vor der Übernahme durch den US-Investor Haim Saban stehende Sendergruppe Pro Sat1 AG ist im ersten Quartal 2003 wegen weiter rückläufiger Werbeeinnahmen deutlich in die roten Zahlen gerutscht. Mit einer Kapitalerhöhung möglichst noch in diesem Jahr will Deutschlands größter TV-Konzern seine Finanzstruktur verbessern.

Reuters MÜNCHEN. "Das erste Quartal war von einem dramatischen Einbruch im Fernsehwerbemarkt geprägt, der seinen Tiefpunkt mit dem Ausbruch des Irak-Kriegs im März erreicht hat", erklärte Vorstandschef Urs Rohner am Dienstag. Im April sei die Nachfrage nach TV-Werbung aber wieder gestiegen. Dennoch werde sich der Markt deutlich langsamer erholen als noch zu Jahresbeginn erwartet. Pro Sat1 stelle sich auf ein Minus von fünf bis zehn Prozent ein. "Unsere Planungen für das Jahr 2003 sehen vor, dass wir im Konzern selbst im Worst Case - bei einem Rückgang der TV-Werbeerlöse um bis zu zehn Prozent - noch ein Ebitda in dreistelliger Millionenhöhe erzielen", erklärte Rohner.

Zahlen im Rahmen der Erwartungen

Für die ersten drei Monate 2003 wies die Senderfamilie einen Nettoverlust von 33 Mill. ? aus, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von sechs Mill. ? angefallen war. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) lag der Verlust bei vier (Vorjahr: plus 43) Mill. ?. Der Umsatz brach um rund 16 % auf 411,3 Mill. ? ein, was im Rahmen der Analystenerwartungen lag. "Die Einsparungen der Programmkosten waren größer als ich es erwartet hatte, deshalb würde ich die Zahlen sogar als leicht positiv bewerten", sagte Florian Leinauer, Medienanalyst bei Helaba Trust.

Die Familie der Sender Pro Sat.1, Kabel 1 und N24 erzielt über 90 % ihrer Einnahmen aus Werbung. Mit der Reduzierung der Programmkosten um rund neun Prozent habe die Gruppe auf die Rezession reagiert, hieß es in der Mitteilung. Im traditionell schwachen dritten Quartal werde wohl ein Verlust anfallen, im zweiten und im vierten Quartal aber Gewinne.

Kapitalerhöhung angestrebt

Viel entscheidender für die Entwicklung des Aktienkurses als die Zahlen ist aber der Fortgang der Übernahme der Senderfamilie durch den US-Medienunternehmer Saban, der sich in dem Bieterwettbewerb gegen den Hamburger Bauer-Verlag durchgesetzt und im März den Zuschlag erhalten hatte. Bis Mitte Juni sollen die Transaktionen abgeschlossen werden. Im Falle der Übernahme will Saban Pro Sat1 mit einer Kapitalerhöhung von rund 300 Mill. ? unter die Arme greifen, um die Verbindlichkeiten des Konzerns von mehr als einer Milliarde Euro zu verringern. "Natürlich wollen wir das möglichst schon in diesem Jahr machen, das hängt aber vom Marktumfeld ab", sagte Finanzvorstand Lothar Lanz. Spätestens Anfang 2004 solle der Schritt aber erfolgen.

Für den Fall, dass die Übernahme durch Saban doch noch scheitern sollte, würde auch die jetzige Muttergesellschaft KirchMedia eine Kapitalerhöhung in dreistelliger Millionenhöhe mittragen, sagte Rohner. "Ich rechne aber fest damit, dass Saban die Angelegenheit durchzieht."

Rohner sieht Programmschwächen

Den deutschen Privatfernsehmarkt teilt sich Pro Sat1 mit der RTL Gruppe, die der Münchener Gesellschaft Anfang des Jahres mit der Show "Deutschland sucht den Superstar" viele Zuschauer abgejagte. Rohner gab Programmschwächen zu: "Die Umsatzverluste sind nicht nur auf die Rezession im Werbemarkt, sondern teilweise auch auf Leistungsschwächen von Sat.1 und ProSieben zurückzuführen", erläuterte er. Mit zwei Castingshows - "Star Search" und "The Rivals" - will Pro Sat1 dem Erfolg der "Superstars" nun nacheifern und bis Ende des Jahres wieder die Marktführerschaft bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern erobern. Im ersten Quartal lag die Gruppe in diesem Segment mit 28,9 % hinter RTL (33,7 %).

Der Spielfilmsender Pro verbuchte in den ersten drei Monaten einen Einbruch beim Gewinn vor Steuern von knapp 80 % auf 15 Mill. ?. Sat.1 verbesserte sein Ergebnis zwar um knapp 70 %, schrieb mit 13 Mill. ? aber weiter Verluste. Auch der Nachrichtensender N24 steckte mit acht Mill. ? weiter in den roten Zahlen.

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