Drittgrößte Bank Frankreichs glänzt mit guten Zahlen
Crédit Agricole gibt nicht auf

Die genossenschaftliche Finanzgruppe steht im Zentrum der Spekulationen um die Neuordnung der Bankenlandschaft in Frankreich. Dank guter Umsatz- und Ertragszahlen kämpft Crédit Agricole mit frischer Kraft um die zum Verkauf stehenden staatlichen Anteile an Credit Lyonnais.

PARIS. Die Finanzgruppe Crédit Agricole (CA) kämpft weiter darum, ihre Stellung in der französischen Bankenszene zu stärken. Dabei geht es vor allem um die Macht bei der Großbank Crédit Lyonnais S.A. (CL). Dank guter Zahlen, die der Konzern gestern vorlegte, schöpft CA-Chef Jean Laurent neue Hoffnung, dass es ihm gelingen wird, den bislang 10-prozentigen Anteil der CA an CL aufzustocken.

Die vor allem auf dem Land verankerte CA läuft Gefahr, bei CL in die Rolle eines machtlosen Großaktionärs abzurutschen. Dies sagten gestern jedenfalls Analysten am Rande der Bilanzpressekonferenz. CA-Boss Jean Laurent will dies verhindern. Seit dem gelungenen Börsengang Mitte Dezember hat er die notwendigen Mittel, um die Beteiligung notfalls auch gegen den Willen des CL-Chefs Jean Peyrelevade am Markt aufzustocken.

Angespanntes Verhältnis

Das Verhältnis zwischen den Vorstandschefs beider Banken gilt als gespannt, besonders seit Laurent Ende vergangenen Jahres seine Hand auf das staatliche Aktienpaket von 9,75 Prozent legte. Peyrelevade vereitelte den Coup zwar zunächst mit Hilfe der Allianz-Gruppe. Diese besitzt über ihre französische Versicherungstochter Assurances General de France (AGF) und die CL-Anteile der Dresdner Bank ebenfalls rund 10 % von CL. Hinter den Kulissen ringen Laurent und Peyrelevade jedoch weiter. "Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir uns sehen", sagte Laurent. Erst nach den französischen Präsidentschaftswahlen in diesem Frühjahr dürfte der Verkauf des staatlichen Aktienpakets über die Bühne gehen.

Laurent hat derzeit gut lachen. Anders als die Konkurrenz spürte CA, mit über 600 Mrd. Euro Bilanzsumme die drittgrößte Bankengruppe Frankreichs, die zahlreichen Krisen im vergangenen Jahr kaum. Die seit Dezember börsennotierte Zentrale der Gruppe, Credit Agricole S.A. (Casa), steigerte die Erlöse und Erträge gegenüber dem Vorjahr um jeweils gut ein Zehntel. Aus 6,3 Mrd. Euro (Vorjahr pro forma: 5,7) Nettobankprodukt zog das Institut knapp 1,5 Mrd. Euro Reingewinn. Das Nettobankprodukt umfasst Zinsmarge, Provisionen und Eigenhandel. Ein Viertel der Bankumsätze der Regionalkassen des Konzerns sind darin konsolidiert.

Aktie macht weiter an Boden gut

Beim Gewinn je Aktie liegt Casa damit zwar unter den Erwartungen der Analysten. Diese halten Casa jedoch zu Gute, dass der operative Gewinn doppelt so stark wie die Erlöse auf 2,3 Mrd. Euro wuchs. Der Reingewinn wuchs weniger stark, weil CA vor dem Börsengang umstrukturieren und damit eine höhere Steuerlast hinnehmen musste. "Im laufenden Jahr wollen wir unser Ergebnis um 5 bis 10 % steigern und auf 14 % Eigenkapitalrendite kommen", sagte Laurent.

Die Aktie machte nach Verkündung dieser Zahlen weiter an Boden gut. Mitte Dezember mit 16,60 Euro gestartet, notierte sie gestern bei gut 20 Euro, ein Kursniveau, das ihr BNP Equities erst für die Jahresmitte vorgegeben hatten.

Die Experten von Morgan Stanley trauen Casa noch einiges zu. Unter anderem erwartet die Investmentbank, dass sich die Kosten drastisch senken lassen. Vor allem die Personalausgaben stiegen schneller als die Erlöse. Das gilt auch für die gesamte CA-Gruppe einschließlich ihrer 53 Regionalkassen. Diese erwirtschaftete im vergangenen Jahr bei 16,3 (15,4) Mrd. Euro Nettobankprodukt deutlich geringere operative Erträge in Höhe von 4,6 Mrd. Euro (5,0). Der Reingewinn fiel mit knapp 1,2 Mrd. Euro kaum halb so hoch aus wie im Jahr zuvor.

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