Drittgrößte Werbegruppe rechnet mit schwierigem Jahr 2003
Publicis sichert sich Procter-Etats

Eine schöne Bescherung für die Werbeagentur Publicis: Ab kommendem Jahr arbeitet die drittgrößte Werbegruppe weltweit und in Deutschland für den Markenartikler Procter & Gamble (P&G), wie der Frankfurter Agenturchef Harald Adam im Gespräch mit dem Handelsblatt bestätigte.

FRANKFURT. Publicis übernimmt damit die Aufgaben, die bisher die Agentur D?Arcy weltweit innehatte. Nach der Fusion der Werbeholdings Publicis Groupe in Paris und BCom3 in Chicago hatte die Gruppe beschlossen, D?Arcy aufzulösen.

Der amerikanische Konsumgüterhersteller für Nahrungsmittel, Pflegeprodukte und Haushaltspapier gilt als einer der spendabelsten Werbungtreibenden. In 2001 gab Procter & Gamble allein in Deutschland rund 180 Mill. Euro für Werbung aus und stand damit auf Platz drei der größten werbenden Firmen. Vier Agenturen teilen sich in Deutschland den Werbekuchen. In regelmäßigen Abständen verteilt das Unternehmen international die Aufgaben der Werbeagenturen neu.

Publicis in Frankfurt wird künftig die Werbung für Küchenrollen, Taschentücher, Toilettenpapier und Erkältungsmedizin entwerfen. Die Höhe der Honorare ist noch unklar, allerdings dürfte sich das Volumen auf rund 40 Mill. Euro belaufen. Mit dem werbeintensiven Neukunden tritt Publicis auf dem deutschen Werbemarkt deutlicher in Erscheinung. Die Gruppe, die mit Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Mediaplanung 2001 immerhin einen Honorarumsatz von 135,9 Mill. Euro erwirtschaftet hatte, blieb bislang gerne im Hintergrund.

Bis vor kurzem hatte auf dem deutschen Markt noch die Publicis-Schwesteragentur Michael Conrad & Leo Burnett in Frankfurt auf die Übernahme von D?Arcy spekuliert. Agenturchef Frank Eigler wollte ursprünglich bis Ende des Jahres alle D?Arcy-Kunden übernehmen. Mit der Agentur Publicis hatte beim Kampf um Procter & Gamble zuerst niemand gerechnet. Offenbar will die Publicis-Holding in Paris die gleichnamige Agenturkette und nicht die Leo Burnett-Gruppe stärken.

"Es war lange Zeit offen, welche Agenturen den größten D?Arcy-Kunden bekommen werden", beschwichtigt Eigler. Auch seine Agentur wird wie bisher andere Produkte aus dem Hause Procter & Gamble bewerben. Doch in Zeiten ohne Neugeschäft zählt jeder zusätzliche Kundengewinn für die einzelnen Agenturen.

Für Publicis in Frankfurt ist selbst mit dem neu gewonnenen P&G-Etat das kommende Jahr noch lange nicht in trockenen Tüchern. "Ich wäre froh, wenn wir das Niveau dieses Jahres erreichen", hofft Adam, und rechnet für 2003 im besten Fall mit einem Wachstum der Honorarumsätze um 5 %. Noch steht die Entscheidung der Dresdner Bank aus, um deren Werbeetat sich aktuell auch die Konkurrenz-Agentur Ogilvy & Mather bewirbt. Im Jahr 2001 meldete der Frankfurter Standort, wichtigstes Mitglied der Publicis-Familie in Deutschland, ein Honorarvolumen von 45 Mill. Euro. In dieser Größe wird der Umsatz auch für 2002 ausfallen, so Adam. Die Agentur hatte weder Kunden hinzugewonnen noch eingebüßt.

Auch Publicis muss wie andere große Werbeagenturen deshalb weiter auf die Kostenbremse treten. Allein über die Personalkosten, die in der Werbung 50 % ausmachen, könne noch gespart werden. Schon in diesem Jahr hat die Frankfurter Publicis-Gruppe 30 von 250 Arbeitsplätzen abgebaut. "Langfristig müssen wir bis zu 20 % aller Personalkosten einsparen." Adam denkt auch an niedrigere Gehälter für Angestellte. Bereits jetzt ist es in der Branche üblich, alte Arbeitsverträge zu kündigen, und den Mitarbeitern neue Verträge zu schlechteren Konditionen anzubieten.

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