Drittgrößter Mobilfunknetzbetreiber bereitet sich auf das Zeitalter der mobilen Datendienste vor
I-Mode soll E-Plus ein neues Image verpassen

E-Plus importiert aus Japan die bislang erfolgreichste Variante des Internets für das Handy, den mobilen Internet-Dienst I-Mode. Dessen deutsche Variante stellt E-Plus heute erstmalig vor.

DÜSSELDORF. Jahrelang hat Franz Beckenbauer für den Düsseldorfer Mobilfunknetzbetreiber E-Plus geworben - mit Sprüchen wie "Jo, is denn heut scho Weihnachten?" Das ist jetzt vorbei, der Kaiser muss abdanken. Denn E-Plus will weg von seinem biederen Image. "Jung und innovativ" - damit sollen die Kunden die Mobilfunker künftig in Verbindung bringen.

Auf Werbung allein will sich das Unternehmen dabei nicht verlassen. Auch neue Produkte sollen die Marktstellung stärken. So importieren die Düsseldorfer aus Japan die bislang erfolgreichste Variante des Internets für das Handy, den mobilen Internet-Dienst I-Mode. Dessen deutsche Variante stellt E-Plus heute erstmalig vor.

Doch für E-Plus ist I-Mode und ein neues Image nur die halbe Miete: Die Tochter des hoch verschuldeten niederländischen Telekomkonzerns KPN, ist hinter Marktführer T-Mobil und D2-Vodafone die Nummer drei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt und schreibt bisher rote Zahlen. Nach Meinung von Analysten wird E-Plus auch in den nächsten Jahren eine teure Last für KPN bleiben.

Daher baut Chef Uwe Bergheim E-Plus kräftig um. "Das Unternehmen war monatelang eine ziemliche Baustelle", erzählt ein Mitarbeiter. Unter anderem baute der E-Plus-Chef die Innovationsabteilung aus. Er legte Abteilungen zusammen und organisierte den Vertrieb neu. Zudem strich Bergheim die Subventionen für Mobiltelefone kräftig zusammen.

Das Sparpaket zeigt erste Erfolge: Laut Bergheim fuhr das Unternehmen im vergangenen Jahr das "beste Ergebnis der Firmengeschichte" ein. Allerdings haben die höheren Margen beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen eine gefährliche Kehrseite: E-Plus hat kaum neue Kunden gewonnen. Die Zahl stagnierte bei 7,5 Millionen, während die Konkurrenten in den vergangenen Monaten weiter zulegen konnten. Analysten sehen daher das Risiko, dass E-Plus vor dem UMTS-Start Marktanteile verloren gehen. Bergheim indessen sieht sein Unternehmen gut für die Zukunft gerüstet: Der Wechsel auf I-Mode sei für die Branche ebenso revolutionär wie die "Einführung des Farbfernsehens für die TV-Anstalten". Schließlich sollen künftig in erster Linie mobile Dienste die Milliarden wieder einspielen, die die Unternehmen für die neue Technik UMTS ausgeben.

I-Mode ist ein wichtiger Test dafür, ob dieses Kalkül aufgeht: "Wenn es nicht angenommen wird, hat die gesamte Branche ein großes Problem", meint KPN-Chef Ad Scheepbouwer. Er gibt sich zunächst zurückhaltend: "Wir erwarten bis Ende des Jahres keine gigantischen Kundenzahlen, wir gehen von weniger als einer Million I-Mode-Nutzer in Deutschland aus." In Japan begeistern sich mehr als 30 Millionen Menschen für das bunte Paket aus Nachrichten, Spielen, Sport und Unterhaltung des Mobilfunkkonzerns NTT Docomo, der an E-Plus indirekt beteiligt ist. E-Plus bietet zum Start etwa 60 Dienste. Auf Dauer sollen mehrere hundert Angebote hinzukommen.

In Japan können die I-Mode-Inhalte-Anbieter meist 91 % der Einnahmen behalten. Bei E-Plus bekommen sie 84 %. "E-Plus ist etwas gieriger", sagt Nigel Deighton, Telekom-Analyst bei Gartner, "wichtig ist aber, dass sich die Erkenntnis durchgesetzt hat: Man bekommt nur gute Inhalte, wenn man die Anbieter von Inhalten an den Umsätzen beteiligt." Für den I-Mode-Erfolg hierzulande seien zudem "angemessene Endkunden-Preise" ganz entscheidend. Denn bislang sei es viel zu teuer, das mobile Internet zu nutzen.

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