Drogerieriesen fahren unterschiedliche Strategien – dm zieht es in die teure City
Schlecker scheut sich nicht vor dem platten Land

Während der Einzelhandel stöhnt, machen die Großanbieter von Drogeriewaren gute Geschäfte. Davon profitiert vor allem Marktführer Anton Schlecker. Seine Expansionsstrategie bringt ihm wachsende Umsätze auf einem soliden Fundament. Aber auch der Rivale dm hat keinen Grund zur Klage.

DÜSSELDORF. Nomen est omen: Oedt - am Ortsrand der 6 000-Seelen-Gemeinde gibt es wirklich wenig zu sehen. Wohnhäuser und eine Klosterschule prägen das Bild in der niederrheinischen Provinz. Die fast menschenleere Oedter Hauptstraße geht in eine Landstraße über und verschwindet zwischen Wiesen und Feldern. Hier denkt wohl niemand daran, ein Geschäft zu eröffnen; wäre da nicht Anton Schlecker, der expansive Drogeriemarktbetreiber aus dem schwäbischen Ehingen, die Nummer eins der Branche. Der Laden mit dem weiß-blauen Logo signalisiert, dass Oedt doch nicht das Ende der Einzelhandels-Welt ist. Was zunächst nach ökonomischem Harakiri aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als erfolgreiches Konzept.

Thomas Roeb, Professor für Marketing und Handel an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, bringt es in seiner Studie auf den Punkt: "Schlecker setzt sich über das eherne Prinzip im Einzelhandel, hohe Durchschnittsumsätze pro Verkaufsstelle erzielen zu müssen, hinweg. Deshalb kann er Standorte besetzen, die niemand will - also auf dem Land oder in unattraktiveren Stadtrandlagen." Dadurch hat Schlecker niedrigere Kosten als die Konkurrenz, denn Mieten und Personalkosten sind gering. Die Vermieter sind froh, wenn sie einen gewerblichen Mieter finden, und die Mitarbeiter, die am Ort wohnen, akzeptieren mangels Alternativen niedrigere Löhne. Das hat den Ruf Schleckers freilich ramponiert, die in der Branche wenig gelittenen Schwaben kämpfen gegen das Image des ruppigen Billiganbieters.

Dagegen betreibt die Nummer zwei der Drogeriemarkt-Szene, die Karlsruher dm Drogeriemarkt GmbH & Co. KG, ihre Geschäfte primär in den teureren Innenstadt-Lagen. Die Folge: Während dm jährlich rund 1,4 Mill. Euro Umsatz pro Filiale machen muss, um Gewinn zu erzielen, reichen Schlecker schon rund 400 000 Euro aus. Mit dieser Strategie konnte Schlecker schnell expandieren und in Deutschland an die Spitze rücken. Europaweit erzielte er 2001 mit etwa 44 000 Mitarbeitern einen Netto-Umsatz von 5,8 Mrd. Euro. Die dm ist mit 2,2 Mrd. Euro Umsatz und 13 000 Mitarbeitern viel kleiner.

Wie viel die beiden Unternehmen unterm Strich verdienen, wissen wohl nur Anton Schlecker und dm-Chef Götz W. Werner. Handelsexperte Roeb geht aber davon aus, dass dm die größere Umsatzrendite hat, Schlecker jedoch - in absoluten Zahlen - auf Grund seiner Größe mehr verdient, was sich auch positiv auf die Bilanzstruktur der Ehinger auswirkt.

Die gute Performance der Branchen-Größen ist auf dem preisaggressiven Drogerie-Markt keine Selbstverständlichkeit. Die Osnabrücker Ihr Platz GmbH & Co kämpft mit Problemen, seit das Familienunternehmen vom Hagener Fachgeschäftskonzern Douglas die Drogerie-Kette Drospa gekauft und sich dabei verhoben hat. Hohe Kosten für den Konzernumbau führten das Unternehmen 2001 in die roten Zahlen. Auch die Tochter der Mülheimer Tengelmann-Gruppe, Kaiser?s Drugstore (Kd), steckt in einer teuren Sanierung, sieht die Gewinnschwelle aber nahe. Weitere große Spieler sind die Müller GmbH & Co. KG in Ulm sowie die Dirk Rossmann GmbH in Burgwedel.

Die Geburtsstunde der Drogeriemärkte fällt in den Januar 1974, als die Preisbindung aufgehoben wurde. Fortan konnte jeder Einzelhändler den Preis für Shampoo oder Spüli selbst bestimmen. Wie im Heimwerkermarkt oder in der Unterhaltungselektronik bildeten sich großflächige Fachmärkte - entweder mit gehobenem Sortiments- und Preisniveau oder mit Discountkonzept. Während die Drogeriemärkte ein rasantes Wachstum erlebten, verschwanden immer mehr eigentümergeführte Drogerien.

Zahlen belegen das: Erzielten die 160 Drogeriemärkte 1975 einen Umsatz von 153 390 Euro, waren es 2001 insgesamt 9,97 Mrd. Euro, ihr Marktanteil liegt heute bei fast 26 %, so die Kölner BBE-Unternehmensberatung. Im gleichen Zeitraum schrumpfte der Mittelstand von 14 000 auf heute nur noch 6 000 Drogerien. BBEW geht davon aus, dass die Drogeriemärkte ihren Anteil bis 2005 auf 27,9 % steigern können. Weitere Absatzkanäle für Drogeriewaren sind der Lebensmittelhandel, Kaufhäuser, Apotheken und Reformhäuser.

Die gehobenen Ansprüche der Deutschen an Körperpflege und gesunde Ernährung bescheren den Drogeriemärkten nach Ansicht von Professor Roeb eine Sonderkonjunktur. Die Branche wachse daher schneller als andere Sparten des Einzelhandels.

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