Drohender Irak-Krieg und schwache Konjunktur
Dunkle Wolken überschatten die CeBIT

Ein drohender Irak-Krieg und die besonders schwache deutsche Konjunktur dämpfen zur diesjährigen weltgrößen Computermesse CeBIT 2003 die Prognosen der Informationstechnik- und Telekommunikationsindustrie.

Reuters HANNOVER. Impulse erhofft sich die Branche vom neuen Mobilfunkstandard UMTS, dessen Einführung nach mehrmaliger Verzögerung in der zweiten Jahreshälfte erwartet wird. Für den europaweit derzeit schwächsten Markt Deutschland forderte der Branchenverband Bitkom am Dienstag einen Tag vor Beginn der CeBIT in Hannover einen politischen Richtungswechsel. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) müsse in seiner für Freitag angekündigten Regierungserklärung einen politischen Richtungswechsel mit klaren und schnellen Reformen auf dem Arbeitsmarkt und bei den Sozialsystemen einleiten, forderte Bitkom-Präsident Volker Jung. Notwendig sei eine längere Dauer für befristete Arbeitsverhältnisse und eine Aufhebung der bisherigen Tages-Höchstarbeitszeit von zehn Stunden. Mit Spannung wurde die Eröffnungsrede des Kanzlers am Dienstagabend erwartet.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) sieht Deutschland ohne schnelle Reformen auch in den Verwaltungen und Schulen als Technologiestandort gefährdet. Es sei immer schwieriger Spitzenkräfte nach Deutschland zu locken, sagte VDI-Präsident Hubertus Christ in Hannover.

Erholung erst 2004 erwartet

Ein spürbarer Aufschwung der High-Tech-Branche in Deutschland ist nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom allerdings erst 2004 zu erwarten. Nach dem erstmaligen Umsatzrückgang der Branche in Deutschland im vorigen Jahr rechnet Bitkom für 2003 lediglich mit einem stabilen Geschäft und einem Plus von bestenfalls einem halben Prozent, für 2004 mit einem Zuwachs von drei Prozent auf 136 Milliarden Euro. Für 2003 rechnet Bitkom mit dem Abbau von weiteren 10 000 Arbeitsplätzen. Im Falle eines Irak-Krieges könnten es allerdings leicht mehr werden, sagte Jung. Deutschland sei Schlusslicht in Europa und könne weiterhin nicht an die weltweit besseren Wachstumswerte anschließen. Die verhaltenen Prognosen stünden unter Vorbehalt. Bei einem längerem Irak-Krieg werde sich die Branche deutlich schlechter entwickeln.

Nokia senkt Prognosen

Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia schraubte unmittelbar vor CeBIT-Beginn am Dienstag seine Gewinn- und Umsatzerwartungen für das laufende Quartal nach unten. Als Gründe nannte Nokia am Konzernsitz in Helsinki die Kaufzurückhaltung angesichts der allgemein schlechten Wirtschaftslage und ein schwaches Geschäft der Netzwerksparte. Auch andere Handy-Hersteller wie der mit deutlichem Abstand kleinere Konkurrenten Motorola hatten jüngst trübe Ausblicke abgegeben.

Der deutsche Halbleiter-Hersteller Infineon rechnet dennoch weltweit für 2003 mit einem Zuwachs des Handymarkts von acht bis zwölf Prozent, was im Mittelfeld der Prognosen von Handy-Herstellern und Marktforschungsinstituten liegt. Allerdings dürften darunter noch wenig Geräte für den von nach wie vor von großen Hoffnungen begleiteten neuen Mobilfunkstandard UMTS sein, sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher in Hannover.

Hoffnung auf UMTS

Dennoch war UMTS bereits vor Beginn der weltgrößten Computerschau ein zentrales Thema auf der CeBIT, die mit 6500 Ausstellern um fast 20 Prozent kleiner ausfällt als im vorigen Jahr mit 7900 Ausstellern. Besonders in Deutschland setzt die Branche große Hoffnungen in UMTS, wo im Herbst nach mehrjähriger Verzögerung vier Netze an den Start gehen sollen. Ab 2005 sei für UMTS bereits ein Massenmarkt zu erwarten, sagte Bitkom-Präsident Jung. Der zweitgröße deutsche Mobilfunkanbieter Vodafone D2 verschob seinen bisher für Ende Frühjahr angekündigten kommerziellen UMTS-Start am Dienstag ebenfalls auf die zweite Jahreshälfte und kündigte gleichzeitig Preissenkungen für seine mobilen Datendienste an. Damit folgte Vodafone dem Marktführer T-Mobile, der Preisnachlässe von bis zu 70 Prozent zur vermehrten Nutzung angekündigt hatte.

Die gesamte mobile Datenübertragung wird von Bitkom als Wachstumstreiber der nächsten Jahre gesehen. Allerdings müssten in Deutschland Banken und Sparkassen ihre Kredit-Zurückhaltung aufgeben. Dies sei inzwischen ein großes Investitionshemmnis.

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