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Druck auf Allawi wegen Falludscha-Offensive

Kurz nach Beginn der Großoffensive auf die Rebellenhochburg Falludscha haben Aufständische drei Verwandte des irakischen Übergangsministerpräsidenten Ijad Allawi entführt, um ein Ende der Angriffe zu erreichen.

dpa FALLUDSCHA/BAGDAD. Kurz nach Beginn der Großoffensive auf die Rebellenhochburg Falludscha haben Aufständische drei Verwandte des irakischen Übergangsministerpräsidenten Ijad Allawi entführt, um ein Ende der Angriffe zu erreichen.

Die Geiselnehmer drohten in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung mit der Ermordung der Entführten nach Ablauf von 48 Stunden, sollte die formell von Allawi angeordnete Falludscha-Offensive nicht gestoppt werden. Auch politisch geriet Allawi durch Proteste und den Rückzug der größten Sunnitenpartei aus der Regierung unter Druck. Augenzeugen berichteten unterdessen von Dutzenden Leichen und zwei zerstörten US-Panzern in dem besonders umkämpften Golan-Viertel Falludschas.

Die US-Armee hatte zuvor erklärt, bis Dienstagabend seien bei der Offensive in der westirakischen Rebellenhochburg zehn amerikanische Soldaten und zwei irakische Sicherheitskräfte getötet worden. "Die amerikanischen Soldaten bewegen sich immer nur in großen Gruppen auf den Hauptstraßen", sagte ein irakischer Augenzeuge in einem der von den US-Truppen kontrollierten Viertel. In der Stadt hielten sich insgesamt noch rund 100 000 Menschen auf. Die Lebensmittelvorräte würden langsam knapp. Verletzte würden nicht behandelt.

Die Übergangsregierung bestätigte am Mittwoch, dass ein Cousin Allawis am Dienstag vor seinem Haus im Bagdader Jarmuk-Viertel zusammen mit seiner Ehefrau und einem Sohn entführt wurde. Eine Gruppe, die sich Ansar al-Dschihad nennt, bekannte sich auf einer Islamisten-Internetseite zu der Geiselnahme und drohte mit der Ermordung der Familienangehörigen Allawis, sollte die Falludscha- Offensive nicht gestoppt werden. Für die Echtheit des Bekennerschreibens gab es keine unabhängige Bestätigung.

Irakische Soldaten haben in Falludscha nach eigenen Angaben verlassene Häuser von Geiselnehmern entdeckt. Wie ein hoher irakischer Offizier am Mittwoch vor Journalisten berichtete, seien in den Häusern im Norden der sunnitischen Stadt Videos mit Enthauptungen von ausländischen Geiseln gefunden worden. Zudem hätten Soldaten dort Listen mit Namen von Geiseln sowie schwarze Kleidungsstücke entdeckt, die Geiselnehmer auf den Bildern der Videos getragen hätten.

Die Islamische Partei hatte aus Protest gegen den Angriff auf Falludscha am Dienstag ihren einzigen Minister im Kabinett von Allawi aufgefordert, sein Amt niederzulegen. Industrieminister Hadschem al- Hassani weigerte sich jedoch. Daraufhin wurde der Minister am Mittwoch aus der Partei ausgeschlossen. Die Partei ist die stärkste sunnitische Partei des Iraks.

Die Falludscha-Offensive zog außerdem eine Zunahme von Attacken auf Vertreter der Staatsmacht nach sich. In Mossul griffen Aufständische am Mittwoch eine Polizeipatrouille an. Dabei starben sechs Menschen, darunter vier Polizisten. Am Morgen hatten Rebellen außerdem zwei Polizeistationen in Mossul angezündet, ohne dass jemand verletzt wurde. Bei zwei Sprengstoffanschlägen in Tos Chormato bei Kirkuk starben sechs Angehörige der irakischen Nationalgarde.

In den nordirakischen Ortschaften Tikrit und Howeidscha versammelten sich Hunderte von Bürgern zu Protestkundgebungen gegen die Offensive in Falludscha. Wie ein Polizeioffizier mitteilte, blieben in Howeidscha bei Kirkuk außerdem Schulen und Behörden geschlossen, nachdem Aufständische zu einem Generalstreik aufgerufen hatten. In Tikrit hinderte die Polizei rund 300 Demonstranten daran, zu einer Straße zu ziehen, die ständig von US-Truppen benutzt wird. Wie Augenzeugen berichteten, entführten Aufständische am Mittwoch in Mossul zwei türkische Lastwagenfahrer und zündeten einen ihrer Tanklastwagen an.

In Balad, 80 Kilometer nördlich von Bagdad, wurde nach amerikanischen Militärangaben ein US-Soldat getötet und ein anderer verletzt, als am frühen Mittwochmorgen eine Bombe am Straßenrand explodierte.

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