Druck auf Betreiber steigt
Endspiel um Schweizer Flughäfen

Zorn in Zürich und Basel: Nach dem Kahlschlag bei der Fluglinie Swiss kämpfen auch die Airports ums Überleben.

ZÜRICH. Die Stimmung an den Schweizer Flughäfen ist am Boden. "Wenn ein Mitbewerber sich verkleinert, werden andere größer. So ist der Markt", stöhnt Andreas Siegenthaler, Sprecher der Züricher Flughafenbetreiberin Unique. Siegenthaler weiß auch, wie der Markt die Rollen verteilt hat: Die Schweizer Flughäfen werden zu denen gehören, die sich verkleinern. Schuld daran, dass es vor allem die Eidgenossen trifft, ist die überdimensionierte Fluglinie Swiss, die Personal, Flotte und die Anzahl ihrer Strecken nunmehr drastisch verringert. Schärfster Wettbewerber von Zürich ist der Flughafen München: "Es ist denkbar, dass München insbesondere im Bereich des Langstreckenverkehrs zusätzliche Passagierströme aus der Schweiz generiert", sagt dessen Flughafenchef Michael Kerkloh. In Relation zum Gesamtaufkommen dürfte der Zuwachs indes "eher eine nachrangige Rolle" spielen, so Kerkloh.

Siegenthaler klagt, München werde "von der deutschen Politik unterstützt". Der Flughafensprecher spielt damit auf die Verhandlungen zwischen Bern und Berlin an, in denen es um Anflugmöglichkeiten über deutschem Boden Richtung Zürich geht. Berlin und das betroffene Baden-Württemberg wollen massive Einschränkungen durchsetzen.

Die Erkenntnis, möglicherweise zu den Verlierern zu gehören, setzt die Schweizer Flughäfen jetzt unter erheblichen Druck. Die Folge: In Zürich, Basel, Genf und Bern wird gespart, wo es nur geht. Allein Zürich muss von September an neun Gates still legen und die Löhne gut verdienender Mitarbeiter um 3 % kürzen. Massiv unter Sparzwang gerät auch Basel. Der Airport, der zur Zeit einer Großbaustelle gleicht, hatte 1998 ein 230 Mill. Euro schweres Ausbauprogramm beschlossen. Damals frequentierten rund 4 Mill. Passagiere den Flughafen im Dreiländereck.

Wenn die Swiss jetzt ihren Sparplan umsetzt, werden vielleicht noch fünf bis zehn Ziele von Basel aus angeflogen, schätzt Flughafensprecher Andreas Hatt. Mit mehr als 2,6 Mill. Passagieren rechnet er für dieses Jahr nicht. Der Verkehr sei "zusammengebrochen". Die dritte Phase des Flughafenausbaus wird gestoppt.

Mit ihren Sparplänen ziehen Flughafenbetreiber und die Swiss die Wut der Beschäftigten und Regionalpolitiker auf sich. "Basel kämpft", plakatiert eine für das Bodenpersonal zuständige Gewerkschaft seit Tagen entlang der Zufahrtswege zum Flughafen. Und der Basler Verkehrsminister Ralph Lewin beklagt, dass die Folgen des Swiss-Überlebenskampfs "nun auf Kosten unseres Wirtschaftsstandorts" gehen. Vorsorglich weist er darauf hin, dass der Fluglinie Swiss per Bundesbeschluss eine "angemessene Bedienung" aller Landesflughäfen aufgegeben worden sei. Auch in Zürich herrscht Unbehagen. Die dortige Luftverkehrsgewerkschaft spricht von einem "Endspiel". Bruno Heinzelmann, Stadtpräsident des Örtchens Kloten, zu dem der Flughafen gehört, sorgt sich angesichts der Entlassungswelle bereits um "sinkende Steuereinnahmen und wachsende Sozialabgaben".

Den einzigen Ausweg sehen die Flughäfen in Verhandlungen mit anderen Fluglinien - insbesondere Billiganbietern, die derzeit mit märchenhaften Wachstumsraten für Furore sorgen. So führen die Basler Flughafenbetreiber beispielsweise Gespräche mit EasyJet - und stöhnen über deren Vorstellung, was Start- und Landegebühren anbelangt: "Wir verhandeln", sagt Flughafensprecher Hatt, "aber nicht um jeden Preis".

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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