Druck auf Blair wächst
Schröder warnt USA vor Militäreinsatz

Einseitige Aktionen wären ein "großer Fehler", da sie die nach dem 11. September entstandene internationale Solidarität gefährden könnten, sagte Schröder in dem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch.

dpa WASHINGTON/SYDNEY/LONDON/KAIRO. Er forderte von Washington echte Konsultationen. Dies dürfe aber nicht bedeuten, dass er zwei Stunden vor dem Angriff einen Anruf erhalte. Im US-Außenministerium wurden die Bemerkungen am Donnerstag als "nicht hilfreich" bezeichnet.

Ebenso wie die Bundesregierung und die meisten EU-Staaten machte nun auch der australische Ministerpräsident John Howard deutlich, dass er auf eine diplomatische Lösung der Irak-Krise hofft. Unterdessen wird der Druck auf den britischen Premierminister Tony Blair immer stärker, eine Sondersitzung des Parlaments wegen eines möglichen Militärschlages gegen den Irak einzuberufen.

Führende britische Oppositionspolitiker setzen sich dafür ein, zu einer außerplanmäßigen Sitzung nach den für Samstag in den USA geplanten Gesprächen Blairs mit US-Präsident George W. Bush zusammenzukommen. Das britische Unterhaus kehrt regulär erst am 15. Oktober aus den Sommerferien zurück. Es kann nur auf Wunsch des Premierministers, der zur Entsendung von Soldaten in einen Krieg keine Genehmigung des Parlaments braucht, vorzeitig zusammengerufen werden.

Howard erklärte am Donnerstag in Sydney, trotz des engen Bündnisses mit den USA müsse eine Beteiligung Australiens an einem möglichen Militärschlag im Interesse des Landes sein. Seine Regierung werde "nicht einfach die Hacken zusammenschlagen", sollte Washington um militärische Unterstützung gebeten werden. Er räumte allerdings auch ein, dass man über ausreichend Geheimdienst-Informationen über eine Anhäufung von Massenvernichtungswaffen im Irak verfüge.

Bundeskanzler Schröder hob dagegen hervor, er habe bisher keine neuen Beweise erhalten, dass sich die Gefahr vergrößert habe, die vom Irak ausgehe. Nach seiner Einschätzung werde die Gefahr zwar von einigen unterschätzt, von einigen anderen wie der US- Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice aber überschätzt, sagte Schröder der Zeitung. Ein Krieg gegen den Irak würde alles gefährden, was im Kampf gegen das Terrornetzwerk El Kaida bisher erreicht worden sei. Schröder bekräftigte, er lehne selbst im Falle einer UN - Resolution eine deutsche Beteiligung an einem Irak-Krieg ab.

In ungewohnter Einigkeit sprachen sich die arabischen Staaten gegen die amerikanischen Pläne zum Sturz von Saddam Hussein aus. Zum Abschluss der zweitägigen Sitzung der Arabischen Liga am Donnerstag in Kairo nannte der libanesische Außenminister Mahmud Hammud dafür drei Gründe: "Erstens wollen wir die Einheit des Iraks bewahren, zweitens seine Unabhängigkeit und drittens geht es darum, dass mit dem internationalen Recht nicht gespielt wird, denn sonst hieße es, dass der Stärkere den Schwächeren unterdrücken kann."

Der Generalsekretär der Liga, Amre Mussa, fügte hinzu: "Wir sind für eine Rückkehr der internationalen (UN-Waffen -)Kontrolleure, basierend auf einer Einigung zwischen der irakischen Regierung und UN-Generalsekretär Kofi Annan." Die arabischen Außenminister sprachen sich in Kairo außerdem für eine Aufhebung der UN-Sanktionen gegen den Irak aus.

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