Druck auf das Taliban-Regime erhöht
USA setzen auf die Macht der Geheimdienste

Die US-Regierung setzt nach eigenen Angaben nicht so sehr auf Raketen, sondern auf Informationen. Gezielt will sie die Terroristen aufspüren.

bac/fmd WASHINGTON/LONDON. Die USA haben Erwartungen auf einen raschen Angriff auf Afghanistan gedämpft, den Druck auf das Taliban-Regime aber verstärkt. "In dieser Schlacht werden nicht Cruise Missiles oder Bomber den Ausschlag geben", sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Mittwoch, bevor er überraschend nach Saudi-Arabien, Oman, Ägypten und Usbekistan aufbrach.

Zuvor hatte der britische Premier Tony Blair deutliche Hinweise auf Militäraktionen gegen die Taliban gegeben: Da Afghanistan auf das Ultimatum, den Drahtzieher der Terror-Anschläge, Osama bin Laden, auszuliefern, nicht reagiere, werde es die Konsequenzen zu spüren bekommen. Die Aktionen der USA und Großbritanniens seien darauf angelegt, die Militärbasis der Taliban zu eliminieren. Blair will am Freitag in Pakistan mit Präsidenten General Pervez Musharraf sprechen.

Die US-Regierung setzt in ihrem Kampf gegen das terroristische Netzwerk bin Ladens vor allem auf die Geheimdienste. "Es geht hier in erster Linie um Informationen von bestimmten Menschen in einem bestimmten Land, das durch ein diktatorisches Regime unterdrückt wurde. Mit diesem Wissen können wir den Terrorismus an den Wurzeln packen und beenden," sagte Rumsfeld. Zuvor hatte er 1 000 Soldaten nach Usbekistan und Tadschikistan beordert. Damit haben die USA 30 000 Mann, 349 Flugzeuge und 44 Schiffe in der Region stationiert.

Nach der Ansicht von Verteidigungsexperten wollen die US-Militärplaner vorrangig Terroristen aufspüren und Ausbildungslager zerstören. "Der Einsatz ist sehr eng definiert, um die muslimische Welt nicht zu verprellen", sagte Ted Carpenter vom Cato-Institut in Washington. Eine Schlüsselrolle spielten leicht bewaffnete Spezialeinheiten. Sie dringen in feindliches Gebiet ein, bekommen Unterstützung durch die Luftwaffe und werden nach wenigen Tagen wieder ausgeflogen. Den Beginn solcher Einsätze sehen die meisten Experten innerhalb der nächsten Wochen. Die zunehmende internationale Kritik am afghanischen Taliban-Regime sehen Sicherheitsexperten als Teil einer zwischen Washington, London und Islamabad abgestimmten Kampagne. "Der politische und psychologische Druck auf Kabul wird erhöht", sagte Thomas Keaney von der Johns-Hopkins-Universität in Washington. "Die US-Regierung spekuliert auf Risse innerhalb des Taliban-Blocks und hofft auf Überläufer", betonte James Lindsay von der Brookings Institution. "Das Taliban-Regime wird seine Macht verlieren", meinte Gebhard Schweigler vom National War College in Washington. Schwierig sei allerdings die Bildung einer Nachfolge-Regierung. Die USA würden hier nicht direkt eingreifen, sondern die Nordallianz in ihrem Kampf gegen die Taliban-Milizen unterstützen.

Blair forderte auf dem Labourparteitag indirekt dazu auf, die Terror-Anschläge als Chance für eine neue Weltordnung zu verstehen: "Wir sehen, wie zerbrechlich unsere nationalen Grenzen angesichts der weltweiten Herausforderungen sind." Mit sanfter Kritik an der zunächst unilateralistisch ausgelegt Politik der Bush-Regierung sagte Blair, dass es keine Alternative dazu gebe, die Welt als Gemeinschaft zu begreifen. Ob Terrorismus, Finanzmärkte, Klimaschutz, Welthandel - die nationalen Interessen könnten von den internationalen nicht mehr separiert werden.

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