Druck auf die Cromme-Kommission wächst
Vorstandsgehälter im Visier

Aus "Kann-Vorschriften" könnte bald eine Verpflichtung werden: Weil nur wenige Unternehmen die Bezüge ihrer Vorstände individuell veröffentlichen, wird der Ruf nach schärferen Regeln lauter.

HB/shf FRANKFURT/M. Voriges Jahr waren die deutschen Konzerne von der Corporate-Governance-Kommission unter Thyssen-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zu mehr Offenheit bei Vorstandsgehältern aufgerufen worden. Nur sieben der Großkonzerne aus dem Dax veröffentlichen die Vorstandsbezüge im Detail.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat mehrfach betont, sie erwarte neue Vorschläge von der Cromme-Kommission, anderenfalls werde es gesetzliche Regelungen geben. Die Forderungen aus dem politischen Raum müsse man "sehr ernst nehmen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, der zugleich Mitglied der Kommission ist. Hocker spricht sich dafür aus, eine Empfehlung zum Ausweis von Einzelbezügen in den Kodex aufzunehmen. Bisher ist dies im Cromme-Kodex lediglich eine unverbindliche Anregung, an die sich von den Dax-Unternehmen nur Altana, Deutsche Bank, Bayer, Deutsche Börse, SAP, Thyssen-Krupp und Schering halten.

Der Cromme-Kommission gehören allerdings auch erklärte Gegner eines individualisierten Ausweises von Vorstandsbezügen an. Eine Offenlegung bedient nach Auffassung von Max Dietrich Kley, Mitglied der Kommission und Präsident des Deutschen Aktieninstituts (DAI), vor allem die menschliche Neugier.

Der Chef des Berliner Pharma-Unternehmens Schering, Hubertus Erlen, sprach sich dagegen aus, die Offenlegung der Bezüge per Gesetz zu erzwingen. "In einer marktwirtschaftlichen Ordnung gehört dies wie alle anderen Corporate-Governance-Regeln in den klassischen Bereich der Selbstverpflichtung eines Unternehmens gegenüber seinen Aktionären und sollte nur vom Unternehmen selbst entschieden werden", sagte Erlen.

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