Druck auf die Verlage durch neue Mega-Buchhandlungen wächst: Handelsketten erobern den Buchhandel

Druck auf die Verlage durch neue Mega-Buchhandlungen wächst
Handelsketten erobern den Buchhandel

Sinkende Umsätze, wachsende Konzentration: Der deutsche Buchmarkt steckt in der Krise. Die wachsende Macht der Ketten bekommen auch die Verlage zu spüren. Rabatte drücken auf die Renditen.

DÜSSELDORF. Der deutsche Buchhandel ist in der Krise angekommen: Etwa 5,2 Mrd. Euro Umsatz hat der Buchhandel im vergangen Jahr gemacht, knapp vier Prozent weniger als im Vorjahr. Allein in Berlin ist im vergangenen Jahr fast jede zehnte Buchhandlung pleite gegangen, darunter so bekannte Namen wie Kiepert.

Große Filialisten wie die Buchhandelskette Thalia sehen in der Krise ihre Chance. "Wir wollen Marktführer bleiben und unser Umsatzwachstum halten", kündigt Jürgen Könnecke, Geschäftsführer der Thalia-Holding, an. Durch die Fusion der Thalia-Buchhandlung mit der Douglas Holding im April 2001 ist auch der Druck auf die Verlage gewachsen. Mit 324 Mill. Euro macht die Handelskette Thalia schon jetzt mehr Umsatz als Deutschlands größte Buchgruppe, Bertelsmanns Random House.

Dank der bundesweiten Präsenz können die Einkäufer der großen Ketten ihre Marktmacht ausspielen. Die Verlage stehen vor der Alternative, auf die Forderungen der Großen einzugehen oder in Städten wie Berlin auf bis zu 30 % der Präsentationsfläche für ihre Bücher zu verzichten. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Die großen Buchhandelsketten bekämen im Schnitt etwa 5 % höhere Rabatte als kleinere Buchhandlungen, so genannte Werbekostenzuschüsse wie Plakate und Pappaufsteller für die Bücher eingerechnet, heißt es in Branchenkreisen.

"Der Druck auf die Verlage wächst. Das gilt nicht nur für die Konditionen, sondern auch für die Anzahl der Titel," sagt Peter Molden, Geschäftsführungsmitglied beim Lübbe-Verlag in Bergisch-Gladbach. Dabei sind große Verlage mit Massentiteln in der Regel besser aufgestellt als kleine und mittlere Verlage wie Lübbe. Molden: "Je höher die Bestseller-Garantie, desto größer die Chance, an Thalia oder Hugendubel zu verkaufen. Unser Verlagsprogramm ist um 10 % geschrumpft, das betrifft vor allem die Titel mit einer kleinen Auflage."

Die Zuwachsraten im reinen Verkauf sind auch beim Marktführer Thalia mager: Gerade mal 0,5 % mehr Umsatz hat das Unternehmen im vergangenen Jahr durch den Verkauf von Büchern in Deutschland gemacht. Wachstum bedeutet für Thalia daher vor allem Wachstum in der Fläche und durch Zukäufe. Doch die Standorte für neue Mega-Buchhandlungen mit Musikberieselung, Multimedia-Abteilung und Lese-Lounge werden knapp. Vielerorts treten sich die Großen auf die Füße: In Krefeld hat Thalia die Greven Buchhandlung übernommen; im April will die Buchhandelskette Habel eine weitere Buchhandlung mit 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnen. In Hannover konnte sich die Buch-Kette Weiland mit 20 Filialen im Norddeutschen Raum gegen Thalia durchsetzen.

In diesen Städten wird es für kleine und mittlere Buchhandlungen schwer, sich gegen die Ketten durchzusetzen. Dabei ist der Trend zur Erlebnisbuchhandlung nicht das einzige Problem der Händler: Viele Läden sind Familienunternehmen und finden keinen Nachfolger. Sie stehen vor der Alternative, an eine Kette zu verkaufen oder zu schließen. Branchenführer Thalia hat bereits weitere Standorte ins Visier genommen. Geschäftsführer Könnecke: "Interessant ist für uns das Stadtzentrum von Berlin, hier sind wir bisher nur in den Bezirken vertreten. Aber natürlich sind auch mittlere Städte wie beispielsweise Braunschweig nicht uninteressant."

Braunschweig ist einer der letzten weißen Flecken auf der Karte der Ketten. Größte Buchhandlung am Ort ist Graff, ein Familienunternehmen, das von den Brüdern Joachim und Thomas Wrensch geführt wird. "Der Druck auf mittelgroße Buchhandlungen wie uns wird immer stärker", sagt Thomas Wrensch. "Unsere Strategie ist es, die Schwelle für eine Übernahme möglichst hoch zu legen, das heißt, selber zu wachsen." Die Kräfteverschiebung im Buchhandel wird auch auf der Leipziger Buchmesse und dem Literaturfestival Lit-Cologne in KöIn Thema sein, wo sich die Branche in diesen Tagen trifft.

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